Im Gothaer Park entdeckt: Worte, die mahnen

Gotha: Gothaer Park |

Immer wieder bleibt er vor dieser einen Buche im Gothaer Park stehen. Dr. Günter Grossmann liest die kyrillischen Buchstaben, übersetzt bedeuten sie „Tod den deutschen Okkupanten“.

Zu lesen seit 70 Jahren



Sie stehen seit 70 Jahren da, deutlich sichtbar in die Baumrinde geritzt. „Dieser Text bietet sich geradezu an, sich über ihn Gedanken zu machen“, sinniert er bei einem erneuten Spaziergang durch den Gothaer Park. Viel Hass sei aus ihm herauszulesen, fügt Dr. Grossmann hinzu, Hass auf die Deutschen, die im Zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion gewütet hatten. „Vielleicht war der Soldat, der die Worte in die Baumrinde ritzte, besonders hasserfüllt, weil er durch den Krieg Verluste in seiner Familie oder Zerstörungen in seinem Umfeld erleben musste“, überlegt er laut. Der Baum erzähle eine Geschichte, ist er überzeugt. Welche genau, ist nach so langer Zeit nicht mehr herauszufinden.

Ein kleines 'Denkmal'



Günter Grossmann schätzt, dass die Inschrift kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges entstanden ist, während der Besetzung Gothas durch Sowjettruppen. Die ersten Sowjettruppen, so weiß er, kamen nach Abzug der US-Army aus Thüringen Anfang Juli 1945 nach Gotha. „Wahrscheinlich hat sich ein Rotarmist während eines Spaziergangs durch den Park an dieser Buche gewissermaßen ein kleines 'Denkmal' gesetzt. Da einfache Soldaten der Sowjetarmee, wenn überhaupt, nur begrenzt Ausgang erhielten, könnte der Baumritzer auch ein Offizier gewesen sein“, formuliert er seine Gedanken, die immer wieder um die Buche in der Nähe des Teiches kreisen.

Mahnende Botschaft



Die Inschrift hat 70 Jahre überdauert, ist mit dem Baum mitgewachsen, hat ihm nicht geschadet, ist heute noch sehr gut zu erkennen. Das ist schon erstaunlich, nach dieser langen Zeit, findet Dr. Grossmann. Sie wird wohl noch weitere Jahrzehnte lang zu lesen sein. „Mahnend im Sinne von 'Nie wieder Krieg!“, weiß Günter Grossmann.
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