"Kommunikation ist unserer stärkste Waffe", Wie junge Polizeianwärter sich am Bildungszentrum der Thüringer Polizei in Meiningen auf ihren Dienst vorbereiten

Polizeibeamtenanwärter Daniel Hasenauer und Nico Muderack erlernen am Polizeiausbildungszentrum in Meiningen auch den sicheren Umgang mit den modernen Streifenwagen.
 
In einem modernen Fahrtrainer, einem ausgemusterten Streifenwagen, üben die angehenden Polizisten Einsatzfahrten unter allen nur denkbaren Bedingungen.
  Eine zerbrochene Fensterscheibe. Im Innern des Raumes liegt ein Stein, daneben befindet sich ein Fußabdruck. Zwischen den vielen Glassplittern auf dem Boden deutet ein winziger Bluttropfen darauf hin, dass sich der Täter verletzt haben muss. So das Szenario am Tatort, als Daniel Hasenauer und Nico Muderack eintreffen. Beide sind Polizeimeisteranwärter und befinden sich in der Ausbildung am Bildungszentrum der Thüringer Polizei in Meiningen. Der Tatort ist perfekt inszeniert, die Situation so lebensnah wie möglich nachgestellt. „Die Polizeischüler sollen unter fast realistischen Bedingungen jeden einzelnen Handgriff erlernen, den sie später im Dienst beherrschen müssen“, sagt René Hildebrandt, Fachpraktiker im Bildungszentrum und Ausbilder in der Tatort-Welt. Dieser Teil im Bildungszentrum der Polizei wurde 2009 seiner Bestimmung übergeben. Für knapp 11 Millionen Euro entstanden hier mehrere Gebäude. Nachgestellt sind eine Bank, ein Supermarkt, eine Gaststätte, mehrere Wohnungen sowie ein Polizeirevier - alles originalgetreu eingerichtet und ausgestattet. Nahezu alle Situationen des täglichen Einsatzgeschehens können hier geübt werden. Die Räumlichkeiten sind so gebaut, dass sowohl die Ausbilder als auch die übrigen Anwärter, wie gerade Doreen Beringer und Christoph Schneider, die Situation genau beobachten und analysieren können, aber trotzdem nicht im Weg stehen. „Zumeist stellen wir hier Szenen nach, die den Beamten in ihrer täglichen Arbeit begegnen - beispielsweise Personenkontrollen, Überfälle oder Einbrüche“, so Ausbilder Hildebrandt.

Fast 150.000 Einbruchsdelikte musste die Polizei im Jahr 2013 in Deutschland verzeichnen, allein fast 1200 in Thüringen. Auch wenn die Zahl der Wohnungseinbrüche zuletzt um 11,3% gesunken ist, von 1183 im Jahr 2013 auf 979 im Vorjahr, so ist das doch eine der

Haupttätigkeiten der Polizeibeamten im Freistaat. Erfreulich ist aber auch die Aufklärungsquote von 63,9% aller Einbrüche, die sicher auch dank der guten Ausbildung der Beamten in Meiningen höher liegt als der Bundesdurchschnitt. Während Daniel Hasenauer den Tatort vermisst und nach Fingerabdrücken sucht nimmt Nico Muderack mit einem sterilen Wattestäbchen von dem Blutfleck eine Probe, die anschließend im Labor untersucht wird - und alles unter den kritischen Blicken von René Hildebrandt, der anschließend die Unterrichtseinheit auswertet, bevor es in dem enggestrickten Tagesablauf weiter geht.

Seit dem Jahr 2000 werden in der Friedenssiedlung in Meiningen Polizisten ausgebildet und können sich seit 2002 Polizeibeamte aus Thüringen, aber auch aus anderen Bundesländern, weiterbilden. Zu jedem 1. Oktober startet ein neuer Polizeiausbildungslehrgang, in dem rund 100 neue Polizeianwärter im mittleren Polizeivollzugsdienst ihre Ausbildung beginnen. Nach einem strengen Auswahlverfahren - man muss gesund und sportlich fit sein, einen guten Schulabschluss oder eine abgeschlossene Berufsausbildung ohne die Note 4 in Deutsch in der Tasche haben sowie in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen leben und polizeitauglich sein. Dann kann man als Deutscher oder EU-Staatsangehöriger Polizist werden, wenn man maximal 31 Jahre alt und wenigstens 1,63 m groß ist und natürlich die Einstellungsprüfung bestanden hat. „Schon mein Opa war bei der Polizei und mein großes Vorbild. So wie er will auch ich Menschen helfen“, sagt der 27-jährige, zweifache Familienvater Daniel Hasenauer, den sein großer Sinn für Gerechtigkeit veranlasst haben zur Polizei zu gehen genauso wie bei Nico Muderack, der gerade 19 Jahre alt ist und nach dem Abitur und seiner Zeit bei der Bundesswehr nach Meiningen kam. Ganz anders lief die berufliche Entwicklung bei Doreen Beringer. Der heute 30-Jährigen war ihr Job als Bürokauffrau zu langweilig. Sie sucht in der Arbeit bei der Polizei genauso eine neue berufliche Herausforderung wie Christoph Schneider, der aus der Wirtschaft kommt. Den 27-Jährigen reizt darüber hinaus der sichere Job und die Chance, sich seinen Kindheitstraum nun endlich zu erfüllen. Also ließ er seinen Beruf bei der Deutschen Bahn „fahren“ und trainiert und büffelt nun für sein großes Ziel - Polizist werden.

