Brüllaffen, Howlers Hotel und eine Insel voller Musik

    Auf unserer Autofahrt durch Panama erlebten wir noch viele Überraschungen. Als sich die Tür zu einer Pension öffnete, wurden wir mit einem zünftigen thüringischen Dialekt begrüßt. " Na , da kommt mal rein..." und mit großer Herzlichkeit fielen wir uns in die Arme. Wir hatten im Ausland immer wieder die Erfahrung gemacht, dass sobald man Landsleute trifft und die deutsche Sprache vernimmt man total emotional reagiert. Sentimentalitäten gehen zum Teil soweit, dass man beim Abschied feuchte Augen bekommt. Günther und seine Frau kamen einst aus Nordthüringen nach Panama. Uns interessierte natürlich, wie man dazu kommt als Thüringer in Panama eine Pension zu führen. Der ehemalige Bauunternehmer erzählte uns von der schlechter werdenden Konjunktur auf dem Bau vor Jahren und da habe man sich ein Herz genommen und alles aufgelöst und ist ausgewandert. Die Pension hat man natürlich als Mann vom Fach selber gebaut. Das Leben war nun für die beiden Thüringer beschaulicher geworden und ein Bekannten - und Freundeskreis unter den Aussiedlern macht das Auskommen in Panama erträglich. Bei unseren deutschen Gastgebern fühlten wir uns pudelwohl. An der weitläufigen Pazifikküste machten wir lange Strandspaziergänge. Die Entspannung war so umfangreich, das wir uns nach einer gewissen Zeit wieder nach Aktion, Halligalli sehnten. "Da müsstet ihr auf die karibische Seite..."gab uns Günther als Tipp mit auf dem Weg. An der karibischen Küste von Panama sollte es eine Insel geben, die vor Tanz und Musik nur so pulsiert. Diese Insel wollten wir entdecken und so machten wir uns auf dem Weg vom Pazifik zur Karibik quer durch Panama. Panama durchzieht eine Gebirgskette, die wir überwinden mussten. Nach zahlreichen kurvigen Strassen durch trockene Vegetation erreichten wir den Scheitelpunkt des Gebirges. Hier in drei bis viertausend Meter änderte sich die Vegetation in eine feucht tropische Artenvielfalt. Eine Wasserscheide ließ das Wasser in verschiedenen Richtungen fließen. Auf dem Gebirgskamm gab es zum Teil große angestaute Seen. Beim durchfahren des Gebirges begegneten wir etlichen Nebelwänden hinab zur karibischen Küste. Es war wie in einen Fabelland. Allein das durchfahren der Gebirgskette war ein unglaubliches Erlebnis und am Ziel erwartete uns die Insel voller Musik. Als wir an der karibischen Küste ankamen, befolgten wir einen Rat von Günther. So wie es Günther voraus gesagt hatte, erwarteten uns Jungs mit Fahrrädern und boten ihre Dienste an. Ohne Bedenken sollten wir uns einen der Jungs anvertrauen und dieser würde uns zu den Fährhafen lotsen. Gegen einen kleinen Obolus brachte er uns zu einem bewachten Parkplatz, wo wir unseren Toyota sicher abstellen konnten und anschließend zu den Boottaxis. 10 Personen passten auf so einen Boot und zur Sicherheit bekamen wir eine orangefarbene Rettungsweste. Jugendliches Publikum umgab uns auf dem Boot und in rasanter Fahrt erreichten wir nach 45 Minuten die Musikinsel. Die Häuser die wir auf unserer Fahrt sahen befanden sich überwiegend auf Stelzen. Es waren Holzhäuser und einige konnte man nur noch als Bretterbuden bezeichnen. Der Fährhafen der Musikinsel war gut ausgebaut und augenblicklich machten.wir uns auf Quartiersuche. In einem Hostel kamen wir unter. Quirliges ungestümes Leben umgab uns. Das jugendliche Publikum verstand sich ohne viele Worte und Abends trafen sich alle an der