Armutszeugnis für Thüringen in Sachen Waldbestattungen

Kein Friedwald in Sicht! (Foto: Foto: Sommer)
Friedrichroda: Wald | Einen traurigen Spitzenplatz unter den Bundesländern nehmen Sachsen und Thüringen bei der Möglichkeit einer Waldbestattung ein. Bis jetzt existiert nicht ein einziger derartiger Waldruheplatz in diesen beiden Bundesländern, während es in anderen schon längst eine gängige Bestattungsform ist.

Nicht jeder möchte sich nach dem Ende seiner Erdentage auf einem der klassischen Friedhöfe begraben wissen. Naturbestattungen haben steigende Tendenz. Insbesondere Ruhestätten an den Wurzeln von Bäumen, auch als FriedWald oder RuheForst (geschützte Marken) bekannt, erfahren wachsender Nachfrage. Doch solche Ruhestätten haben es in sich, nicht nur wegen der strengen Bestimmungen hinsichtlich Lage, Größe, Baumbestand, Bodenbeschaffenheit und zahlloser weiterer Voraussetzungen der in Frage kommenden Waldgebiete. Außer in diesen beiden Freistaaten ist Baum- bzw. Waldbestattung bereits Bestattungsalltag. Sie sind nicht nur kostengünstiger, sondern bieten neben der Erfüllung letzter Wünsche auch noch weitere Vorteile für die Angehörigen der Toten.

Vor Jahren schon hatten sich die Gemeinde Leinatal, das Forstamt Finsterbergen und ein Privatwaldbesitzer für eine solche Ruhestätte stark gemacht, auch um Thüringen nicht „deutschlandweit rückständig“ bleiben zu lassen. Die geeignete Waldfläche steht seit langem zur Verfügung (AA vom 18. November 2009), welche alle Bedingungen eines FriedWaldes erfüllt. Der einzige Stolperstein ist das in Thüringen existierende strenge Bestattungsgesetz, welches im Gegensatz zu den anderen Bundesländern diesbezüglich keine Lockerung erfährt.

Der Thüringer Minister für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz, Jürgen Reinholz selbst hatte dieses Projekt der Baumbestattung befürwortet und unterstützt. Von ihm war nun zu erfahren, dass diese Bestattungsform in unserem Freistaat nur möglich ist, wenn die Waldfläche eingezäunt würde. So zumindest lautete die entsprechende Auskunft, die er selbst von zuständiger Stelle erhalten hatte. Laut Angaben des Leiters des Forstamtes ­Finsterbergen, Forstdirektor Dr. Horst Sproßmann, würde das bei der geforderten Waldgröße von 50 Hektar insgesamt 3000 laufende Meter Zaun bedeuten, welcher wiederum Nettokosten für Material und Lohn von rund 33 Tausend Euro verursacht. Selbst wenn sich Sponsoren finden ließen oder Menschen ehrenamtlich den Zaunbau ausführen würden, könnte das Projekt dann an der nächsten gesetzlichen Regelung scheitern. Zaunbau im Wald darf nämlich entsprechend Thüringer Waldgesetz nur forstwirtschaftlichen Aufgaben dienen. Insofern müsste die nächste Ausnahmeregelung geschaffen werden, und damit tut sich wohl Thüringen generell schwer. Übrigens ist in den anderen Bundesländern eine derartige Einzäunung des Waldes keine Bedingung.

Hürden über Hürden – und anscheinend das nunmehr endgültige Aus für diese Bestattungsform im Freistaat. Der Thüringer mit dem Wunsch nach Naturbestattung wird nach seinem Tod somit aus „unserem Ländle ausreisen“ müssen. Der nächstgelegene FriedWald befindet sich in Waldhessen. Südharz oder Coburger Land bieten den RuheWald an. Die Bestattungsgebühren bleiben dann natürlich ebenfalls nicht in Thüringen.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
9 Kommentare
Uwe-Jens Igel aus Gotha | 04.05.2011 | 11:28  
Michael Steinfeld aus Erfurt | 04.05.2011 | 12:19  
Emanuel R. Beer aus Gotha | 04.05.2011 | 16:35  
13.084
Eberhard :Dürselen aus Weimar | 04.05.2011 | 17:51  
16.680
Steffen Weiß aus Gera | 04.05.2011 | 18:47  
3.004
Gerald Kohl aus Erfurt | 04.05.2011 | 18:53  
13.084
Eberhard :Dürselen aus Weimar | 04.05.2011 | 19:31  
9.688
Hannelore Grünler aus Artern | 04.05.2011 | 20:19  
6
Stefan Pschera aus Saalfeld | 19.09.2012 | 21:29  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige