Manchmal können wir nicht – sind wir zu ungeduldig – verstehen wir sie nicht --- die Kinder

Kinder sind das Wichtigste, was wir haben. Wir wollen ihnen . . . Sie sollen . . . Gut, sie wollen sicher auch – aber wir gehen zu wenig auf sie ein.
Weshalb verstehen sich Großeltern (meist) besser mit den Enkeln, als die Eltern? Nicht nur, weil sie mehr Zeit für die Enkel haben. Das auch.
Aber am wesentlichsten ist wohl: Sie sind eher Partner „auf Augenhöhe“.

Ich möchte das mit drei Beispielen – aus meinem Büchlein „Mit Kinderaugen lächelnd betrachtet“ – etwas illustrieren:

>>> Schwierigkeit bei Verkehrserziehung
Damals war Paula noch klein und gerade bei uns zu Besuch. Sie und ich standen extra zeitig auf, um Frühstücksbrötchen und Tageszeitungen zu holen. Beim Überqueren der Straße wollte ich gleich verkehrserzieherisch auf sie einwirken. So hielt ich sie zurück und hockte mich neben sie. In Augenhöhe erklärte ich Paula, dass man erst nach links, dann nach rechts und vorsichtshalber nochmals nach links schauen sollte, um sicher zu sein, dass keine Fahrzeuge kommen oder ob diese noch weit weg sind. Wir übten dieses Gucken. Dann sagte sie richtig, dass nichts käme und wir über die Straße gehen könnten. Dabei sah sie mich fragend an, auf meine bestätigende Antwort wartend.
„Okay, dann los!“ hörte ich mich sagen und begann, mich zu erheben bei förmlich eingerosteten Knien. Von der Mitte der Straße hörte ich das Mädel mich rufen. Dann kam es zurück und fragte, warum ich nicht losgegangen wäre?

Fix überging ich diese Frage mit dem Hinweis, dass man nicht auf der Straße stehen bleiben solle oder gar zurückgeht. Zügig und ohne zu rennen überquere man eine Straße. Sie nickte nur kurz und fragte dann, ob wir nun weiter gehen würden. Beide standen wir jetzt am Straßenrand, schauten links-rechts-links, nickten uns zu und gingen auf die andere Straßenseite.

Die Situation war gerettet und die Erziehung kompletter, als ich es im Ansatz dachte.
Allein die Antwort auf ihre gestellte Frage umging ich damit geschickt: Ich kam einfach nicht so schnell aus der Hocke hoch!


>>> Der Trick mit einer Blume
Es war in Gothas Innenstadt. Eine Mutti mit ihrem wohl knapp dreijährigen Mädchen kam mir den Brühl hinunter entgegen. Sie mussten gerade in dem nahen Blumengeschäft gewesen sein, denn die Kleine trug einen großen in Papier gepackten Blumenstrauß so, dass sie über ihn hinweg kaum den Weg sehen konnte. Vergeblich bat die Mutti, ihr doch den Strauß zu geben.

Da kam mir ein problemlösender Gedanke! Schnell war ich bei der Blumenfrau und kaufte eine Gerbera, die ich auf 20 cm kürzen ließ, was der Blumenfrau sichtlich wehtat, weil dies doch eine so stolze und lange Blume war. Damit eilte ich zu den beiden, hockte mich vor das Mädel und fragte die Mutti, ob ich ihm die Blume schenken dürfe. Ihr „Ja” war von verständnislosen Augen begleitet.

Das Mädchen freute sich und nahm in ihre Rechte diese handfreundliche Gerbera. Als ich aber sagte, dass sie nun den großen Strauß am besten der Mutti geben könne, schüttelte die Kleine den Kopf. Beide gingen weiter. Etwas enttäuscht sah ich ihnen nach.

Allerdings nach wenigen Schritten blieben sie stehen. Das Kind gab der Mutti den Strauß, der doch allein in einer Hand bedrohlich hin und her wackelte. Dann sahen sich beide nach mir um. Wir lächelten alle drei! Das Mädchen winkte glücklich mit ihrer Blume, die sie fest in der einen Hand hielt, während ihre andere in der Hand der Mutti verschwand.

So hatte ich mein Ziel doch erreicht, denn der Strauß war bei der Mutti - außer Gefahr! Es war ein zeitlich kleiner Funke dieses Tages. Aber immer wieder werde ich an diesem Ort Gothas daran denken.


>>> Das ‚Luder’
Der große Sohn, war etwa 5 und hatte sich eine Hand verletzt. Abends musste diese jeweils mit einer Binde versorgt werden. Als ich mit dieser Prozedur dran war, setzte ich ihn (wie schon die letzten Tage) auf das Ablagegestell, welches über der Badewanne lag, und verband ihn ganz fachgerecht. Als ich das Ende unter die letzten Umdrehungen der Binde stecken wollte, meinte er, dass das nicht richtig sei. Die Mutti habe am Vortag etwas dran gemacht. Was? Na so ein ‚Luder’!

Das wippte mich fast vom Hocker – und ich fragte noch einmal verwundert und so, dass ich mich doch nicht veralbern lassen wolle: „Womit hat Mutti abgeschlossen???“ „Na mit einem ‚Luder’!!!“

Da er zu weinen begann, weil ich seinen Worten offensichtlich keinen Glauben schenkte, fragte ich Mutti. Sie wusste zuerst auch nicht recht, was damit gemeint sein konnte, und kam mit ins Bad. Ihr erklärte unser Sohn, dass sie die Binde am Vortag festmachen wollte, wobei ihr das ‚Luder’ in die Badewanne gefallen sei.

Nun lachten wir Eltern herzhaft, so dass Sohnemann schließlich auch mit lachte: Sie wollte das Ende der Binde mit einer Sicherheitsnadel befestigen, die ihr dabei aus der Hand glitt. Als sie diese dann in der Wanne fand, meinte sie: Ach da ist ja das Luder! Das nahm unser Sohn als ‚amtliche Bezeichnung’ einer Sicherheitsnadel.

Einerseits war diese Situation lustig und das Problem für alle fix aus der Welt geschaffen. Andererseits zeigte es einmal mehr, wie sehr man aufpassen sollte, was man im Beisein von Kindern sagt!
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