Eine wirkliches Weihnachts(baum)märchen

Um den Weihnachtsbaum Gothas standen 50 geschmückte kleine Stuben-Weihnachtsbäume
 
Gespendeter Baumschmuck machte jeden Baum zu einer Einmaligkeit
 
Der OB, Knut Kreuch (im Vordergrund), bedankt sich bei den freiwilligen Baumschmückern und dem MDR
 
Der MDR in Aktion
 
Wenn man den Bäumen nachfährt und nicht auf den Schee achtet, kann man nicht aussteigen - hihihi
Im letzten Jahr verschenkte die Stadt Gotha 50 Weihnachtsbäume. Der MDR hatte diese Idee an den OB Gothas herangetragen und Anfang Dezember standen 50 Bäume in unterschiedlichen Ständern auf dem Oberen Hauptmarkt. Gespendeter Baumschmuck wurde angebracht. Dann wurden die Bäume den zu Beschenkenden gebracht.

Gern hatte ich mich derart beteiligt, dass ich „meine“ beiden bekannten sehbehinderten Schwestern vorschlug. Das erste Glück fühlte ich, als beide Bäume bekommen sollten. Etwas Stolz aber auch voller innerer Aufregung kam auf, als der MDR die Baumübergabe zu filmen und zu senden.

Weil es ein besonderes und dazu noch erlebtes Weihnachtsmärchen wurde, habe ich alles gleich aufgeschrieben. Hatte ja auch Fotos geschossen, um alles festzuhalten.

Wem die nachfolgende Geschichte zu lang ist, den verstehe ich voll, weil der Leser schon etwas beansprucht wird. Vielleicht noch die Fotos ansehen und dann weiter im mA schauen.

Wer aber den Märchenzauber unserer Gegenwart (auch mit den kleinen Hindernissen) lesen und „erleben“ möchte, den lade ich zum Weiterlesen ein.

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50 Weihnachtsbäume und der MDR – ein eindrucksvolles Erlebnis

Es trug sich zu, dass im Jahre 2010 der MDR dem Gothaer OB Knut Kreuch das Angebot machte, dabei zu sein, wenn dieser 50 Weihnachtsbäume geschmückt an Bedürftige und Arme Gothas verschenken würde.
So kam es, dass mich der Pressesprecher der Stadt Gotha, Herr Märtin, anrief, ob ich mich an der Aktion beteiligen würde, indem ich drei zu Beschenkende suchen und die Vergabe der Bäume an sie betreuen würde. Es könne sein, dass der MDR diese Übergabe auch filmen würde. Da er mich doch kennen würde, habe er dem MDR bereits gesagt, dass das alles klar gehen würde, wenn ich zusage. Ja, er kennt mich schon. Bei einer solchen Aktion mache ich freilich gern mit.
Wer jetzt denken mag, dass ich deshalb zugesagt habe, um auf diese Weise vielleicht im Fernsehen zu sehen zu sein, der wird am Ende sehen, dass dies garantiert der falsche Gedanke ist.
Die Verwirklichung des Gothaer „sozialen Weihnachtsmärchens 2010“ nahm ihren Lauf.

Der Pressesprecher informierte mich kurz, wie es gedacht sei:
• Die 50 Bäume werden auf dem Marktplatz präsentiert.
• Mir seien 3 Bäume zugedacht, für welche ich Beschenktzuwerdende benennen solle.
• Die Bürger werden aufgerufen, Schmuck, Ständer, Lichterketten zu spenden und im Rathaus abzugeben.
• Am 10.Dezember werden diese Bäume auf dem Marktplatz geschmückt und dann verteilt.
• Der MDR wird dabei sein und wird auch Baumübergaben filmen.
• Alles wird „eingeläutet“ werden in der TV-Sendung „Schwefelhölzchen“ zu Nikolaus (06.12.)
Nun machte ich mich daran, die zu Beschenkenden zu suchen, sprach frühere Kolleginnen und Besucher meiner Veranstaltung („Musikalisches LiteraturCAFÉ“) und Bekannte an, fragte in der Verwandtschaft und bei der BGG hinsichtlich Bewohner deren großen Hauses in der August-Creutzburg-Straße. Es war nicht einfach, da doch zahlreiche selbst einen Baum holen/Kaufen oder bekommen würden. Aber auch eine kleine Scheu vor dem möglicherweise mitkommenden MDR ließ davon Abstand nehmen.
Schließlich konnte ich dem Pressereferenten vier Vorschläge machen:
• 2 Bäume für zwei sehbehinderte Schwestern (jeweils eigenen Haushalt)
• 1 Baum für eine Hausgemeinschaft
• 1 Baum in die Praxis des Arztes SR Schumann, der aufopferungsvoll und unermüdlich trotz Rentenalters für seine Patienten schon über 4 Jahrzehnte immer da ist
Nun fielen ja höchstens die ersten beiden Bäume unter Bedürftig.
Das mit der Hausgemeinschaft würde eine Art Anerkennung sein, wie auch der Baum für den Arzt.
Da das mit dem Arzt rein technisch nicht so recht klappen würde und die Idee mit der Hausgemeinschaft beim Pressereferenten auf Gegenliebe stieß, legten wir uns auf die erstgenannten Bäume fest, gab ich die Adressen per eMail durch und musste das bis zum 06.12.2010 um 21:45 Uhr erledigt haben (Stichzeit).

Angekündigt wurde, dass der OB eine besondere Aktion in der TV-Sendung „Schwefelhölzchen“ vorstellen würde. Natürlich waren viele Gothaer dabei, als er aus einem Turmfenster des Rathauses seine 50 Geschenke benannte, diese schon gehauen neben dem großen Gothaer Weihnachtsbaum auf dem Hauptmarkt präsentiert wurden und er aufrief, für deren Schmuck zu spenden.

Bis zum Freitag galt es meinerseits noch einige Dinge abzuklären, weswegen ich bei den Schwestern zu Gast weilte. Wie groß dürften die Bäume sein, wo würden sie stehen, wenn keine Beleuchtung dran sei und ein Ständer fehle, was dann.
Beide Schwestern haben jährlich je einen künstlichen Weihnachtsbaum stehen, der ihnen von einem hilfreichen Bekannten aufgestellt wird. Nun aber würde es ein echter Baum sein, der gewiss auch mehr Platz beanspruchen würde.
Eine der Schwestern meinte, dass sie schnell an ihre Beleuchtung herankommen würde.

So kaufte ich vorbeugend zwei Lichterketten. Die eine war für eine der Schwestern gedacht, während die andere Lichterkette für den Baum der Hausgemeinschaft gedacht war – man weiß ja nie, wie es kommt. Hinsichtlich der Baumständer versicherte mir der Pressesprecher, dass diese mitgeliefert/geschenkt würden.

Nun war Freitag, der 10. Dezember, herangekommen. Gegen 12:30 Uhr war ich auf dem Hauptmarkt, um die geschmückten Bäume zu sehen und zu fotografieren.

Schön waren sie anzusehen! Eine freudige Erwartung kam in mir auf.
Das MDR-Team hatte gerade aus der Höhe der Feuerwehrdrehleiter den Eindruck von oben gefilmt und war nun dabei, ein paar Aufnahmen vom Bestaunen der Bäume durch Bürger zu machen. Der OB und Pressesprecher kamen auch hinzu. Das bedeutete, dass bald mit der Auslieferung beginnen würde, die für 13 – 15 Uhr angedacht war.

So machte ich mich flugs auf den Weg, um zu den beiden Schwestern zu kommen und bei sowie mit Ihnen auf die Dinge zu warten, die da kommen würden.

Gegen 14 Uhr wurde ich von der Moderatorin des MDR, Susann Reichenbach, angerufen, was mit dem 6. aufgeladenen Baum passieren solle. Das wusste ich nicht, da mir nur 5 bekannt waren (2 an die Schwestern, 1 Hausgemeinschaft, 1 für einen Mann, 1 für eine alleinstehende Frau mit drei Kindern). Bei der Gelegenheit fragte ich nach ihrem Kommen, was sie mit „etwa in 20 Minuten“ angab.
Etwa 15:20 Uhr sah ich das Auto der Stadt mit den Bäumen die Eschleber Straße hinaufkommen – gefolgt von 2 Autos des MDR. Eine nahe liegende Einfahrt nutzten sie.

