Tourismus-Hochburg Gotha

Torsten Kunz, Geschäftsführer der "KulTourStadt Gotha GmbH". (Foto: Ninette Pett)
 
Unterwegs durch die Kasematten. (Foto: Ninette Pett)
 
Unterwegs durch die Kasematten. (Foto: Ninette Pett.)
Gotha: Kasematten | Wie man Touristen nach Thüringen lockt, kann derzeit in Gotha beobachtet werden. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass sich die Residenzstadt immer mehr zu einer Tourimus-Hochburg im Freistaat entwickelt. Torsten Kunz, Geschäftsführer der “KulTourStadt Gotha GmbH”, spricht im Interview über den Erfolg.


Herzlichen Glückwunsch, Herr Kunz! Die Zahl der Gäste, die in Gotha an einer Führung in der Stadt teilnehmen, hat sich innerhalb eines Jahres fast verdoppelt.
Im Vergleich von September 2012 zu September 2013 hatten wir eine Steigerung von etwa 90 Prozent.

Wie kommt es zu diesem Erfolg?
Wir haben unsere Werbestrategie umgestellt. Wir sind weg von “nur Gotha”, weg von der Plakatwerbung. Wir sind reingegangen bei der Deutschen Bahn. Wir haben mit “in-comming-Agenturen” Verhandlungen geführt und auch die ersten Ergebnisse erzielt. Und wir haben in überregionalen Printmedien Werbung gemacht. Es zeigt sich, dass wir genau richtig lagen.

Was ist eine “in-comming-Agentur” und wie arbeiten Sie zusammen?
Die Agenturen, beispielsweise in Hessen, haben von uns Arrangements bekommen und werden dann Gruppenreisen ab 20 Personen organisieren. Und dann wird über diese Agentur hier bei uns gebucht. Die Gäste kommen nach Gotha und sehen sich von hier aus andere Städte an.

Welche Führungen sind am beliebtesten?
Die beliebtesten sind die Führungen durch die Kasematten, die wir im September Gott sei Dank eröffnet haben. Wir hatten allein im vergangenen Monat 96 Führungen in den Kasematten. Optimistisch kalkuliert hatten wir mit 60. Wir sind zu Weihnachten mit den Kasematten-Führungen schon ausgebucht, an einigen Tagen bis zu sieben Führungen. Das ist Wahnsinn! Die normalen Stadtführungen sind wunderbar, aber auch ganz beliebt sind unsere thematischen Stadtführungen.

Wer nimmt an den Führungen teil?
Viele deutsche Touristen aus Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen. Bei den ausländischen Touristen liegt Holland an der Spitze, gefolgt von Österreich und Belgien. Wir wollen jetzt ganz stark in Dänemark werben. Denn die Dänen, habe ich festgestellt, fahren bis zum Brocken, denken “Da sind die Berge vorbei” und fahren nicht mehr ins schöne Thüringen.

Und in welchem Alter sind die Teilnehmer?
Wir haben Publikum über 40 und viele Seniorenreisen. Im nächsten Jahr habe ich eine Kooperation mit der Deutschen Bundesbahn abgeschlossen. Wir werden in sogenannten Gruppenportalheften werben, also in großen Broschüren, für Gotha, für Führungen bei den Vereinen, bei Schulklassen und bei Gruppenreisen. Und da denken wir, dass wir auch ein bisschen mehr die jüngeren Leute begeistern können, auch mal in Gotha eine Tagesfahrt zu machen.

Um den Ansturm zu bewältigen, haben Sie innerhalb des vergangenen Jahres 100 zusätzliche Führungen angeboten. Reicht das aus, um auf die zusätzlichen Gäste zu reagieren?
Wir müssen natürlich sofort reagieren. Wir haben im Moment um die 30 Gästeführer. Wir haben auch Spezialisten, die durchs Schloss oder die Kasematten führen oder für Stadt- und thematische Führungen. Wir haben gleich reagiert. Wir haben allein letzte Woche drei neue Gästeführer ausgebildet für die Kasematten.

Das heißt: Sie suchen neue Gästeführer?
Wir suchen ständig. Es kann ja nicht jeder Führer zu jeder Zeit. Wir wollen auch flexibel sein. Früher gab es immer ganz starre Öffnungs- und Führungszeiten. Beispiel Kasematten: Da bieten wir Führungen um 10 und 13 Uhr an. Aber ich sage: Wir dürfen alle 15 Minuten führen. Das heißt: Ich muss auch flexible Gästeführer haben. Da viele berufstätig sind, müssen wir aufstocken.
Was die Ausbildung angeht: Wir haben unseren Historiker, das ist Udo Hopf. Der hat die Kasematten damals ausgehoben und sie so wieder instand gesetzt. Der wird die Stadtführer ausbilden und die Prüfung abnehmen. Die Prüfung dauert pro Person 20, 30 Minuten und das ist schon sehr anspruchsvoll.

