Goethe schrieb seinen „Erlkönig“ in Jenas Tanne

Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich in Jena. In der vierten Klasse hatten wir eine sagenhaft tolle Lehrerin, die uns hinsichtlich Heimatkunde viel zeigte oder erleben ließ.

So machten wir eines Tages ein Geländespiel im Park des Baron von Tümpling. Dieser Park liegt auf dem Weg von Kunitz nach Jena. Das Besondere ist der kleine Teich an dessen Ende zum Berg hin der Erlkönig aus Stein steht, dessen Arm mit dem Kinde allerdings zur damaligen Zeit (1958) abgebrochen war. Die Geschichte des Erlkönigs wird dem Weg an der Saale entlang von Kunitz nach Jena zugeschrieben. Goethe soll diese Ballade in der Tanne (einer damaligen Herberge am Camsdorfer Ufer) geschrieben haben.

So ist es mir noch heute erinnerlich, was wir damals in Heimatkunde erfuhren.

Jeder wird sicher diese Ballade kennen:

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron’ und Schweif?
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.

„Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel’ ich mit dir;
Manch’ bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“

Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht?
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind.

„Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.“

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort?
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh’ es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau.

„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.“
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan!

Dem Vater grauset’s; er reitet geschwind,
Er hält in Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.



Nun möchte ich diese Ballade keineswegs lächerlich machen. Die beiden nachfolgenden „Kurzfassungen“ sehe ich im Vergleich mit sächsischen Varianten des „Der Handschuh“, „Wilhelm Tell“ oder „Der Taucher“, möchte ich als Humorvarianten verstanden wissen.
Wem dies fremd ist und wer es nicht lesen möchte, möge bitte jetzt aus dem Beitrag gehen!

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1. Kurzfassung:
Vater und Kind reiten durch den Wind
Kommt e Mann,
Quatscht sie an,
Ob der Kleene nicht mitkommen kann?!
Vater in Not!
Kind tot.


2. Kurzfassung der Kurzfassung:
Kalt warsch.
Wind warsch.
Kind fror an’ Arsch.
Weg warsch.
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