Ordnung muss sein, oder?

Der Weihnachtsmann sitzt zufrieden in seinem Postbüro. Er hat heute schon so vie-le Briefe an die Erdenkinder geschrieben, viele Wünsche erfüllt und auch brav die Liste abgearbeitet, die der Oberpostengel Postullus ihm morgens immer auf den Tisch legt. Nun sitzt er in seinem Schaukelstuhl vor dem Kamin, zieht genüsslich an seiner Pfeife und träumt vom Tauchen im nächsten Urlaub. Da klopft es zaghaft an seiner Tür.
„Immer herein, frohen Mutes!“, ruft der Weihnachtsmann. Doch was ist das? Vor ihm steht ein kleiner Hase, dem dicke Tränen über das Fell rollen.
„Was ist dir, Hasenkind?“, fragt der Weihnachtsmann nervös. Er kann nicht sehen, wenn jemand traurig ist.
„Postullus schickt mich!“
„Na super“, murmelt der Weihnachtsmann. „Der schon wieder. Was ist passiert?“, will er wissen.
„Ich habe mir ein neues Sortiersystem für die Briefe ausgedacht, die du den Kindern schreibst. Weil ich doch ein Sortierhase bin!“
„Und dir ist nichts eingefallen? Das ist nicht schlimm. Vielleicht habe ich ja eine Idee, wenn ich noch ein Weilchen in meinem Schaukelstuhl schaukele.“
„Nein, Weihnachtsmann, ich habe eine neue Ordnung gefunden.“
„Ja, Ordnung muss sein“; sagt der Weihnachtsmann.
„Aber es war die falsche“, weint der Hase.
„Wie kann Ordnung falsch sein?“, wundert sich der Weihnachtsmann.
„Na ja“, sagt das Häschen kleinlaut. „Ich habe die Mädchenname in eine Kiste sor-tiert und die Jungennamen in eine andere und dann die Straßennamen, die mir ge-fallen haben. Und Hausnummern, die schön rund aussahen.“
Jetzt wird dem Weihnachtsmann ganz schwindelig. „Das klingt nicht gut“, sagt er langsam. „Ich glaube, es geht nach Postleitzahlen! Nur so kann ein Brief auf der Erde schnell zu einem Kind geschickt werden.“
„Ja“, sagt das Häschen kläglich. „Aber was jetzt?“
Der Weihnachtsmann runzelt die Stirn. Schwerfällig erhebt er sich aus seinem Schaukelstuhl und wandert nachdenklich durch seine kleine gemütliche Stube. Er sieht nicht das lustige Spielmobil, das die Engel ihm auf seine Kommode gestellt haben, beachtet nicht die Kerzen, die ihre Schatten anheimlich hin und her tanzen lassen. Er denkt nach. Schließlich bleibt er vor dem Häschen stehen, klopft ihm auf das Fell.
„Die vielen Postengel und ich sortieren deine Briefe einfach wieder um. Ich gehe mit dir in die Postschule, damit Postullus uns das mit den Postleitzahlen einmal ganz in Ruhe erklärt. Schließlich muss man ja wissen, warum man etwas so und so macht und nicht anders, oder?“
Der kleine Hase ist plötzlich wieder ganz froh. „Danke, Weihnachtsmann“, sagt er.
„Ja, ja“, brummelt der Weihnachtsmann. „Wir sehen uns dann in der Postschule! Ich muss jetzt den Postengeln sagen, dass sie heute eine Nachtschicht machen müs-sen.“ Dann stiefelt er aus seiner Stube.
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