Schöner schreiben, länger leben: Shengchao Li beherrscht die chinesische Kalligraphie

 

Wer schön schreiben kann, lebt länger. Shengchao Li lächelt, wenn er diese, seine Weisheit verkündet. Doch er meint es ernst. Seit Jahrtausenden ist in seiner Heimat China die Kalligraphie, die Kunst des schönen Schreibens, eine hoch angesehene.

Schätze des Gelehrtenzimmers



Mithilfe der vier Schätze des Gelehrtenzimmers - Papier, Pinsel, Tusche und Tuschestein - lässt der Schreiber jedes Schriftzeichen Strich für Strich behutsam entstehen, er zelebriert das Schreiben nahezu. „Dazu braucht man sehr viel Ruhe“, weiß Shengchao Li. Er vergleicht den Vorgang mit Meditation. Der Schreiber entspannt sich, Herz und Seele werden erleichtert, Sorgen und Melancholie sind mit einem Male ganz weit weg.

Sprache und Kultur



Manchmal nimmt er sich die Zeit und führt seine Schüler in die Geheimnisse der Kalligraphie ein. Seit über zehn Jahren unterrichtet Shengchao Li Chinesisch an der Salzmannschule in Schnepfenthal. Ihm, der dort auch das Konfuzius-Klassenzimmer leitet, ist es wichtig, den Schülern nicht nur die Sprache, sondern auch die Kultur seiner Heimat nahezubringen. Heimat? Längst ist Deutschland für den 50-Jährigen zu seinem zweiten Zuhause geworden. „Fast die Hälfte meines Lebens verbringe ich schon hier“, sagt er.

Zweifache Heimat



Er ist ein Mann, der zweimal eine Heimat besitzt. Da ist es normal, dass einem vieles von dem zu eigen wird, das in der Fremde üblich ist. Einmal sagte eine gute Freundin lachend zu Shengchao Li, dass er inzwischen mehr Deutscher sei als sie selbst, die Einheimische. „Man eignet sich immer mehr Eigenschaften an“, stellt er fest. Längst hat er sich daran gewöhnt, direkter zu sein. In China macht man eher viele höfliche Worte drumherum, vor allem, wenn einer etwas kritisieren will. „Hier sage ich es inzwischen einfach, natürlich immer freundlich und auf die Sache bezogen.“ Dass die Deutschen sehr stark an ihre Regeln gebunden sind, daran musste sich der studierte Hochschullehrer erst gewöhnen. Chinesen, weiß er, sind oft viel flexibler. Wenn beide ein wenig aufeinander zugehen, kann jeder vom anderen eine Menge lernen.

Viel Zeit vonnöten



Lernen ist das, womit sich seine Schüler im Chinesich-Unterricht sehr intensiv beschäftigen müssen. „Es braucht mehr Zeit als für andere Sprachen, Chinesisch zu lernen“, weiß der Lehrer. Der Hintergrund der Sprache ist deutschen Zungen nicht vertraut, es ist nicht möglich, wie zum Beispiel im Englischen, die Bedeutung bestimmter Worte zu erahnen, außerdem machen bis zu 90.000 Schriftzeichen die Sache zusätzlich schwierig. Doch wer lernen will, schafft es auch. Etwa 3500 chinesische Schriftzeichen sollte man beherrschen, um die Sprache einigermaßen gut lesen und verstehen zu können.

Kurse und Vorträge



Shengchao Li möchte nicht nur, dass seine Schüler immer mehr eins werden mit seiner Sprache. Dem Lehrer liegt es sehr am Herzen, dass die jungen Menschen mehr über sein Land erfahren. Er organisiert Vorträge und Ausstellungen, leitet nach der Schule Arbeitsgemeinschaften, kocht auch mal mit den Schülern. Auch über die Schultüren hinaus geht sein Engagement, mit Kursen und Vorträgen an der Volkshochschule in Gotha, Teezeremonien und Kalligraphie-Schnupperstunden im Herzoglichen Museum. Es ist gar nicht so schwierig, mit Pinsel und Tusche sein erstes chinesisches Schriftzeichen aufs Papier zu bringen. Shengchao Li erklärt geduldig jeden Schritt, verrät, welche Bedeutung jedem einzelnen der Grundstriche zukommt. Es ist ein wenig, als sei man für kurze Zeit in einer anderen Welt. Eine fernab der alltäglichen Hektik.

Termin:


Shengchao Li bietet an der Salzmannschule für Interessierte anderer Schulen einen kostenfreien Chinesich-Kurs an, der den Schülern Sprache und Kultur des Landes nahebringen soll: Immer dienstags um 15 Uhr.
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