Da die Schneeaufschüttungen links und rechts ein Aussteigen aus dem PKW verhinderte, musste der MDR zurückstoßen, um aussteigen zu können.

Dann wurde der erste Baum zum Haus gebuckelt. Da er etwas ausladend war, lotste ich das Team in die zweite Etage zu der Schwester mit dem größeren Platz.
Als wir alle vor der Wohnungstür angelangt waren, wurde festgestellt, dass sich die Linse der Kamera innen beschlagen hatte wegen der Temperaturunterschiede (draußen > drinnen). Abgesehen davon, dass diese der MDR hätte wissen können müssen, wurde mittels des Föns der Etagennachbarin der Schleier von der Linse gewärmt.

Nach einer weiteren Zeit, in der die Stellplätze von Kameramann, Moderatorin und Mitarbeiter des Gartenbauamtes der Stadt Gotha vergeben und eingenommen wurden, meinte Susann Reichenbach, dass sie selbst ein wenig aufgeregt sei, was die Schwester, Frau Emrich, sagen würde. Die Frau wisse ja noch gar nicht, was sie erwarte. (Nunja, so war es ja nicht, weil sie schon wusste, dass sie einen Baum bekommen würde und ja deswegen daheim sein musste. Allein, wie der Baum aussehen würde, das wusste sie freilich nicht.)
Diese hatte bereits, durch den Tumult vor ihrer Tür, ihre Wohnungstür geöffnet gehabt und wurde stets angehalten, diese doch immer wieder zuzumachen.

Dann war es endlich soweit, wurde geklingelt, war Frau Emrich wahrhaftig sehr erstaunt und erfreut über das Bäumchen und gab ihrer Freude und Dankbarkeit beeindruckenden Ausdruck.
Nun wurde der Baum ins Zimmer und auf den Tisch gestellt. Wahrlich eindrucksvoll stand er da und füllte den Raum vor allem mit seinem Duft auf besondere Art und Weise aus, was der Beschenkten sehr gefiel.

Da die Zeit dem MDR-Team davon lief, baten sie mich, die andere Schwester auch gleich mit herbei zu holen, da sie bei dieser nicht mehr filmen könnten. Gesagt – getan.

Da standen sie nun alle und waren allseits gerührt: Moderatorin und Kameramann über den Baum, sein wunderbares In-den-Raum-passen und die beiden sich so herzerfrischend freuenden Schwestern einerseits und die Schwestern über diesen herrlichen echten und duftenden Baum andererseits.
Letzte Aufnahmen und dann verabschiedete sich das MDR-Team, um zu Lindemannstraße weiter zu fahren.

Nun, so gegen 16:15 Uhr begann „die Tragödie nach dem MDR“!
Der zweite Baum wurde Parterre bei der anderen Schwester noch fix reingestellt.

Zwischen diesen beiden Aufnahmen lag allerdings eine halbe Stunde!
Der Baumständer (eine Baumscheibe mit Mittelloch) war ausgeleiert, so dass der Baum nicht stand. Da lehnte ich ihn kurzentschlossen etwas gegen den Schrank, damit er nicht umfiele, fuhr heim, holte unseren Weihnachtsbaumständer, kam wieder und …
Helle Aufregung bei der Schwester, Frau Stehl, und ihrem Mann, da das bislang gefrorene Wasser in der Zwischenzeit vom Baum tropfte und Schank sowie Fußboden und den Tisch, auf dem der Baum stand, regelrecht überflutete.
Also erst einmal den Baum fest hinstellen und dann weg- und aufwischen!
Als das geschehen war, wurde die Beleuchtung getestet. Es waren nur 10 Kerzen, die im oberen Bereich waren und den Baum nicht recht glücklich aussehen ließen. So machte ich sie ab und befestigte meine Lichterkette von 30 LED-Kerzen am Baum, der nun stattlich aussah und auch beleuchtet etwas her machte. Das Ehepaar war beglückt und bewunderte immer wieder die vielen Glitzereffekte am Baum. Vor allem der frische Baumduft wurde auch von ihnen hervorgehoben.
Nach einem Tässchen Kaffee wurde ich schon von der Hausgemeinschaft angerufen, wann ich denn käme, wolle man mir den Baum im Treppenhaus doch wenigstens erleuchtet zeigen. Mich verabschiedend war ich kurz darauf dort.
Aber zuvor stand Frau Emrich in der Tür, bat mich, doch noch einmal zu ihr zu kommen, zeigte mir, dass die Beleuchtung nicht mehr ging und war etwas traurig darüber. Ich vertröstete sie auf den Samstag, weil ich doch weg wollte/musste/sollte.