Tanzbar mit angebauten Bootsanleger. Hier hielten auch mal die Wassertaxis holten oder brachten Gäste. Ein DJ legte Platten auf und wir tanzten nach Herzenslust. Ab und zu wechselten wir die Tanzbars um auch noch andere Musikrichtungen, zu Gehör zu bekommen. Es war eine durchtanzte Zeit auf der Musikinsel und nach einer gewissen Zeit hieß es wieder Abschied nehmen. Rückblickend werden wir uns noch lange an die hübschen Schwedinnen erinnern mit denen wir eine kesse Sohle aufs Parkett legten. Bei der Suche nach den nächstmöglichen Hotel nutzten wir auch das Internet. Über ein Hotelportal wurden wir auf Howlers Hotel aufmerksam.Zu einem unschlagbaren Preis bot dort ein Mr. Howler seine Hotelzimmer an. Auf der Panamerikana näherten wir uns Howlers preiswerten Hotel. Die Panamerikana verließen wir nach einer gewissen Zeit und fuhren weiter Richtung Pazifikküste durch ländliches Gebiet. Komisch war nur, das die nach den Weg befragten Leute den Küstenabschnitt kannten, aber nicht Howlers Hotel. Die Fragezeichen in unserem Kopf wurden immer größer, als wir in einen Hafen an einer Anlegestelle landeten. Hier gab es keine Möglichkeit mit dem Auto weiter zu kommen. Einen Passanten, den wir fragten klärte uns auf. Howlers Hotel lag auf einer Insel und dort gelangten wir nur mit einem Wassertaxi. Wir ließen unseren Toyota im Hafen stehen, packten unsere Rucksäcke und mit einem Wassertaxi näherten wir uns der Insel. Die Überfahrt kostete 3 Dollar pro Person und der Ort an den wir landeten hieß Boca Chica. Boca Chica war eine kleine Insel die unbewohnt wirkte. Wir stiegen am Ufer aus dem Wassertaxi und mussten eine steile Metalltreppe nach oben laufen. Nach ca.30 Meter erreichten wir die höchste Erhebung und befanden uns auf einer Hochebene. Üppige Vegetation empfing uns und ein Trampelpfad wies uns den Weg. Ein verwittertes Holzschild mit dem Namen unseres Hotels gab uns die Gewissheit, das wir richtig waren. Der Weg öffnete sich und wir sahen 5 Zelte und halboffene Hütten. Überrascht mussten wir fest stellen, dass Mr. Howler leicht übertrieben hatte. Sein Hotel bestand aus ein paar Zelten, Holzkabinen und Versorgungshütten. Nach längerem Suchen fanden wir auch unseren Hotelbesitzer. Mr. Howler war ein US - Amerikaner Mitte 50, der sich mit seiner Geschäftsidee eines " Selbstversorgungshotel" selbständig gemacht hatte. Es war später Nachmittag und so leicht konnten wir von der Insel nicht mehr runter. Wir buchten also eine Übernachtung bei Mr. Howler, der leicht bekleidet und etwas übellaunig durch seine " Hotelanlage" schritt. Ein Paar aus Kanada war noch mit vor Ort. Sie hatten sich eine Kabine gemietet. Das war aber nicht die einzigste Überraschung auf dieser Insel. Gegen Abend bemerkten wir ein lautes Brüllen in den Bäumen. Schwarze Schatten bewegten sich in den Baumwipfeln und heulten hundserbärmlich. Auf Nachfrage bei Mr. Howler teilte er uns mit, dass wir auf der Insel der Brüllaffen gelandet sind. Das größere Problem wären die Waschbären. Diese posierlichen Tierchen würden regelmäßig die Taschen der Gäste durchwühlen. Trotz der vielen Überraschungen gefiel es uns auf der Insel der Brüllaffen bei Howlers Hotel. Wir schliefen in Hängematten, genossen den Sonnenuntergang und badeten an einsamen Stränden. Hier endet unser kleines Reisetagebuch und wir können alle ermutigen, die eine Panamareise geplant haben, es zu tun.
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