Frisch gezapft -- nach Zeit

  Gerstungen: Hausbreitenbach | Noch ist es dunkel. Und es ist kalt. Aufgeregte junge Menschen rauchen noch schnell eine Zigarette, sprechen sich gegenseitig Mut zu, versuchen ihre innere Ruhe wieder­zufinden. Im Hintergrund ist das laute Muhen von rund 100 Hochleistungskühen zu hören, die nur darauf warten, endlich gemolken zu werden. Eine Arbeit, die heute genau diese Jugendlichen übernehmen – nach Zeit...

So geschehen vor wenigen Tagen in der Milchviehanlage der Agrargenossenschaft Gerstungen e.G. in Hausbreitenbach. Hier, in der Marksuhler Straße, fand der Regionalentscheid im Leistungsmelken statt. Mit dabei Lehrlinge die den Beruf des Land- oder Tierwirt erlernen und Jungfacharbeiter, die bereits ausgelernt haben.

Wer jetzt das Bild einer fröhlich lächelnden jungen Melkerin mit Schürze und Kopftuch vor Augen hat, die mit Melkschemel und Blecheimer die Kuh per Hand melkt, muss sich eines Besseren belehren lassen. Heute ist dieser Berufszweig genauso hoch technisiert wie viele andere Teilgebiete in der Landwirtschaft. Und es ist eine harte Arbeit.

Organisiert vom Landwirtschaftsamt Bad Salzungen, in Zusammenarbeit mit der Thüringer Melkergemeinschaft e.V., dem Kreisbauernverband Eisenach / Bad Salzungen e.V. und dem Kreisbauernverband Gotha e.V. stand neben dem eigentlichen Melken der Kuh, der Zelltest und eine theoretische Prüfung auf dem Programm. Sowohl in der Theorie als auch in der Praxis mussten die von ihren Betrieben delegierten Land- bzw. Tierwirte unter den strengen Augen der Juroren Gelerntes unter Beweis stellen.

Keine einfache Aufgabe, wie die Teilnehmer schnell feststellen mussten. „Zwar haben wir alles Wichtige gelernt, doch ist es immer wieder eine neue Heraus­forderung in einem fremden Melkstand mit unbekannten Tieren zu arbeiten“, erzählt Tierwirt André Friedrich von der Agrargenossenschaft Goldbach e.G. in Warza, der bereits zum dritten Mal bei solch einem Berufswett­bewerb dabei ist.
Sauberkeit und Milchhygiene, Melkleistung, der Ausmelkgrad sowie die exakte Ausführung jedes einzelnen Handgriffes werden von den Juroren notiert. Darüber hinaus sitzt den Teilnehmern die Zeit im Nacken. Die Stoppuhr läuft. Denn Melken ist Akkordarbeit. „In unserem modernen Side by Side Melkstand brauchen wir für 100 Kühe etwa eine Stunde. Dazu wird jede unserer Kühe dreimal täglich gemolken“, erzählt Cornelia Schwarz, die in der Agrargenossenschaft Gerstungen e.G. als Melkerin arbeitet.

„Neben dem Bedienen der modernen Technik ist es vor allem die Arbeit mit dem Tier, die mir richtig Spaß macht“ erzählt André Friedrich und spricht mit ruhiger Stimme die nächste Kuh an. „Sie soll sich nicht erschrecken“, sagt er und beginnt den ersten Arbeitsschritt – das Reinigen der Zitzen.

Im Hintergrund die Prüfer mit Zettel, Stift, Stoppuhr und einem wachen Blick. „Grundsätzlich kennen alle die Abläufe, es kommt auf Feinheiten an, vor allem die Hygiene“, sagt Andreas ­Zschaeck, der den Teilnehmern genau auf die Finger schaut.

Gestern nun fand in Gerstungen die feierliche Auswertung des Regionalentscheides statt. Platz 1 belegte mit 135 von 160 möglichen Punkten Christoph Schnitter von der Agrarvereinigung „Rhönpforte“ Sünna e. G. Franziska Harnisch von der Handels-Agrar-Bau GmbH Molschleben (119 Punkte) und Henrik Both, Agrargenossenschaft Goldbach e. G. (114 Punkte) belegten die weiteren Plätze.
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