Dass das aber nicht im Selbstlauf geschieht, stellte Christoph Schneider schnell fest: „Die Ausbildung ist hart und das Lernpensum sehr hoch. Es macht trotzdem sehr viel Spaß und ich sehe heute die Krimis im Fernsehen, wie beispielsweise den `Tatort´, deutlich intensiver und bewusster.“

Untergliedert ist die Ausbildung in einen Grundkurs sowie mehrere Leitthemen, in denen die jungen Anwärter in 21 Monaten alles lernen müssen, was sie im späteren Dienst brauchen. Das restliche viertel Jahr ihrer zweijährigen Ausbildung lernen und arbeiten sie bereits in einer Polizeidienststelle an der Seite eines erfahrenen Beamten, als vollwertiges Mitglied eines Zweierteams. Nach der Umstellung vom reinen Frontalunterricht zur Modulausbildung ist es nun möglich, effektiver zu arbeiten und die künftigen Polizisten noch besser auf ihren Berufsalltag vorzubereiten, in dem übrigens zwischen 35 und 40% weiblich sind.

Neben den Grundlagen im Einzel- und Streifendienst werden die Anwärter in Verkehrsunfallaufnahme (Teil 1 und 2), Kriminalitätsbekämpfung (Teil 1 und 2), Streitigkeiten im sozialen Nahbereich sowie Verkehrsüberwachung fit gemacht. Jedes Leitthema ist dabei gleich aufgebaut und startet mit einem Warm up. Übungskomplexe mit Komplexübungen und Bewertungsübungen schließen sich an, ehe ein schriftlicher Leistungsnachweis und die Modulreflexion das Thema abschließen. Darüber hinaus gehören aber auch rechtliche Belange, wie Eingriffsrecht, Straf- und Ordnungswidrigkeitsrecht, Staat- und Verfassungsrecht, Verkehrsrecht, Öffentliches Dienstrecht sowie Besonderes Polizeirecht zur Ausbildung. Aber auch Dienst-und Einsatzlehre, Kriminalistik, Eingriffstechniken, das Training in der geschlossenen Einheit und ganz selbstverständlich das Nichtschießen/Schießen zu den Grundkenntnissen künftiger Polizisten. „Für unsere Beamten ist die Waffe das letzte Mittel. Bei uns ist die Kommunikation die stärkste Waffe“, sagt ein Ausbilder, der namentlich nicht genannt werden möchte. Er unterrichtet die Anwärter in Waffenkunde aber auch im praktischen Umgang mit der Dienstpistole, einer Heckler & Koch P10. Auch die Fahrausbildung fällt in sein Aufgabengebiet. Ein Fahrsimulator, eine Überschlagsimulator und natürlich „echte“ außer Dienst gestellte Streifenwagen sorgen für eine sichere Handhabung der Fahrzeuge unter Einsatzbedingungen im künftigen Dienst.

Daneben müssen die zukünftigen Polizeibeamten aber auch fit sein in Deutsch, Englisch, Psychologie, Berufsethik, im Seminar „Polizei und Gesellschaft“, sich aber auch in Erster Hilfe auskennen. „Bei so viel Lernstoff werden uns hier im Bildungszentrum die Abende garantiert nicht lang“, scherzt Doreen Beringer, deren „Freizeit“ mit Lernen und Sport gut ausgefüllt sind.

"Weil wir als Lehrer am Bildungszentrum auch selbst Polizisten sind und aus der Praxis kommen, kennen wir die Basis und können die künftigen Polizisten gut und ganz gezielt auf ihren Dienst vorbereiten. Vor Ort müssen sie schnelle und richtige Entscheidung treffen, Kompetenz zeigen und das alles unter Stress“, sagt Polizeikommissar Stephan Robisch und hebt hervor: „Denn wir kommen in einer Krise oder lösen diese auch oftmals selbst aus, beispielsweise bei Kontrollen oder Befragungen. Hier heißt es stets einen klaren Kopf zu behalten. Auch das lehren wir hier in Meiningen.“

Wer die Zeit am Bildungszentrum der Thüringer Polizei erfolgreich absolviert, seine Probezeit dann ohne größere Hürden beendet, der hat gute Chancen in den Reihen der Polizeibeamten seinen Dienst zu versehen und so seinen Beitrag für ein sicheres Thüringen zu leisten.
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