Nun muss ich schon sagen, dass es verwundern kann, dass es meine Hausgemeinschaft war, die den dritten Baum bekam. Habe ich mir da flink etwas „unter den Nagel“ gebracht? Nein, meine ich. Einerseits fand der Pressereferent die Anerkennung einer Hausgemeinschaft als gute Idee. Als ich ihm sagte, dass es meine sei und ich mich eben so sehr freue, in einer noch intakten „DDR-Hausgemeinschaft“ von mehr als 40 Jahren zu wohnen, gab es auch keine Bedenken.

Als ich an unserem Häuserblock vorüber fuhr, dessen Haustüren jüngst ausgetauscht und durch „Glaspalasttüren“ ersetzt wurden, war es das erste Mal, wo diese einen Vorteil boten, indem man den leuchtenden Weihnachtsbaum im Treppenhaus so richtig schön auch von draußen sehen konnte.

Ein schöner Tag mit turbulenten Nachmittag schloss mit einem Becher Punsch 18:15.
Doch da folgte noch etwas am nächsten Tag!

Für uns kaufte ich einen neuen Weihnachtsbaumständer. Für die Hausgemeinschaft erwarb ich im Baumarkt alles, um eine dünne Leitung vom Treppenhaus-Baum in die Parterrewohnung meiner Nichtschwiegermutter zu legen, von wo aus dann immer mit dem Dunkelwerden ein und früh wieder ausgeschaltet werden wird.

Da eine ausreichende Beleuchtung am Treppenhaus-Baum vorhanden war, nahm ich die dafür eigentlich gekaufte Lichterkette, fuhr zu der Schwester mit dem dunklen Baum und brachte sie dort an. Stattlich sah nun der Baum aus.
Auch bei ihr trank ich eine Tasse Kaffee, hörte Musik an und plauderte mit ihr über das Erlebnis der letzten Stunden.
Dabei sagte ich ihr, dass ich ziemlich sicher sei, dass beide Schwestern am kommenden Montag (13.12.) in der nächsten TV-Sendung „Schwefelhölzchen“ zu sehen sein werden, weil ich beim Einkauf von der Moderatorin angerufen wurde, welche die Vornahmen der Schwestern erbat, weil sie diese nicht mitgeschnitten hatten.


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Es wird sicher ein Nachspiel geben.

Wenn die Weihnachtszeit vorüber ist, werde ich die Bäume der Schwestern und den Treppenhaus-Baum abschmücken. Die Bäume sollen dann durch die Stadt abgeholt werden. Doch das ist nicht das Nachspiel, was ich meine.

Was passiert mit den beiden Beleuchtungsketten und dem dann übrigen Weihnachtsbaumständer?
Wenn ich das richtig sehe, gefällt allen der Treppenhaus-Weihnachtsbaum, so dass wir im kommenden Jahr uns als Hausgemeinschaft wieder einen leisten und aufstellen werden. Dann steht er in dem „übrigen“ Baumständer und wird eine der Lichterketten tragen. Mit der anderen wird ein Beleuchtungswechsel für unseren privaten Weihnachtsbaum vorgenommen.
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Dem Dank der beiden Schwestern an den OB, den MDR, die vielen Spender, die fleißigen Baumschmücker kann ich mich nur von Herzen anschließen!
Darüber hinaus möchte ich dafür Dank sagen, dass ich mitmachen durfte und meine Vorschläge mit getragen wurden.

Uwe Zerbst
Gotha, den 12. Dezember 2010
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Manfred Kappler aus Nordhausen | 29.11.2011 | 23:16  
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