Zum Teufel mit dem Faust! Hans Peter Korff und Christiane Leuchtmann packen in Gotha ernste Literatur in einen vergnüglichen Abend

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Hans Peter Korff (links), Christiane Leuchtmann und Faust-Autor Alexander Abshagen freuen sich auf das Gothaer Publikum.
Gotha: Allgemeiner Anzeiger |

Dieser Drombusch - da fällt er uns wieder ein. Kein Wunder, dass die Sendung mit Hans Peter Korff im Gedächtnis bleibt. Es herrschten klare Strukturen - die Frau hatte das Sagen. Seinen Humor hat der 1942 Geborene noch immer. Was tut er jetzt? Mit Ehefrau Christiane Leuchtmann ernste Literatur in unterhaltsame Abende packen. Demnächst auch in Gotha. Denn: "Man spürt, dass Literatur im Osten geschätzt wurde."

Briefe, die zwischen einem liebenden Paar hin- und hergehen, kann man vorlesen. Oder - was weitaus spannender ist - inszenieren. Die Schauspieler und Eheleute Hans Peter Korff und Christiane Leuchtmann haben die leidenschaftlichen Briefe zwischen Henry Miller und Anais Nin in der Eisenacher Bücherstube derart gut in Szene gesetzt, dass es ein Vergnügen war, zuzuhören. Nun wagt sich das prominente Paar an schwere Kost: Am 19. Mai erlebt man es in einer szenischen Lesung von Faust 3.1 aus der Feder des Eisenacher Autors Dr. Alexander J. J. Abshagen. AA-Autorin Jana Scheiding hat Korff und Leuchtmann in ihrem Eisenacher Hotel besucht.


Seit vierzehn Jahren besuchen Sie Thüringen, halten Lesungen, frönen der Literatur. Gibt es noch Neues zu entdecken?
Christiane Leuchtmann: Natürlich. Wir treffen ständig neues Publikum, das unsere Veranstaltungen immer wieder besucht. Wir haben hier viele Freunde. Eigentlich sind wir zwei Nordlichter schon längst Wahlthüringer.

Herr Korff, wenn man Ihren Namen hört, denkt man - obwohl Sie im Fernsehen sehr präsent waren - sofort an die Erfolgsserie aus den Achtzigern, "Diese Drombuschs". Woran liegt das?
Das kann ich Ihnen sagen: In dieser Familie herrschten klare Verhältnisse - die Frau hatte das Sagen.

Ist das bei Ihnen auch so?
Leuchtmann: Ich bin für die Technik zuständig. Dosenöffner, Handy, Auto - alles, was Zahnräder hat. Also auch vollkommen klare Verhältnisse.

Was ist seit den Drombuschs passiert?
Korff: Sie wollen mich abfragen, was ich in 30 Jahren gemacht habe?

Suchen Sie sich ein paar Höhepunkte aus.
1990 habe ich Christiane kennengelernt. Ihre Erscheinung, ihre Ausstrahlung haben mich sofort in Bann gezogen und tun es heute noch. Das war zweifellos der glanzvollste Höhepunkt in den zurückliegenden drei Jahrzehnten. Seitdem unternehmen wir viel gemeinsam: Loriotprogramm, Kammerspiele Hamburg, viele Auftritte, Lesungen. Meine Frau managt das alles selbst.

Ist das nicht enorm viel Arbeit?
Leuchtmann: Uns ist der persönliche Kontakt zu den Veranstaltern sehr wichtig. Wir treten nicht in riesigen Hallen auf, unsere Veranstaltungsorte sind besonders, ein Treffpunkt für Literaturbegeisterte. Wir kommen seit vielen Jahren nach Thüringen, das hat schon eine romantische Seite - durch den direkten Kontakt zu den Menschen.

Sie gastieren sehr gern im Osten Deutschlands...
Korff: Das stimmt. Wir spüren immer wieder, dass anspruchsvolle Kultur und Literatur hier schon immer eine Rolle gespielt haben. Wir verstehen unsere Arbeit als Volkstheater und suchen den direkten Austausch mit dem Publikum.

Wissen die Menschen Tucholsky, Kästner oder den Faust immer noch zu schätzen?
Korff: Ja, das wissen sie. Der Faust ist eine Auseinandersetzung mit der Zeit, der Gesellschaft und ist ohne weiteres auf heute übertragbar. Das interessiert die Leute.
Leuchtmann: Auch die jungen. Wir freuen uns sehr, wenn junge Menschen unter den Zuschauern sind.

Was dürfen die Gothaer zur szenischen Lesung im Londoner erwarten?
Korff: Der Abend ist ein Überraschungsei. Aber sehr vergnüglich, so viel kann ich schon verraten.


Hintergrund:
Termin: "Faust 3.1" - szenische Lesung mit Hans Peter Korff, Christiane Leuchtmann und Alexander Abshagen am 19. Mai, 19 Uhr, auf der Schlachthofbühne des "Londoner", Gotha.
Karten: Londoner, MM Store Mönchelsstraße, Temple of Cult.
Buch und Autor: Zum 200. Geburtstag von Reichskanzler Otto von Bismarck hat der in Eisenach lebende Dr. Alexander J. J. Absagen sein dramatisches Gedicht "Faust Dritter Teil 3.1." veröffentlicht. Bismarck schlüpft in die Rolle des Faust und verbindet damit die bekannten Klassiker Faust 1 und 2 mit modernen Themen: Wie viel Pakt mit dem Teufel geht ein Politiker heute ein, um erfolgreich zu sein? Oder: Haben wir den Respekt vor uns selbst verloren? Abshagen ist Autor, Jurist, Philologe, Politologe und Wirtschaftswissenschaftler und spielt in der Lesung den Bismarck. Sein Buch erschien im Von Goethe - von Bismarck-Verlag Eisenach.
Die Darsteller: Hans Peter Korff, bekannt unter anderem aus "Neues aus Uhlenbusch" und "Diese Drombuschs", spielt den Mephisto. Seine Frau, Schauspielerin und Hörbuchsprecherin, spielt Gräfin Katharina Orlowa, König Ludwig II. und Gott.
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