Nachtrag zum Europatag

Europatag?? Dass es so etwas bei uns gibt fiel mir erst auf, als ich mich am 9. Mai fragte, weshalb bei den Ämtern an diesem Tag Europafahnen zu sehen waren. Da kamen die noch frischen Erlebnisse des Wochenendes vor dem 1. Mai wieder in mir hoch. Europa- das haben wir doch ganz hautnah gerade erst erlebt. Sicher ganz anders als in Brüssel oder Straßburg. ..
Als Chor des Gesangvereins Seebergen und des Wechmarer Heimatvereins hatten wir Kontakte zu einem Chor in der Charante (Frankreich)geknüpft und eine Begegnung unserer Chöre in Thüringen an besagtem Wochenende organisiert.
Welch Abenteuer- die Unterbringung erfolgte in Gastfamilien- auch mit geringen oder ohne Französischkenntnisse, und alle waren sehr aufgeregt, wer denn da kommt! Und dann waren sie da, und es gab die erste Begegnung zu einer gemeinsamen Probe, um die Konzerte in Georgenthal und Mühlberg vorzubereiten. Sofort war klar- als Chöre passen wir gut zueinander hinsichtlich der Größe, des Chorleiterstils und auch des Repertoires. Bald stellte es sich auch heraus, dass die „Chemie“ im zwischenmenschlichen Bereich ebenfalls stimmte. Auch mit den 4 englischen Sängern, die seit mehreren Jahren in Frankreich leben und dem französischen Chor angehören. Besonders sie waren positiv überrascht, wie Thüringen seine Denkmäler mit so viel Bedacht pflegt. Eine französische Sängerin war emotional überwältigt, als sie in Mühlberg von der Verbindung zur Radegunde erfuhr, die in Poitier das erste Frauenkloster gegründet hatte. War sie doch in Poitier direkt neben der Kirche, die später an der Stelle des Klosters errichtet wurde, geboren, und ihr Vater war 50 Jahre an dieser Kirche tätig gewesen.
Dann möchte ich noch den 82jährigen Sänger erwähnen, der noch immer jeden Morgen bei seinen 70 Mastrindern und 2000 Kaninchen im Stall anzutreffen ist. Er ist stolz darauf, dass seine jährlichen 500 Liter Rotwein nicht mit Pestiziden oder Insektiziden in Berührung kommen und dass er noch selbst die geernteten Birnen und Pflaumen in eine Brennerei bringt. Kostproben hatte er für uns deutsche Sänger natürlich mitgebracht…
Wir deutschen Sänger hatten uns außer den bereits zuvor einstudierten Volksliedern „Alouette“ und „Chevaliers de la table ronde“ darauf vorbereitet, mit den Franzosen (einschließlich Engländern) gemeinsam die „Balade irlandais“, also eine irische Ballade, auf Französisch zu singen oder „Bleibe bei mir Herr“ in Deutsch, Englisch und Französisch. Die Franzosen haben auf Deutsch „Heilig sei der Herr“ mit perfektem „ H“ gesungen, was für den „normalen“ Franzosen völlig unmöglich ist. Dem deutschen Kanon „Wo die Liebe wohnt“ haben wir selbst mit einer französischen Übersetzung versehen und gemeinsam in Deutsch und Französisch einstudiert. Dies waren ganz besondere künstlerische und ich meine auch europäische Erlebnisse.
Beeindruckt hat mich die Leichtigkeit des französischen Chores. Ich habe während der drei Tage „unsere“ Franzosen touristisch und sprachlich in Gotha, Erfurt und Weimar betreut. Sie fanden es ganz normal, in Weimar in der Schillerstraße spontan „Oh, Champs Elysées“ oder beim Fotografieren vorm Nationaltheater die „Ode an die Freude“ zu singen.
Wir deutschen und französischen Sänger waren uns sehr schnell sehr nah. Das verwundert nicht, denn bei gemeinsamem Hobby ergibt sich das von selbst. Es wurde auch diskutiert und festgestellt, dass wir uns über politische Belange ähnliche Sorgen machen. Was wird mit der Krise, der Rente, warum gewinnen rechte Kräfte zunehmend Einfluss in Frankreich und Deutschland? Irgendwie haben wir Europa jetzt direkt erlebt, und es war gut, hat uns neue Kraft gegeben. Das müsste doch auch auf anderen Ebenen zu machen sein…
Auf alle Fälle bleiben wir im Gespräch, wir haben den Gegenbesuch bei unseren französischen Freunden für Himmelfahrt 2013 bereits geplant. Darauf freuen wir uns!

Petra Mänz, Seebergen
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