Aber bitte mit Kabel: Der Gothaer Baubiologe Lothar Backhaus kämpft für eine Gesellschaft ohne WLAN und schnurlose Telefone

Mit seinem Messgerät prüft Baubiologe Lothar Backhaus die Strahlenbelastung in seiner Umwelt.
 
Besucher seines Hauses werden gebeten, das Handy auszuschalten.
Gotha: Baubiologie und Umweltanalytik |

Tack-tack-tack-tack-tack...
Im Arbeitszimmer von Lothar Backhaus lärmt es, als hätte sich ein Specht den Holztisch seines Arbeitszimmers als neue Nisthöhle ausgesucht.

Das Gerät, das so einen Krach schlägt, ist ein Hochfrequenz-Analyser. Es misst den Elektrosmog, seit der Gothaer Baubiologe den Stecker am Internetrouter gezogen hat. "Dieses Tacken ertragen wir ununterbrochen 24 Stunden. Man muss nicht meinen, der Körper kriegt das nicht mit, nur weil man es normalerweise nicht hört."

Backhaus kann kabellose Geräte nicht leiden. Ein großes Verbotsschild mit durchgestrichenem Handy begrüßt Besucher seines Hauses. Seinen Mietern hat er ein WLAN-Verbot in den Vertrag geschrieben. Sein Dach ist gegen Strahlung von außen elektromagnetisch abgeschirmt.

Warum das alles? Als Antwort legt Backhaus noch einen drauf und schaltet ein schnurloses DECT-Telefon an. Jetzt mischt sich zum nervigen WLANKlopfen ein quengelndes Surren, das stark an einen Zahnarztbohrer erinnert. Die Kopfschmerzgrenze ist jetzt überschritten. "Wenn sich jemand ein Handy ans Ohr hält und telefoniert viel und lang, dann ist das seine persönliche Sache. Aber diese Dauerfunkstrahlung im Gebäude, das ist wie ein Mobilfunkmast innerhalb des Hauses."

In Thüringen gibt es etwa eine Hand voll Baubiologen wie Backhaus. Sie kümmern sich um alles, was innerhalb der vier Wände gesundheitsschädlich sein kann: Schimmelpilze, Wohngifte & Co. Für Backhaus machen die elektromagnetischen Wellen etwa ein Drittel seines Berufes aus. Er misst am Arbeitsplatz, im Wohn- oder Schlafzimmer und warnt vor möglichen Folgen der Strahlenbelastung Außerdem verteilt er Flyer, in denen die Rede ist von Nervenreizung, Stoffwechselstörungen, genetischen Defekten, psychischen Störungen,Schwangerschaftsproblemen, ja sogar sogar Krebs. "Wenn ich bei Kunden bin, rede ich ungern von Krankheiten, denn ich möchte nicht unnötig Panik verbreiten. Es geht darum, dass man seine persönliche Funkdosis reduziert, wo immer es geht."

"Mich kann keiner in irgendeine Pseudoecke stellen!"


Für einen Missionar ist Backhaus ein nüchterner Typ. Er guckt verbissen durch seine Brille, mag Listen und Tabellen, schreibt mehrseitige Protokolle mit Messwerten, Erklärungen und Empfehlungen. Mit Übersinnlichem, Amuletten, Cremes und Wässerchen kann er nichts anfangen. "Ich mache alles messtechnisch nachweisbar, physikalisch korrekt. Da gibt es nichts, was ausgependelt wird. Meine Messgeräte werden auch von Mobilfunkunternehmen verwendet, die sind schon Jahrzehnte auf dem Markt. Das hat Hand und Fuß, und da kann mich keiner in irgendeine Pseudoecke stellen", sagt er und verweist auf seine Ausbildung, ein staatlich anerkannter Fernlehrgang vom Institut für Baubiologie in Neubeuern.

Mit Schrecken sieht der Gothaer den Trend in Richtung einer kabellosen Wi-Fi-Welt. Er erinnert daran, dass der Mensch schon oft daneben lag: "Im Westen gingen die Kinder früher in die Luxusschuhgeschäfte und bekamen die Füße geröntgt. Oder bei Asbest hat es 100 Jahre gedauert, bis es verboten wurde, obwohl es eindeutig krebserregend ist."

Lothar Backhaus sieht sich seiner Zeit voraus. Grenzwerte, die für elektromagnetische Felder in Deutschland gelten, sind für ihn zu hoch angesetzt. "Das ist, als ob man auf der Autobahn 800 km / h fahren dürfte." Er sieht sich und Gleichgesinnte allerdings als Don Quijote im Kampf gegen die Windmühlen, sprich eine Übermacht an Wirtschaftsinteressen. "So viel Technik kommt auf den Markt, und es wird nicht nach gesundheitlichen Folgen gefragt, sondern einfach nur konsumiert. Es wird immer schlimmer. Doch die Zeit ist reif für ein Umdenken."
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5 Kommentare
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 04.05.2014 | 08:37  
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Hannelore Grünler aus Artern | 04.05.2014 | 11:07  
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Joachim Kerst aus Erfurt | 08.05.2014 | 09:01  
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