Der Hofstaat gibt sich die Ehre

Zum Barockfest unterwegs: Die Gothaer Heiderose Weisser und Jochen Peter.
 
Zum Barockfest unterwegs: Die Gothaer Heiderose Weisser und Jochen Peter.

Barockfest lädt zum Sehen, Staunen, Mitmachen und feiern auf Schloss Friedenstein ein:



Gotha ist stolz auf seine große Vergangenheit und die barocke Tradition. Alljährlich im August kommt deshalb der Hofstaat Friedrich des III. wieder in seine alte Residenz, um sich von den Untertanen huldigen zu lassen. Das Barockfest war geboren. Zu ihm kommen Menschen aus ganz Deutschland - zu Besuch, aber auch um sich in ihren schicken Kostümen zu zeihen. Zu ihnen gehören die Gothaer Heiderose Weisser und Jochen Peter, die gemeinsam mit vielen anderen Menschen zum Freundeskreis Kunstsammlungen Schloss Friedenstein Gotha e.V. gehören. Sie lieben und leben die Zeit des Barock und engagieren sich in der Erhaltung der besonderen Kunstschätze und der Tradition.


Was fasziniert sie an der Zeit des Barock?
Jochen Peter: „Für uns ist das Barock eine Zeit, in der Künstler und Handwerker Höchstleistungen vollbracht haben. Es war eine sehr schöne Zeit, aber nur für Menschen, die zum Adel gehörten. Das einfache Volk musste leiden und den Pomp der Reichen finanzieren. Außerdem lieben wir unser Barockschloss und wollen durch unser Engagement zur Erhaltung beitragen.“


Seit wann sind Sie mit Kostümen unterwegs? Jochen Peter: „Solange, wie es das Barockfest gibt, seit zehn Jahren. Damals, im dritten Jahr des Bestehens des Freundeskreises, hat und Museumsdirektor Bernd Schäfer überrumpelt und uns alle im Kostüm bestellt. Und weil wir alle ein Kostüm hatten und so gut aussahen, mussten wir zum ersten Barockfest auch alle im Kostüm kommen. Von uns aus währen wir nicht auf diese Idee gekommen. Jetzt sind wir mehrere Pärchen, die aus ganz Deutschland nach Gotha zum Barockfest kommen.“


Wie kommt man zu einem Kostüm und was kostet es? Jochen Peter: „Es gibt in Deutschland Gewandmeister bei denen man es bestellen kann. Natürlich geht das heute auch über das Internet. Unsere Kostüme stellen übrigens den Cammerherr und Regierungsrath beim Herzoglichen Cammer-Collegium im HerzogtumSachsen-Gotha-Altenburg unter Herzog Friedrich III. und seiner Gemahlin dar. Geschneidert wurde es in einer kleinen Manufaktur in Wuppertal nach Wunsch und fast passend. Rund 600 Euro haben wir mit einigen Zubehör bezahlt." Heiderose Weisser: "Nach oben gibt es aber keine Grenzen.“


Mussten Sie sich sehr umstellen, um der Zeit zu entsprechen?
Jochen Peter: „Nach einigen Startschwierigkeiten und einigem Training vor dem Spiegel klappt es ganz gut. Man muss Würde ausstrahlen, Schreiten und Winken üben. Auch an ihrer Aussprache mussten einige unserer Vereinsmitglieder etwas ändern.“


Wo lernt man das „Feine-Gesellschaft-Gehabe“?
Jochen Peter: „Die ersten Schritte haben wir von der 1. Hofdame und dem Zeremonienmeister gelehrt bekommen. Man kann aber auch vieles nachlesen und sich die einzelnen Abläufe aneignen. Beispielsweise wie man sich bei einer Audienz beim Herzog verhält und bewegt, ihn niemals das Hinterteil zeigt.“


Welches Gefühl ist es, als „Adliger“ zu flanieren und sich vom „gemeinen Volk“ bestaunen zu lassen? Heiderose Weisser: „Es ist ein sehr erhabenes Gefühl. Wir werden bestaunt und hundertfach fotografiert. Menschen machen uns Komplimente und grüßen, wenn wir in der Kutsche vorbeifahren und winken dürfen. Es macht riesigen Spaß, ist aber auch sehr anstrengend. Das Kleid ist schwer und jeder Toilettengang wird zur Qual. Außerdem müssen wir uns sehr konzentrieren und nichts Falsches machen. Trotzdem sind wir im Alltag normal geblieben - und das ist gut so.“


Könnten Sie sich vorstellen immer in dieser Rolle und dieser Zeit zu leben? Jochen Peter: „Hierauf gibt es ein klares und doppeltes NEIN! Wir möchten niemanden als Untertan haben. Zwar würden wir im Hofstaat gut leben. Aber zu wissen, dass es andere Menschen dadurch schlecht geht, wäre schlimm. Außerdem waren die hygienischen Bedingungen damals alles andere als lustig. Nein, wie leben lieber im Jetzt und Heute und schlüpfen nur zu Festen und besonderen Anlässen in die Kostüme.“


PROGRAMMHINWEIS:


23. bis 25. August, Barockfest auf Schloss Friedenstein Gotha Freitag: 20 Uhr: Historisches Rathaus: Feierliche Eröffnung durch Herzog Friedrich III. von Sachsen-Gotha-Altenburg und seine Gemahlin, anschließendem Umzug zur Orangerie Samstag und Sonntag: Ab 11 Uhr zahlreiche Veranstaltungen der anwesenden Kostüm- und Musikgruppen u. a. im Festsaal, in der Schlosskirche und auf der Bühne im Schlosshof statt.


- Führungen durch das Schloss zur vollen und halben Stunde von 11 bis 17 Uhr - Kostümverleih im Schlosshof unter den Arkaden - Fotos in historischen Kostümen im Ekhof-Kabinett - Kutschfahrten durch den Park und die Stadt - historisches Karussell und Kinderbereich im Westturm mit Basteln und vielem mehr - über 40 historische Stände auf dem Hof u.a. Gewandmeister, Steinmetz, Töpferei, Brillenmacher, Salzsieder, Möbel, Schmuck, Druckerei, Spinnrad, Polsterei, Schmiede, Korbflechterei, Wollverarbeitung, Kräuterstand, Schneiderei, Krämerladen u.v.m - historisches Zeltlager, zahlreiche Kostüm- und Uniformgruppen, Zauberkünstler, Münzprägung sowie umfangreiche Gastronomie


- alle Museen auf Schloss Friedenstein sind geöffnet
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