Eine Hochzeit mit Todesfolge - Unglücksfall im Waldgasthof Reinhardsbrunn

  Fährt man mit der Regionalbahn vom Reinhardsbrunner Bahnhof in Richtung Waltershausen sieht man ein Grabmal im Wald. In der Nähe der Reinhardsbrunner Teiche mit Blick auf das ehemalige Parkhotel steht ein Grabstein mit einer aufgesetzten Urne am Wegesrand. Wem die Zugfahrt für eine Betrachtung des Denkmals zu schnell war, kann den neu angelegten Zöglingsweg von Schnepfenthal nach Reinhardsbrunn gehen. Der Weg führt zielgerichtet zu dem Kleinod mitten im Wald. Das Grabmal erzählt die Geschichte von einem Karl Siegesmund Hedenus ( 1766 – 1822 ) aus Themar. Er war von der herrlichen Waldlandschaft in Reinhardsbrunn so begeistert und entschloss sich die Hochzeit seines Sohnes in einen Waldgasthof in Reinhardsbrunn auszutragen. Mit einem Tanz wurde der Hochzeitsreigen eröffnet „ Da rührte ihn der Schlag und er sank der blühenden Braut in die Arme.“ Karl Siegesmund Hedenus verfügte, nach seinem Tod in Reinhardsbrunn begraben zu werden. So erwarb die Familie die Stelle an der sich heute das Grab befindet mit Blickrichtung auf den ehemaligen Waldgasthof in dem das Unglück geschah. Die Todesanzeige des Sohnes offenbart noch einmal die ganze Dramatik der Ereignisse. Sie hat folgenden Wortlaut:
„Am 18ten dieses Monats, mittags 1 Uhr, entriß mir ein plötzlicher Tod meinen geliebtesten Vater, Sächsischen Amtsverwalter Carl Siegmund Hedenus, aus Arnshaugk bei Neustadt an der Orla, zuletzt in Themar wohnhaft, in seinem 56. Lebensjahre, auf eine höchst niederschlagende und traurige Weise.
An jenem Tage nämlich, wo ich in Gesellschaft meines gedachten Vaters, der nächsten Verwandten und Freunde, meine am Morgen dieses Tages allhier vollzogene eheliche Verbindung mit der Tochter des Herrn Senators und Kaufmanns Eckardt hierselbst, zu Reinhardsbrunn zu feiern beabsichtigte, hatte mein Vater bald nach unserer Ankunft daselbst in der frohesten und vergnügtesten Laune meine nunmehrige Gattin zu einen Walzer engagiert, kaum aber einmal im Saale herumgewalzt und sich wieder niedergesetzt, als er plötzlich von einem Schlagflusse getroffen wurde und in Folge dessen wenige Minuten darauf, zum Erstaunen der Anwesenden, dadurch in die größte Bestürzung geratenen Gäste, ohngemachtet aller zu seiner Wiederbelebung auf das schnellste angewendeten und möglichen Versuche, in meinen Armen verschied.
Allen meinen Freunden und Bekannten hierselbst, welche meinen verewigten Vater gekannt haben und meinen tiefen Schmerz über den Verlust desselben erwägen können, zeige ich dieses höchst traurige Ereignis mit betrübten Herzen an, und empfehle mich, unter höflicher Verbittung aller, meinen Schmerz nur vergrößernden Beileidsbezeigungen, ihren ferneren freundschaftlichen Wohlwollen.
Ich verfehle nicht, mit dieser schmerzlichen Anzeige zugleich meinen innigsten Dank für die mir höchsten Orts zuteil gewordene Begünstigung, dass ich die entseelte Hülle meines verewigten Vaters an einem anmutigen, in den nächsten Umgebungen gelegenen Platze habe zur Erde bestatten lassen dürfen, hiermit zu verbinden und öffentlich auszusprechen, indem ich in dieser Begünstigung einen Beweis der allgemeinen Teilnahme an dem Schicksale erkenne, welches mich so hart betroffen hat.“

Gotha, am 21. August 1822
Friedrich August Hedenus
aus Schleusingen
Memento mori!
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