Als Leichtfuß im Moor

  Friedrichroda: Wald | Forstamt setzt Spezialmaschinen bei Holzrückung ein:||

Bei Mooren denken die meisten sofort an Unheimliches wie grausige Leichenfunde, Sherlock Holmes und den „Hund von Baskerville“ oder düster treibende Nebelschwaden. Welch positive Bedeutung sie für uns Menschen haben ist relativ unbekannt.

Im Bereich des Forstamtes Finsterbergen existiert das größte und mächtigste Hochmoor Thüringens, das „Saukopfmoor“. Hochmoore liegen vollgesogenen Schwämmen gleich auf der Landschaft und sind durch die Ansammlung von nicht verdunstendem oder abfließendem Regenwasser entstanden. Im Gegensatz dazu werden sogenannte Niedermoore von Grund-, Quell- oder Sickerwasser gespeist. Aufgrund des hohen Wasserstandes und Sauerstoffmangels werden in letzteren Mooren die Pflanzenreste nicht abgebaut, bilden die bekannte Torfschicht, erheben sich jedoch nicht über den Grundwasserspiegel und sind von diesem abhängig. Hochmoore wachsen in die Höhe. Dafür verantwortlich sind die vielfarbigen, wunderschönen Torfmoose, die keine Wurzeln besitzen und allein von den Nährstoffen des Regens leben. Sie speichern ihn und wuchern ganz langsam über den Grundwasserspiegel hinaus. Ein Hochmoor ist somit ein hervorragender Wasserspeicher, abgesehen von den seltenen Pflanzen­arten, die es darüber hinaus zu bieten hat. Es gibt nur wenige Pflanzen, die in einem derart stark sauren Milieu überhaupt gedeihen können. Hierzu zählt unter anderem der nur wenige Zentimeter große Rundblättrige Sonnentau als wahrer Überlebenskünstler.

Das 31 Hektar umfassende und an seiner mächtigsten Stelle ca. vier bis 4,5 Meter dicke „Saukopfmoor“ besteht zu 95 Prozent aus Wasser und bindet etwa 250 000 cbm Wasser an Ort und Stelle. Da Hochmoore lediglich einen Millimeter im Jahr wachsen ist diese einmalige Landschaftsfläche somit mindestens 4000 Jahre alt. Mindestens, denn vom 17. bis 19. Jahrhundert wurde mehrfach versucht, das Moor zu entwässern. Derartige Entwässerungsgräben sind mit der Renaturierung durch so genannte „Schlenken“ wieder verschlossen worden. Für diese Arbeiten war ein Bagger vonnöten, der in dem, im wahrsten Sinne schwankenden, Untergrund überhaupt fahren konnte.

Und ein solches, ähnliches Spezialfahrzeug ist nun erneut am „Saukopfmoor“ zugange: ein Forwarder (Rückezug), der nicht nur um etliche Tonnen leichter ist als ein vergleichbarer, normaler „Kollege“, sondern auch auf speziellen Bändern fährt, deren Anlegen allein Stunden dauert. Er wird benötigt, um die am Moorrand eingeschlagenen Bäume abzutransportieren (Rücken). Der ans Moor angrenzende Wald soll als Pufferzone erhalten bleiben, war vom Forstamt zu erfahren. Dennoch musste in diesem Jahr die Zahl der Bäume reduziert werden, damit deren Wurzeln dem Moor nicht das benötigte Wasser entziehen. Bereits im Zeitraum 2000/2001 waren solche Forstmaßnahmen erforderlich gewesen. Damals musste man sich jedoch noch mit dem aufwändigeren Seilkran behelfen, um die Stämme rücken zu können.
Es ist beeindruckend, mit welcher Leichtigkeit sich der „Moor-Forwarder“ der Firma Chemnitz aus Gehren über den ans Hochmoor grenzenden morastigen Untergrund schiebt und dabei gewaltige Lasten transportiert. Kein normaler Rückezug wäre bei diesen Bodenverhältnissen einsetzbar. Endlich eine Technik, die der Natur sogar den Fortbestand erleichtert. Und das kann man vom technischen Fortschritt wahrlich nicht oft behaupten.
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