Wie viele Gäste kommen denn auf einen Stadtführer?
In den Kasematten haben wir überall LED-Lampen. Jetzt dürfen wir bis zu 15 reinnehmen. Bei den Stadtführungen können es bis zu 50 Teilnehmern sein. Die Stadtführer sagen 30 Teilnehmer wäre die optimale Gruppe, dann hört auch jeder zu.

Jetzt kommen mit dem neuen herzoglichen Museum viele neue Touristen in die Stadt. Was wird diesen Besuchern geboten?
Das herzogliche Museum unterliegt ja der Vermarktung und der Führung von der Stiftung Schloss Friedenstein. Da haben wir von der KulTourStadt keinen Einfluss drauf. Aber wie ich die guten Leute vom Schloss kenne, werden die das schon optimal hinkriegen. Im Moment können wir unsere Freunde vom Schloss nicht behelligen, denn die sind voll im Stress. Die arbeiten, glaube ich, Tag und Nacht, was ich gehört habe. Wir werden uns im November zusammensetzen und schauen: Wie können wir vom Museum in die Stadt und andersherum die Gäste steuern?

Immer mehr Menschen nehmen an einer Stadtführung teil. Aber hat das zur Folge, dass auch immer mehr Gäste in Gotha übernachten? Oder bleibt die Zahl gleich und die Besucher sind nur interessierter an Geschichte und Kultur?
Erst einmal versuchen wir, Gäste nach Gotha zu locken. Im Moment sind es sehr viele Tagesgäste. Dann ist wichtig, die Gäste zu begeistern, dass die auch mal länger als ein oder zwei Nächte bleiben. Und das ist jetzt Aufgabe von unseren in-comming-Agenturen. Früher gingen die Touren in Erfurt los, man hat Gotha, Weimar und Eisenach besucht und ist danach wieder nach Erfurt zurückgefahren. Unser Ansatz ist es, im nächsten Jahr als zweiten Schritt die Leute hier bei unseren Hoteliers zu binden. Und dass die Fahrten nicht von Erfurt kommen, sondern von Gotha und abends kommen sie wieder zurück. Das wird auch mit Arrangements zusammengemacht. Wir schnüren jetzt zum ersten Mal richtige Pakete, die wir anbieten können.
Es ist natürlich so: Wenn ich ein Übernachtungsgast bin und nicht nur Tagestouren machen möchte, frage ich mich: Was kann ich in Gotha noch alles machen? Und dass wir in Gotha sehr, sehr viel zu bieten haben, was man normalerweise an einem Tag gar nicht ablaufen kann, müssen wir erst einmal bekannt machen.

Ich habe eine Statistik des Statistischen Landesamtes aus dem Juli - die derzeit aktuelleste. Demnach zählt der Landkreis Gotha die meisten Übernachtungen in Thüringen und liegt bei den Ankünften, also der eigentlichen Gästezahl, nach Erfurt und Weimar auf Platz drei im Freistaat.
Das freut uns sehr. Unser Ziel im ersten Jahr war schon sehr sportlich, vor Eisenach zu liegen. Wenn wir jetzt auf Platz drei sind, zeigt dies, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das ist aber noch nicht alles, was wir innerhalb der nächsten drei Jahre erreichen wollen.

Im Kreis zählt Friedrichroda die meisten Gäste. Die Stadt Gotha liegt hier auf Platz zwei und bei der Zahl der Übernachtungen auf Platz drei knapp hinter Tabarz. Heißt das: Die Menschen übernachten also doch lieber in der nahen Natur und besuchen dann die Stadt?
Friedrichroda hat natürlich dieses wahnsinnige große Hotel. Die Massen, die dort ankommen, können wir hier mit unseren kleineren Hotels nicht bewältigen. Aber wir sind ja froh, dass wir Friedroda haben, dass die Gäste von dort nach Gotha kommen und hoffentlich hier ihr Geld ausgeben. Der Thüringer Wald ist natürlich sehr attraktiv.
Wir werden noch ein neues Designerhotel bekommen gegenüber vom Schloss. Und ich habe gehört, das ist aber noch nicht ganz sicher, dass noch ein neues Jugendhotel entstehen soll. Dann werden wir die Übernachtungszahlen steigern können.


Info:
- Die Kasematten unter Schloss Friedenstein zählen nach Expertenmeinungen zu den bedeutendsten noch in ihrer Ursprünglichkeit erhaltenen Wehr- und Verteidigungsanlagen des späten Mittelalters.
- Sie haben Interesse, Gästeführer zu werden? Kontakt: Telefon 03621/50 78 57 11, tourist-info@kultourstadt.de
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige