The Vision Bleak - Geisterstunde, urbaner Firlefanz und ein Sumpf

Allen B. Konstanz.
Tabarz/Thüringer Wald: Tabarz |

+ Agieren aus dem Wald + Wie man als Band trotzdem erfolgreich sein kann +

Eine Weltstadt ist Tabarz nicht. Für diese These wird sich kein Verfechter finden. Was nicht heißt, dass man sich von dort aus nicht eine weltweite Fangemeinde erspielen kann. Aktuell haben „The Vision Bleak“, deren Sänger Allen B. Konstanz aus Tabarz stammt, einen Tonträger namens „Witching Hour“ (Geisterstunde) in Warteposition, den sie am 28. September in die Regale der Musikläden einsortieren. Dabei müssen sie sich mit allerlei Schwergewichten in der Metal-Szene anlegen, die in der gleichen Woche neue Silberlinge herausbringen. „In Extremo“, „Carcass“ veröffentlichen neue Alben oder wie „Metallica“ gleich einen Film dazu (Metallica / Through The Never). Noch im Sommer haben Genre-Bands wie „Powerwolf“ oder „Saltatio Mortis“ die Charts erobert und Schlagerstar Hansi Hinterseher aus der Bahn geschoben.
„Allerdings heißt Platz eins nicht automatisch gut, jedenfalls was Verkaufszahlen angeht“, erzählt Konstanz, der mit seiner Band bereits die fünfte Scheibe vorlegt. Denn im Sommer, wenn sich alle zurückhalten mit neuem Material, ist es viel leichter in die Charts zu klettern. Diese Ziel ist ohnehin nicht wichtig für die Band, die auf eine treue Fangemeinde setzt. Auch im September – dem Monat der Veröffentlichungen von CDs. Allen B. Konstanz mag es eben sportlich. Schon früher flog er hoch und weit hinaus, als Skispringer. „Wer bei uns in Tabarz aufwächst, wird Skispringer“, sagt der heutige Sänger und Schlagzeuglehrer. Aber auch Musiker?

Nachbarschaft zur Musikindustrie ist nicht mehr so wichtig wie einst


„Nachbarschaftliche Kontakte zu Plattenfirmen und Produzenten spielen heute eine untergeordnete Rolle, alles ist gut vernetzt“, weiß Konstanz. Einzig die „szenetypischen Verpflichtungen“ nehme man nicht so oft war. Sprich, man kann von Tabarz aus eben nicht auf jeder Party in der Hauptstadt tanzen. Allerdings – und das ist eben der Vorteil in der Provinz: „Man wird auch nicht abgelenkt von all dem urbanen Firlefanz!“. Die Musiker können sich auf die Aufgabe bei der Musikproduktion konzentrieren, statt im Small-Talk zu verebben. Und nebenbei: „Kreative Prozesse entstehen im Sumpf!“, da ist sich Konstanz sicher und findet die passenden Beispiele: Wacken ist eben auch in Wacken, einem kleinen Dorf.

Und die größten Metal-Plattenlabels sitzen ebenfalls auf dem Lande. Auch Deutschlands größter Instrumentenhändler hat wohl mehr Angestellte, als es Einwohner im Dorf gibt. Nach Konzeptalben, beispielsweise zum Thema „Wolf“, haben die Horror-Rocker dieses Mal eine Hexengeschichte in die Rillen gepresst. Von der Geburt einer Hexe oder von der russischen Babajaga erzählen sie.

Gruselmärchen für ­Erwachsene, schaurig schön.


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