"Dreiherrenstein" – Erinnerungen – erlebtes Glück

(um 1916)
Die Postkarte zeigt den "Dreiherrenstein" um 1916. Welchen "Dreiherrenstein"? Es gibt derer einige! Wenn man von Winterstein zum Rennsteig gefunden hat oder auch von Ruhla und dann ich Richtung Brotterode den Rennsteig entlang geht, trifft man auf den hier abgebildeten Dreiherrenstein, einer damaligen Dreiländergrenze.
(Heute sieht es dort freilich ganz anders aus. Aber das Gebäude ist im Wesentlichen so geblieben und der Weg dorthin und ein Verweilen lohnen sich nach wie vor.)

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Als ich in Kassel eine Reihe von Jahren arbeitete, lud ich meine Kollegen ein, ihnen den Rennsteig – insbesondere den Inselsberg – zu zeigen. Damals war gerade de 25. GutsMuths-Rennsteiglauf. Von diesem "Dreiherrenstein" wanderten wir zum Inselsberg.

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Aber bereits kurz nach der Wende erlebte ich diesen "Dreiherrenstein" auf besondere Art und Weise:
In Gothas „Wermutsäule“, einem Hochhaus auf dem eine Werbung für „Wermut“ aus Gotha zu lesen war, wohnten viele alte Leute, die zum Teil sehr gehbehindert waren. Meine Nichtschwiegermutter war engagiertes Mitglied der Volkssolidarität und fragte mich, ob wir diesen Menschen nicht etwas Gutes tun könnten – gerade in den Zeiten des gesellschaftlichen Umbruchs und der damit verbundenen Ängste dieser Älteren.
So organisierte ich einen „BARKAS“ (einen Kleinbus) und fuhr einige der Gehbehinderten in den Thüringer Wald.

Einmal war es, dass wir einen Ausflug machten zum besagten "Dreiherrenstein".
Dort stieg das Häuflein der sieben Gehbehinderten aus, merkte ich ihnen die Freude an, noch einmal auf dem Rennsteig sein zu dürfen, und führte ich sie hinein in die Gaststätte. Dabei vernahm ich von allen Seiten, was man nicht essen dürfe oder könne, dass man sich sehr zurückhalten müsse und dergleichen.
Als dann alle froh bei Tische saßen, konnte ich schmunzelnd sehen, wie Bockwurst oder Schnitzel vor Kuchen oder Torte verzehrt wurden, wobei natürlich reichlich Sahne regelrechte Pflicht zu seien schien.
Als ich eine Weile draußen die Luft genossen hatte, trat eine der Frauen aus der Tür. Ihre notwendigen beiden Krücken hielt sie in einer Hand, während sie in Richtung Toilette ging. Nach einer Reihe von Schritten blieb sie – über sich selbst wohl erstaunt – stehen, sah sich um, dass es auch keiner gesehen habe, und ging auf Krücken weiter.
Sie hatte vor Glück ihre Schmerzen ganz vergessen.

Eine andere Frau streichelte später einen großen Baum. Sie hatte es nicht mehr geglaubt, wegen ihrer beiden offenen Beine, die immer verbunden waren, dass sie noch einmal einen Baum auf dem Rennsteig sehen und anfassen würde.


Als wir von der Fahrt wieder an der „Wermutsäule“ angelangt waren, wollte man mir mit Geldspenden danken für diese Fahrt. Nichts da! Ich hatte zu danken! Und so bekam jede ein kleines Obst-Gläschen. Ja, ich hatte ihr Glück erleben dürfen, dafür wollte ich mich bedanken.

Es war nicht die erste und auch nicht die letzte Fahrt mit diesen Gehbehinderten – und die spektakulärste war es schon gar nicht.


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Gehbehinderten Senioren riesige Freude bereitet !

Schier unvorstellbarer "Inselsberg"
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8 Kommentare
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Antje Hellmann aus Jena | 07.06.2011 | 10:48  
3.004
Gerald Kohl aus Erfurt | 07.06.2011 | 23:03  
6.472
Mariett Demirelli aus Erfurt | 07.06.2011 | 23:52  
13.445
Uwe Zerbst aus Gotha | 08.06.2011 | 00:03  
3.004
Gerald Kohl aus Erfurt | 08.06.2011 | 00:08  
13.445
Uwe Zerbst aus Gotha | 08.06.2011 | 00:12  
3.004
Gerald Kohl aus Erfurt | 08.06.2011 | 00:21  
6.472
Mariett Demirelli aus Erfurt | 08.06.2011 | 10:08  
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