Der Engel von Dachau mit der Häftlings-Nr. 26 147

Pater Engelmar Unzeitig (Foto: Ökumenisches Heiligenlexikon - gemeinfrei)
Vier Jahre lang war Pater Engelmar Unzeitig im Konzentrationslager Dachau inhaftiert. Viele seiner Mithäftlinge rettete er vor dem Hungertod. Daher nannten in seine Mithälftlinge den „Engel von Dauchau“, später auch Überlebende den „Maximilian Kolbe“ der Deutschen.

Am 01.03.1911 wurde er als Hubert Unzeitig in Greifendorff bei Zwittau (heutiges Tschechien) geborgen, drei Tage später getauft. Seinen Namen Engelmar erhielt er in dem Kloster Mariannhiller Missionare*, in das er 1934 eintrat. Das Sakrament der Priesterweihe empfing er am 06.08.1939. Nach seiner Priesterweihe betreute er französische Kriegsgefangene, im Herbst 1940 wurde ihm eine Pfarrstelle in Glöckelberg im Böhmerwald zugewiesen.

Pater Unzeitig war ein Kämpfer, ein Kämpfer mit Worten. In seinen Predigten und Religionsunterricht sprach er sich gegen die Verfolgung der Juden aus. In seinen Predigten stellte er klar, Gott mehr zu gehorchen als anderen Menschen. Mutig sprach er aus, was er dachte und kämpfte somit gegen den Nationalsozialismus.

1941 wurde er schließlich von der Gestapo verhaftet, nach 4 Wochen Haft in Linz wurde er in das Konzentrationslager Dachau gebracht, wo er die Häftlings-Nr. 26 147 trug. Als katholischer Geistlicher war er dort im Priesterblock untergebracht. Pater Unzeitig setzte sich stets für seine Mithäftlinge ein, einige rettete er vor dem Hungertod, er spendete vielen Sterbenden, darunter auch Russen, das Sterbesakrament und betreute sie seelsorgerisch. 1944 meldet er sich freiwillig zur Pflege von Flecktyphus-Kranken, wo er sich selber ansteckte und am 02. März 1945, ungefähr 2 Monate vor der Befreiung des Lagers, starb.

Der mitinhaftierte Pfarrer Richard Schneider setzte sich dafür ein, dass der Leichnam von Pater Unzeitig heimlich einzeln verbrannt wurde und auf abenteuerliche Weise schmuggelten sie die Asche nachts aus dem KZ. Pater Unzeitig wurde am 30. März 1945, Karfreitag, am Städtischen Friedhof Würzburg, beigesetzt und 1968 in der Kirche des Ordens. Davor erinnert seit 2011 ein Stolperstein an Pater Engelmar Unzeitig.

Neben all den anderen bekannteren Märtyrern in der damaligen Zeit des Nationalsozialismus steht auch Pater Unzeitig als Opfer seiner Nächstenliebe. Er galt als bescheiden, tief religiös, redete nicht viel, dafür aber betete er viel. Auf andere Häftlinge strahlte er eine innere Fröhlichkeit aus. Nur so hielt er es aus, all die Jahre des Leidens zu überstehen. Auch heute noch ist seine Art mit Worten zu kämpfen zeitgemäß.

Ca. 71 Jahre nach seinem Tod wurden die persönlichen Gegenstände (u. a. seine Uhr) von dem Internationalem Suchdienst (ITS) aus Bad Arolsen dem Orden übergeben.
Pater Engelmar Unzeitig wird 24. September 2016 im Dom zu Würzburg selig gesprochen.

In einem seiner letzten Briefe vor seinem Tod schrieb er an seine Schwester Regina:

„Liebe verdoppelt die Kräfte. Sie macht erfinderisch, macht innerlich frei und froh“.


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Die Kongregation Mariannhiller Missionare ist ein Männerorden der römisch-katholischen Kirche, der seine Hauptaufgabe in der Afrikamission und Entwicklungshilfe hat.
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Martina Giese-Rothe aus Gotha | 04.09.2016 | 20:34  
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