Gehbehinderten Senioren riesige Freude bereitet !

Es gab zwei Kleinbus-Fahrten, die ich kurz nach der Wende für und mit gehbehinderten Senioren machte, bei denen ich wohl zu weit ging – aber es war einfach herrlich und machte allen viel Freude.

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Wir fuhren nach Jena. Ein kleiner Rundkurs entlang der früheren Stadtbefestigung und danach hoch auf den Landgrafen. Es waren wohl die letzten Wochen, dass diese Ausflugsgaststätte geöffnet hatte und wir draußen sitzend Mittag aßen. So erlebten alle praktisch den Blick, wie er auf dem 10-DM-Schein der DDR zu sehen war.
Anschließend fuhren wir über die Schlachtfelder nach Weimar. Eine Frau, welche das Glück des Mitfahrens wegen ihrer verbundenen offenen Beine besonders empfand, die bis dato kaum etwas gesagt hatte, schüttete plötzlich ihr Herz aus und erzählte aus ihrer Jugend und ihren Lebensträumen.

In Weimar zeigte ich den Senioren das Goethehaus am Frauenplan. Ach war das ein „Ah!“ und „Oh!“, dieses in Natur sehen zu können.
Da fasste ich mir ein Herz und fuhr ganz langsam aber dennoch ohne jegliche Erlaubnis oder Berechtigung mit ihnen zum Schillerhaus. Na diese strahlenden Augen werde ich wohl nie vergessen. Weiter ging es vors Theater und um das Goethe-Schiller-Denkmal erst linksherum und dann noch einmal rechts herum, damit alle es sich ansehen konnten. Dann die Strecke zurück. Keiner hatte gemuckt, weil sie mit mir die Erfahrung hatten, dass ich immer so fahre, dass beide Fensterseiten alles zu sehen bekommen.
Und wenn uns jemand angehalten hätte? Ich denke, dass beim Aussteigen der Gehbehinderten sicher Verständnis zu erwarten gewesen wäre, zumal ich ja wahrlich Schritt fuhr.

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Ein weiteres Mal fuhr ich mit „meinen Gehbehinderten“ zur Talsperre im Schmalwassergrund (bei Tambach-Dietharz). Die Entwicklung des Talsperrenbaus hatte ich über Monate fotografiert. Nun, wo alles fast fertig war und das Einlassen des ersten Wassers bevor stand, wollte ich den Senioren dieses Bauwerk einmal zeigen.
Langsam ging es hinauf zur Staumauer. Von dort gab es einen wunderschönen Ausblick und beeindruckte die Größe der Anlage wohl am meisten. Unten im späteren Staubecken erhob sich majestätisch der große Turm, an dessen Fuß große „Löcher“ zu erkennen waren, durch welche später das Wasser abgelassen werden kann.
Alle waren beeindruckt, fanden jedoch diese „Löcher“ gar nicht so groß.
Also fuhr ich sacht hinunter, in das Staubecken hinein und um diesen Turm herum!
Da verstummten alle, staunten nicht schlecht und wollten dann aber doch fix wieder aus diesem Staubecken, als sie die riesig wirkende Staumauer von unten ansahen.

Gedurft hatte ich diese Staubeckenfahrt sicher nicht. Eine Ausrede wäre mir sicher auch nicht eingefallen.
Aber als von den gemachten Fotos jede Mitgefahrene ein Bild bekommen hatte, kam die zweite große Freude.
Die Angehörigen, die oft nur selten zu Besuch kamen (auch um sich in Erinnerung zu bringen), wollten die Erzählungen von diesem Ausflug erst glauben, als sie das Foto sahen. Eigentlich waren die Gehbehinderten an ihre Wohnung, mögliche gemeinsamen Essensräume und das Haus, in dem sie wohnten, gebunden. Wer konnte da so etwas erwarten.

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Am Ende jeder dieser Kleinbus-Fahrten bekamen die Mitgefahrenen stets eine Kleinigkeit. Mal eine Blume, mal ein Glas mit Kompott, mal ein Täfelchen Diabetiker-Schokolade. Immer wieder waren die freudigen Gesichter der schönste Dank.
Nur einmal sollte ich unbedingt auf der Fahrt mit Kaffeetrinken. Als es ans Bezahlen ging, wollte die Bedienung von mir kein Geld – und alle lachten mich an, freuten sich über ihr gelungenes Geben und sicher auch über mein „dummes Gesicht“. Das war alles so geschickt eingefädelt, dass ich gar nicht an ein solches Geschenk gedacht hatte.

Ist alles hier Geschriebene unwichtige Kleinigkeit? Kleinigkeit sicher aber „unwichtig“: Nein!
Menschen das Herz lachen, sie ihre Schmerzen kurz vergessen lassen – mir ist das wichtig.
Zwar lebt heute keiner mehr von den Mitgefahrenen, doch andere wissen es noch von deren Erzählungen – und Sie wissen es nun auch.


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"Dreiherrenstein" – Erinnerungen – erlebtes Glück

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