Mir ging es nie besser ...

  Georgenthal/Thüringer Wald: Georgenthal |

Voller Dankbarkeit blickt Rosemarie Klosch aus Georgenthal auf ihr Leben zurück:



GEORGENTHAL. Meckern oder sich beklagen ist nicht das Ding von Rosemarie Klosch. Die heute 83-Jährige blickt stattdessen voller Freude auf ihr Leben zurück und ist dankbar für die kleinen Dinge des Lebens, die für mich einfach Alltag sind. „Ich bin glücklich mit dem, was ich habe. Mir geht es jetzt richtig gut“, erzählt die rüstige Dame, die mir frisch frisiert, sehr gut angezogen und mit diesem Lächeln auf den Lippen gegenüber sitzt, dass ich bei vielen meiner Mitmenschen vermisse. „Ich habe meine eigene kleine Wohnung, eine eigene Toilette, es ist immer warm und sauber, die Schwestern kommen und sind nett und ich genieße einen herrlichen Ausblick, wenn es nicht so nebelig ist wie heute“, plaudert sie weiter und strahlt zu 100 % Zufriedenheit aus. „Jetzt im Alter habe ich es am allerbesten. Als junges Mädchen hatte ich eine schwere Zeit. Aber jetzt - keiner schimpft mit mir, keiner bevormundet mich, alle sind freundlich - bin ich sehr zufrieden.“ Nur mit dem Essen auf Rädern kann sie sich nicht recht anfreunden: „Das schmeckt mir nicht, ich koche lieber selbst.“ Als zu Beginn des Jahres der Leserbrief von Rosemarie Klosch auf meinen Schreibtisch flattert, schenke ich ihm wenig Beachtung - leider. Erst jetzt, zum Glück noch nicht zu spät, weckt er wieder mein Interesse. Zwei Fragen stacheln meine Neugier darin an: „Können Sie einen Beitrag einer 83-Jährigen gebrauchen?“ … und … „Können Sie noch Handgeschriebenes lesen?“ Schnell mache ich einen Termin und besuche sie mit gemischten Gefühlen in Georgenthal.


Hell wach, mit einer Tasse Tee und einem Buch in der Hand sitzt sie mir gegenüber und erzählt. 38 Jahre hat sie bei der Post in Ohrdruf gearbeitet und hat damals bereits für die Zeitung geschrieben. „Ich musste meinen fünf Geschwistern immer vorlesen und wollte selbst gern Geschichten schreiben“, sprudelt es aus ihr heraus. „Nach dem Krieg lief im Radio die Serie `Der gute alte Mond erzählt´. Hier waren Menschen aufgerufen, Geschichten zu schreiben und sie live auf dem Sender zu erzählen. Als Belohnung gab es 20 Mark. Ich habe mich beworben und sie haben mich nach Berlin eingeladen. Da habe ich mich aber gefühlt. Ich, die kleine Frau aus der Provinz.“ Geschrieben hat sie auch für die Postzeitung „Kontakt“. So lange sie denken kann, hat Rosemarie Klosch über Menschen geschrieben. „Ich habe immer geschrieben, was mich störte.“ Und sie schreibt heute noch: Als Mitglied in der Literaturwerkstadt Neudietendorf beispielsweise mit Monika Lösel. Auch ein Buch hat sie geschrieben: „Der kleine Thüringer“, erschienen 2000 im Rockstuhl Verlag. Selbst der „Lohwin“, der Kobold von der Lohmühle ist eine Erfindung von Rosemarie Klosch. „Natalia Schmidt hat ihn dort in der Lohmühle an die Wand gemalt. „Dazu sollte ja auch ein Kinderbuch erscheinen. Ich habe geschrieben und Natalia Schmidt gemalt. Leider ist es nie veröffentlicht worden“, bedauert die alte Dame, die mir auch stolz Püppchen, wie den Ottwin vom Ottersbach zeigt. Das alles hat sie gebastelt. Dabei hat sie bis heute keinen Computer. „Ich muss das Papier in der Hand spüren, und wenn etwas falsch ist, fange ich eben noch einmal von vorn an. Einer meiner Söhne wollte mir einen Rechner mitbringen, aber ich will das nicht.“ Dafür liest sie ganz viel. „Ich gehe immer um acht ins Bett und lese. Die anderen schauen Fernsehen und bekommen Falten, ich kann nicht nur einfach nur rumsitzen, ich muss immer etwas machen. Und wenn ich doch mal den Fernseher an habe, dann muss ich nebenbei etwas machen - Stricken, Handarbeit, Wollpüppchen. Die verschenke ich dann und erfreue mich daran, dass andere Menschen sich freuen.“


Im Jahr 2000 ist ihr Mann gestorben und Rosemarie Klosch suchte eine neue Herausforderung. „Ab und zu habe ich im Pfarramt geholfen mit dem Hintergrund, die alten Chroniken lesen zu können. Dort fand ich den Stoff für viele meiner Geschichten. Dann war ich oft in der Forschungsbibliothek. Aus dem Buch „Georgenthal - Mönche, Menschen und Geschichten“ habe ich vorgelesen, es ist in der alten Sütterlinschrift verfasst, und Alexandra Riebken hat es aufgeschrieben.


Nach ihren Wünschen befragt kommt Frau Klosch schnell auf den Punkt: „Ich will keine teuren Reisen machen und auch mein Schrank ist voll. Gern hätte ich noch das Buch `Schwarzes Eis´ von Sergej Lochthofen gelesen. Auch Bücher über Thüringen, über Radegunde und anderes Geschichtliche über unserer Region. Die interessieren mich schon. Sonst bin ich glücklich und habe alles“, sagt sie und ist fast ein bisschen traurig, als ich mich nach fast zwei Stunden wieder auf den Weg in die Redaktion mache.


Selten hat ein Termin bei mir so tiefe Spuren hinterlassen. Und mal sehen, was man in Sachen des Buches machen kann, zumal der Autor am 8. Februar zu einer Lesung nach Gotha kommt …
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