Unterlagen der Staatssicherheit

Studium der Stasiakten
 
Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße
Geschichte und Sozialkunde am anderen Unterrichtsort

Am 16. April 2013 besuchten alle 10. Klassen der Arnoldischule die ehemalige Stasihaftanstalt in Erfurt und die „Stasiunterlagenbehörde“. Die Exkursion begann mit einer Führung durch die ehemalige Stasihaftanstalt, wo wir Einblicke in das Leben politisch Gefangener und über den Umgang der Stasi mit ihnen gewannen. Neben der Möglichkeit die Gefängniszellen und -waschräume zu betreten, wurden uns einige bewegende Geschichten einzelner Gefangener mitgegeben. Seit 2012 ist das rote Klinkergebäude in der Andreasstraße eine Gedenk- und Bildungsstätte, welche zur Stiftung Ettersberg gehört.
Im Anschluss an den Gefängnisbesuch in der Andreasstraße gingen wir zum Sitz des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes (BStU) der ehemaligen DDR auf dem Petersberg. Dort wurden wir in 3 Gruppen aufgeteilt und befassten uns in Quellenarbeit mit Stasiunterlagen, dem Aufbau originaler Unterlagen und dem Archiv-System.
Bei Herrn Festag und Frau Brockmann lasen wir an einer Lerntheke in zahlreichen Akten über Günther H. und sein Umfeld. Günther H., ein ehemaliger Arnoldianer, war politischer Gefangener in Thüringen, wo er nach einem Fluchtversuch in den Westen zusammen mit einem anderen Arnoldischüler zu einem Jahr Haft verurteilt worden war. Nach seiner Haft gelang ihm trotz verstärkter Überwachung des Staatssicherheitsdienstes die Flucht in die Bundesrepublik, von wo er die abenteuerliche Flucht seiner Freundin Eva D. organisierte, welche dann 2 Jahre später gelang. Wir konnten Akten zu jedem Zeitpunkt des Vorgangs einsehen und lernten Günther H. einigermaßen kennen, ohne ihm je begegnet zu sein.
Dr. Matthias Wanitschke, der Gruppenleiter für den Umgang mit Originalen, zeigte uns echte Unterlagen und die Berichte inoffizieller Mitarbeiter. Er erklärte beispielsweise, wie Eva D. sich zu einigen Fragen der Stasi nach der Flucht ihres Freundes geäußert hatte und wie genau diese Aussagen dokumentiert wurden.
Das Archiv-System der Stasiunterlagenbehörde brachte uns Herr Schulz näher. Die Behörde in Erfurt beherbergt 4,5 Papierkilometer Staatssicherheits-Akten, das ist die Länge aller hochkant aneinandergereihten Blätter in Kilometern. Einen kleinen Teil des Archives konnten wir betreten.
Am 19. April 2013 lernten wir dann Günther H. und seine Frau Eva kennen. Interessant war der Abgleich des Bildes aus den Stasi-Akten mit dem persönlichen Eindruck.
Während eines 90minütigen Zeitzeugengesprächs beantworteten sie uns jede unserer Fragen, die wir uns am Dienstag überlegt hatten - über die Flucht und alle anderen Ereignisse. Das war Geschichte und Sozialkunde hautnah erlebt. Nach 90 Minuten bedankten wir uns bei Günther H. und Eva H. für ihre Zeit und ihre Offenheit sowie Dr. Wanitschke für die hervorragende Organisation.
Da wir alle nach 1989 geboren wurden, haben wir erfahren und gesehen, dass Freiheit und Demokratie Privilegien sind, welche wir nicht als selbstverständlich ansehen dürfen, sondern dankbar und um deren Bestehen bemüht sein müssen.
„Je besser wir Diktatur begreifen, umso besser können wir Demokratie gestalten“, diesem Ausspruch von Roland Jahn, dem Leiter der Stasiunterlagenbehörde BStU, kann ich mich nur anschließen.

Hannes Kukulenz
Klasse 10/2
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