Wortwitzproduzent Willy Astor hat den Kopf voller Flausen und kommt nach Gotha & Jena

Wann? 12.03.2016 20:00 Uhr

Wo? Kulturhaus, Ekhofplatz 3, 99867 Gotha DE
Der Unfug-Unternehmer: Willy Astor ist ein Reimer, Sänger und Gitarrist, der seine Kunst als Handwerk begreift und allein stehend und selbst redend das Credo vertritt: »I was made for laughing you«. (Foto: Hagen Schnauss)
 
Willy Astor kommt bald nach Thüringen. (Foto: Hagen Schnauss)
Gotha: Kulturhaus | Willy Astor, Deutschlands wahrscheinlich berühmtester Verb-Brecher, Silbenfischer und Vers-Sager, stellt seine neuen Kreationen aus dem Flunkerbunker vor. Mit „Reim Time“ surft er munter weiter auf der Schalk-Welle, macht dabei Station in Gotha und Jena. Willy Astor im Gespräch:

Haben Sie nach 30 Bühnenjahren immer noch Flausen im Kopf?


Natürlich! In mir steckt das Kind im Manne. Ich habe den Beruf des Komikers freiwillig gewählt, obwohl mich manche auch als unfreiwilligen Komiker bezeichnen. Mir ist es wichtig, dass ich als Humorist alles selbst fabriziere, ohne Ghostwriter. Bei mir kommt der Humor direkt vom Erzeuger. Es gibt nichts Schöneres, als Flausen im Kopf zu haben. Mit Flausen kann man die Leute so schön zum Lachen bringen, das ist es, was sie wollen. Und mit Wortwitz gelingt das noch viel besser.

Ist Ihr „Einfallsreich“ unerschöpflich?


Es wäre vermessen, das zu behaupten. Schon oft war ich in der verzweifelten Situation, dass ich dachte, jetzt kommen keine Ideen mehr. Ich glaube, mit kreativen Pausen hat jeder Künstler zu kämpfen, das ist eine der schwierigsten Situationen, die man dann meistern muss. Letzten Endes ist aber meist die Liebe zu dem, was man macht, so groß, dass doch wieder ein Licht am Ende des Tunnels erscheint. Und dann geht es weiter.

Wortwitzproduzent zu sein klingt nach einer gewissen Leichtigkeit. Täuscht das?


Ja. Es ist schon sehr aufwendig, solche Geschichten zu basteln. Das macht man nicht so nebenbei, es gehören viele Tränen, Blut und Schweiß dazu, bis eine Bühnennummer ausgefuchst daherkommt. Aber darüber möchte ich mich nicht beklagen. Zum Glück bin ich in der privilegierten Position, dass ich meine Berufung gefunden habe. Dabei habe ich mal einen richtigen Beruf erlernt, den des Werkzeugmachers. Und jetzt bin ich Künstler, kann seit Jahren davon leben, eine Familie ernähren. Das ist für mich Antrieb genug, das mindestens so lange zu machen, wie es Dieter Hildebrandt auch tat, bis ins 80. Lebensjahr hinein. Wenn mir die Gesundheit hold bleibt. Das ist mein Plan.

Und Lachen hilft dabei, sich gut zu fühlen. Sollten Menschen in besonders schweren, ernsten Zeit besonders mehr lachen?


Ja! Ohne dabei etwas ins Lächerliche zu ziehen oder den ganzen Tag kindisch zu sein. Man sollte das Leben ganz bewusst genießen. Das Leben ist dazu da, es mit Freude zu erfüllen, nicht mit Trauer, Wut, Hass, Kriegen. Das Lachen, der Humor, ist ein ganz wichtiges Element, um Freude zu erzeugen. Als Humorist bin ich jetzt in einer schwierigen Situation, weil ich weiß, in welcher Verfassung das Land ist. Mein Publikum erwartet allerdings von mir keine großartigen Statements zur Flüchtlingsfrage. Die Leute kommen zu mir, um abzuschalten und einfach einen albernen Abend zu erleben auf einem guten Niveau. Ich produziere überwiegend sinnfreie Kunst, und das versuche ich, intelligent zu machen.

Darf man sich allen Problemen von der witzigen Seite aus nähern?


Ich glaube schon. Ich bin da noch ein bisschen von der alten Schule, allerdings darf man niemanden tief verletzen. Natürlich lässt sich alles humoristisch betrachten, auch die derzeit schwierige Lage in Deutschland. Am besten tut man das so, dass man nicht billig draufhaut. Am schönsten ist es, wenn am Ende alle was zu lachen haben. Ich werde mich Problemen wie der Flüchtlingsproblematik demnächst wohl auch bühnenmäßig stellen, bin dabei, eine Nummer über den Klimawandel zu schreiben. Da habe ich einen guten Dreh gefunden, es humoristisch zu verarbeiten. Wie es dann sein wird, wenn es um Flüchtlingsfragen geht? Da muss ich mal schauen, wie mir das gelingt.

Auf eines kann man bei Ihnen vertrauen: Es geht nie unter die Gürtellinie...


Das ist ein Credo von mir: Niemals eine 'Leiche' hinterlassen.

Haben Sie sonst noch eine Lebensweisheit?


Ganz banal, wie es schon Goethe sagte: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Ich möchte auch immer wieder Dinge tun, die nicht nur für mich bestimmt sind. Den sozialen Aspekt darf man nie außer Acht lassen. Ich möchte sehen, ob es anderen gut geht, über den eigenen Tellerrand schauen, dahin, wo nicht so viel Sonnenschein ist - das ist mir wichtig.

Was verbindet Sie mit Thüringen?


Ich spiele generell gern im Osten. Jetzt hätte ich beinahe 'naher Osten' gesagt, meine Heimat Bayern ist ja nicht so weit entfernt. Ich bin ein extrem gern im Osten auftretender Mensch. In Weimar ist dann mein Zentrum, von dort aus mache ich meine Sternfahrten, um in den umliegenden Städten zu spielen. Ich weiß, dass mich dort überall ein total nettes Publikum erwartet, das gebildet ist und mehr auf der Pfanne hat. Ich habe zu den Ossis, wie ich sie liebevoll nennen darf, ein super Verhältnis. Ich halte sie für sehr kabarettaffin und sehr intelligent. Mein Humor verträgt sich gut mit dem, was die Thüringer mögen, sie sind sehr wortwitzfreudig.

Was fällt Ihnen spontan zu Thüringen ein?


Oh. Wenn Sie als meine Interviewpartnerin hübsch ausschauen, dann würde ich jederzeit an Ihrer T(h)ür ringen...



Termine


Willy Astor live mit seinem Programm „Reim Time“: 12. März, 20 Uhr, Kulturhaus Gotha sowie am 13. März, 19 Uhr, im Volkshaus Jena.



Und hier eine kleine Kostprobe von Willy Astor
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