Thüringen royal: Ernestiner-Ausstellung in Weimar und Gotha erinnert an eine große Dynastie

Nächster Termin: 08.08.2016 bis 12.12.2016

Wo? Schloss Friedenstein, Schloß 1, 99867 Gotha DE
Dr. Friedegund Freitag im Schloss Friedenstein mit Teilen eines Tafelservices, das Erbprinz Ernst im Jahr 1768 während eines England-Aufenthaltes erwarb. In der Keramiksammlung der Stiftung Schloss Friedenstein befinden sich heute mehr als 150 Teile dieses frühen Wedgwood-Services.
 
Königin Victoria von Großbritannien und Irland, gemalt 1845 von Alexander de Melville. (Foto: © Stiftung Schloss Friedenstein Gotha)
Gotha: Schloss Friedenstein | Nur noch wenige Tag, dann öffnet die Thüringer Landesausstellung "Die Ernestiner - Eine Dynastie prägt Europa" in Gotha und Weimar ihre Pforten. Selbst Queen Elizabeth dürfte interessiert sein, hat sie doch ernestinische Wurzeln.


"Königin Victoria und ihr Albert waren ein tolles Paar!" Dr. Friedegund Freitag kann ihrer royalen Begeisterung nur schwer Einhalt gebieten. Genau, wie sie Mitgefühl empfindet für Prinzessin Luise, die es nicht leicht hatte in ihrer Ehe mit Herzog Ernst I. "Eine tragische Figur. Aber ich sollte besser neutral bleiben", ruft sich die Historikerin von der Stiftung Schloss Friedenstein lächelnd selbst zur Ordnung. Sie ist im Ernestiner-Fieber, lange schon. "Bereits Ende 2012 haben wir mit den Planungen begonnen", spricht sie über die Anfänge zur neuen kulturhistorischen Thüringer Landesausstellung, die sich in Gotha und Weimar der bedeutenden Herrscherfamilie widmet. Der Dynastie der Ernestiner entstammen Kurfürsten, Herzoge und Könige. Ihr Einsatz für Reformation und Protestantismus, ihr kulturelles Engagement und eine geschickte Heiratspolitik machten sie weit über Thüringens Grenzen hinaus bekannt, sie prägten die Geschicke und Geschichte in Europa.


Schade, dass nur wenige Thüringer darüber Bescheid wissen, mit dem Begriff "Ernestiner" etwas anfangen können. Dabei macht ein berühmter Nachkomme dieses Adelsgeschlechts noch heute täglich von sich reden - Queen Elizabeth II. Auch der belgische König Philippe hat ernestinische Wurzeln. Spätestens bei diesen Erwähnungen, so weiß es Dr. Freitag, werden die Thüringer hellhörig. Die Royals faszinieren immer. "Mit solchen aktuellen Bezügen lässt sich wunderbar Interesse wecken", sagt die Kuratorin des Gothaer Ausstellungsteils. Rund 340 hochkarätige Exponate dort und etwa 300 in Weimar lassen an den Origonalschauplätzen mehr als vier Jahrhunderte Thüringer und europäischer Geschichte lebendig werden, rücken die fast vergessene Dynastie auch multimedial wieder ins Bewusstsein.

Weimar widmet sich den Bereichen Glaube, Reich und Wissenschaft, in Gotha geht es um Familie, Land und Künste. Zwei Drittel der gezeigten Stücke - Gemälde, Schmuck, Porzellan, Textilien, Bücher und mehr - sind Leihgaben, zum Teil aus dem Ausland. Es sei wunderbar, diesen wertvollen Exponaten nun so nah zu sein, schwärmt Friedegund Freitag in den letzten Vorbereitungstagen von der fast fertigen Ausstellung. Plötzlich ist die Zeit der Ernestiner wieder lebendig. "Das ist alles andere als verstaubte, alte Geschichte", weiß die Projektleiterin zu begeistern. Über die Ernestiner, weiß sie, gibt es so viel zu erzählen. Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige, Ernst der Fromme als Vorreiter für Bildung und Schulwesen, Maria Pawlowna oder Queen Victoria sind einige große Namen, die zu begeistern wissen. Sie vor allem spielen in der Ausstellung eine Rolle, sie und ihr Wirken werden in mehreren Aspekten beleuchtet.

Wer den Ernestinern und ihrer Geschichte näher kommen möchte, sollte sich für jeden Ausstellungsteil Zeit nehmen. Zwei Stunden pro Stadt seien schon nötig, so der Rat der Expertin. Dabei sei es egal, ob man den Rundgang in Weimar oder in Gotha starte. Die Faszination, die von der Ernestiner-Dynastie ausgehe, werde hier wie da schnell auf die Besucher übergehen. Und bald schon wissen die Thüringer mehr um ihre ernestinische Vergangenheit, können sie sogar sagen "Die Queen ist eine von uns!"




Die Ausstellung:


Vom 24. April bis 28. August wird die Herrscherfamilie unter dem Titel »Die Ernestiner. Eine Dynastie prägt Europa« auf 4.000 m2 Ausstellungsfläche in ihren einstigen Residenzstädten Weimar und Gotha als das protestantische Fürstenhaus präsentiert, das die Geschicke seiner Lande zwischen Reformation und dem Ende der Monarchie lenkte und nachhaltig beeinflusste. An den Originalschauplätzen ernestinischen Wirkens werden durch hochkarätige Exponate mehr als vier Jahrhunderte thüringischer und europäischer Geschichte lebendig und die einst mächtige, heute fast vergessene Dynastie wieder in das öffentliche Bewusstsein gerückt.


Zu sehen in Weimar


In Weimar (im Stadtschloss und im Neuen Museum) führt die Ausstellung durch die Themen Reich, Glaube und Wissenschaft. In "Geschichten" werden das Handeln und Wirken der Ernestiner in einer themenübergreifenden Erzählung lebendig.


Zu sehen in Gotha


Wie für jedes mächtige Herrscherhaus waren auch für die Ernestiner die Bereiche Land, Familie und Künste von enormer Bedeutung. Ihnen widmet sich die Landesausstellung in Gotha (Schloss Friedenstein und Herzogliches Museum). Um die Entwicklung der Dynastie zwischen territorialer Zersplitterung und nationaler Einheit geht es bei dem Themenfeld "Die Ernestiner und das Land".


Mehr Informationen:


Infos zu Führungen und weiteren Angeboten, Kombiticket für beide Ausstellungsorte und mehr: www.ernestiner2016.de, Twitter: @ernestiner2016.


Termin:


Samstag, 23. April, 20-24 Uhr, Schloss Friedenstein und Herzogliches Museum: Die Ernestiner Kulturnacht mit Führungen, Konzerten und kulinarischen Angeboten.
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1 Kommentar
Thomas Gräser aus Erfurt | 20.04.2016 | 14:06  
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