Das Ehrenamt für Flüchtlinge stagniert. Die neue Koordinierungsstelle EFA ist auf der Suche nach Helfern.

Für die Flüchtlingshilfe werden weiterhin Ehrenamtliche gesorgt. Die Koordinierungsstelle EFA vermittelt zwischen den Netzwerken und bietet allen Helfern Unterstützung und zusätzliche Qualifikation an. (Foto: EFA)
 
Sophia Dobritzsch leitet die Koordinierungsstelle für Ehrenamt in der Flüchtlingsarbeit (EFA).
Gotha: Koordinierungsstelle EFA |

Sophia Dobritzsch hat ein Problem. Eigentlich möchte sie Ehrenamtliche in die Flüchtlingshilfe vermitteln. Dafür gründete das Diakoniewerk in Gotha Anfang August die Koordinierungsstelle für Ehrenamt in der Flüchtlingsarbeit (EFA). Allerdings melden sich kaum Helfer bei der Projektleiterin und viele ehrenamtliche Gruppen sind erst einmal skeptisch, wie Dobritzsch ihnen helfen soll. „Uns wird nicht gerade das Haus eingerannt“, gesteht sie.

Gründe für die Misere gibt es einige und Dobritzsch hat derzeit alle Hände voll zu tun, Lösungen zu finden und Missverständnisse aufzuklären. „Noch ist die Koordinierungsstelle weitgehend unbekannt“, nennt sie Problem Nummer eins. Zudem hat sich die Situation in den vergangenen Monaten stark beruhigt. „Die Flüchtlinge sitzen jetzt vor den Grenzen in Lagern und kommen gar nicht mehr hier an.“ Von den Hilfesuchenden, die es nach Deutschland geschafft haben, weiß man, dass sie versorgt sind mit Essen, Kleidung und einem Dach über dem Kopf. Die meisten bekommen einen Sprachkurs zur Integration. Kurzum: „Die Brisanz ist nicht mehr da und so hat das Interesse abgenommen“, konstatiert Dobritzsch.

Dass jetzt keine Hilfe mehr benötigt wird, ist aber ein Trugschluss, weiß die Leiterin der Koordinierungsstelle. „Wir suchen weiterhin dringend nach Helfern. Wir haben durch diese Ruhephase die einmalige Chance, uns um die Integration der Flüchtlinge in Deutschland zu kümmern.“ Denn, das sagen alle ihre Statistiken: Mit ehrenamtlichem Engagement gelingt die Integration in die Gesellschaft viel besser und nachhaltiger.

Für eine Weihnachtsfeier für Flüchtlingskinder bittet die Koordinierungsstelle um Geschenke.



Die Koordinierungsstelle sucht beispielsweise in naher Zukunft Behördenpaten, die Flüchtlinge beim Gang zum Amt begleiten und beim Ausfüllen von Formularen oder bei der Wohnungssuche helfen können. Ein anderes Projekt: Für eine Weihnachtsfeier für Flüchtlingskinder bittet die Koordinierungsstelle um Geschenke.

Sophia Dobritzsch und ihre Mitarbeiterin Petra Winter möchten nicht nur das ehrenamtliche Engagement in der Flüchtlingsarbeit vernetzen, Ansprechpartner und Schnittstelle sein. Sie halten auch ein umfassendes Angebot für die Ehrenamtler bereit. Helfer haben beispielsweise die Möglichkeit einer Supervision, also einer speziellen Form der Beratung. Sie können sich zudem weiter qualifizieren und sich bei Treffen informieren und austauschen. Das Angebot ist da, nur die Teilnehmerzahl für die Seminare reicht leider noch nicht aus.


Viele Strukturen drohen zu verfallen.



Zudem hat das freiwillige Engagement für Flüchtlinge vor allem auf dem Land viele autarke Projekte hervorgebracht. „Diese Gruppen sind selbst organisiert und brauchen erst einmal keinen mehr, der sie koordinieren will“, lauten die ersten Erfahrungen von Dobritzsch. Die Ehrenamtlichen schätzen die kurzen Wege und fürchten mehr Verwaltung durch die Koordinierungsstelle.

Doch auch in diesen Arbeitskreisen, Gruppen und Projekten schrumpft die Zahl der Aktiven. Viele Ehrenamtliche sind gefrustet. Von der Kleiderkammer über den Begegnungsraum bis hin zum Spielplatz haben sie allerorten Strukturen aufgebaut, die zu verfallen drohen, da Flüchtlinge aus Einzelunterkünften zurück in Gemeinschaftsunterkünfte umverteilt wurden.

Mit Informationsveranstaltungen versucht Sophia Dobritzsch, wieder neue Ehrenamtliche zu gewinnen. Sie weiß, dass diese Menschen wichtige Schlüsselpersonen sind, die Brücken in die derzeit zerrissene Gesellschaft bauen können. „Sobald ein persönlicher Kontakt besteht, bedeutet dieser immer einen Abbau von Vorurteilen und Ängsten.“

Zur Sache

• Haben auch Sie Lust, sich zu engagieren? Sie sind herzlich eingeladen.

Infoveranstaltungen im Landkreis Gotha:
- 15. November, 17.30 Uhr, Mehrgenerationenhaus Waltershausen,
Schulplatz 4
- 16. November, 16.30 Uhr, Diakonie Gotha, Klosterplatz 6

• Die Koordinierungsstelle wird unterstützt von: Aktion Mensch, Share Value, Evangelische Kirche Mitteldeutschland, Kirchenkreis Gotha

• Kontakt: Koordinierungsstelle EFA, Klosterplatz 6 in Gotha, Telefon 03621/305842, facebook.com/ehrenamtfluechtlingshilfe.gotha, www.freiwilligenagentur-gotha.de

Thüringen hilft:
Diese Internetseite bietet für Geflüchtete, Migranten, Ehrenamtliche sowie Organisationen in fünf Sprachen Infos, Angebote und Ansprechpartner in Thüringen: www.thüringen-hilft.de
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1 Kommentar
5.081
Joachim Kerst aus Erfurt | 20.11.2016 | 09:56  
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