Inselsberg ist geschlossen - Über die eingeschränkte Erreichbarkeit eines Besuchermagneten

Von weitem grüßt der große Inselsberg...
 
... von nahem Verbotsschilder, die alles komplizieren.
Von Hildruth Sommer

Eine Überschrift oder Schlagzeile, die Schrecken verursacht. Doch gar so weit hergeholt... mitnichten. Was wäre wenn? Der Große Inselsberg gilt als meistbesuchter Ausflugsberg im Thüringer Wald. Diesen Ruhm verdankt der weithin sichtbare Berg vulkanischen Ursprungs der fantastischen Rundumsicht, die man vom Gipfelplateau genießen kann. Bei gutem Wetter sieht man bis zur Rhön, den Drei Gleichen, der Wartburg, zum Brocken, dem Weimarer Ettersberg oder nach Oberhof. Es ist der weiteste und beste Blick über den gesamten Thüringer Wald überhaupt.

Der über den Inselsberg verlaufende "Rennsteig" war einstmals Grenze zwischen dem Herzogtum Sachsen-Coburg- Gotha und dem Kurfürstentum Hessen. Aus diesem Grund existieren dort oben auch seit Mitte bzw. Ende des 19. Jahrhunderts zwei Gasthöfe. Es war einmal..., muss man heute allerdings sagen, denn die Türen des Berggasthofes "Stadt Gotha" sind seit Monaten geschlossen. Vermutlich für immer, wie nunmehr bekannt wurde. Die Besucher staunten jedenfalls nicht schlecht, als ihnen auf dem Gang zur südlichen Seite des Plateaus eine Kette mit dem Hinweisschild "Durchgang verboten" den bislang freien Zugang versperrte. Es ist eine Haftungsabsicherung des Besitzers des Gasthofes "Stadt Gotha", dem dieser Grundstücksteil auf dem Inselsberg gehört.

Generell ist das Grundeigentum auf dem Berg eine verwickelte Angelegenheit. Auf welcher Stelle des Gipfels genau man auf die Nase gefallen ist, wäre somit tatsächlich von Wichtigkeit. Zynismus aus, aber zu diesem verleitet einen solch ein Zuständigkeitsdurcheinander wie auf diesem Berg der Fall. Einen schlechten Wegzustand dem angrenzenden Besitzer von Restaurant oder Herberge gedanklich in die Schuhe zu schieben, funktioniert auf dem Inselsberg so eben nicht.

Für den Tourismus im Allgemeinen sind derartige Umstände jedoch alles andere als eine Empfehlung. Normalerweise müsste nämlich fortan jeder Besucher die nördlich gelegene Plateauseite nunmehr vom Tal aus erwandern, denn das letzte Straßenstück vom unterhalb des Gipfels gelegenen Parkplatz zum Nordhang ist für Fußgänger ja ebenfalls gesperrt. Von dort aus führt somit der einzig "rechtlich sichere Weg" zur Seite des Gasthauses Stöhr lediglich noch über die Treppe, nördliche Seite - aus der Traum. Bitte vom Tal aus erklimmen. Daran hält sich natürlich niemand - auf eigenes Risiko, vor allem im Winter.

Mit einer neuen Attraktion, einem geplanten Café auf der alten Wetterwarte, sollten noch mehr Besucher animiert werden, die wunderschöne Rundumsicht auf dem "Berg der Berge" zu genießen. Im übrigen sucht die Gemeinde Tabarz Sponsoren für das eigentlich attraktive Vorhaben. Unter solchen Bedingungen sicher äußerst schwierig.

Ziehen auf dem markantesten Berg Thüringens tatsächlich alle in verschiedene Himmelsrichtungen? Es scheint so, denn sonst säße man schon längst an einem Tisch: die privaten Grundeigentümer, die Gemeinden Tabarz und Brotterode, Landkreise und Tourismusverbände. Dass derartiges geplant sei ist nicht bekannt.

Auch im Ort Tabarz selbst hat die Schließungswelle zugeschlagen. Das ehemalige Hotel Germania wird derzeit zum Zwecke völlig anderer Nutzung restauriert und umgebaut. Der "Struwwelpeter" ist geschlossen, beim altehrwürdigen "Schweizerhaus" wartet man bereits seit langem, wie es nun weitergeht. Geplant hatten die neuen Besitzer eine erneute gastronomische Nutzung des beinahe historischen Gebäudes. Die Gerüchteküche, allerdings eine relativ sichere, brodelt gleichermaßen um den Besuchermagneten "Deysingslust". Auch hier stehen große Veränderungen an.

Nichts bleibt, wie es ist - ganz klar. Veränderungen sollten jedoch keinesfalls nur zu Lasten eines eh schon schwierigen Fremdenverkehrs gehen, von dem eine gesamte Region lebt oder stirbt. Der Große Inselsberg als Zugpferd müsste jedoch eigentlich alle interessieren. Eigentlich...
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1 Kommentar
Lokalredaktion Gotha aus Gotha | 27.04.2011 | 10:34  
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