Mitgehangen, mitgefangen

  Gotha: Herzog Ernst Schule | Laut einer Studie der DAK-Gesundheit steigt die Zahl der jugendlichen Komasäufer im Landkreis Gotha stark an|||

Die Zahlen sind erschreckend. Nach einer aktuellen Studie der Krankenkasse DAK-Gesundheit mussten im Jahr 2010 insgesamt 33 Jugendliche im Landkreis Gotha mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus. Laut offizieller Landesstatistik stieg diese Zahl in sieben Jahren um 135 Prozent.

Heiko Burkhardt, Leiter des Servicecentrums der DAK-Gesundheit Gotha, Eisenach und Bad ­Langensalza versucht, das Problem zu analysieren: „Über die wahren Gründe kann man nur spekulieren. Sicher ist es eine Mischung aus Vielem. Beispielsweise spielt bei einigen Jugendlichen eine gewisse Perspektivlosigkeit eine Rolle. Dazu kommen eine sinkende Hemmschwelle und mangelnde Anerkennung.“ Nicht außer Acht lassen sollte man aber auch den steigenden Leistungsdruck in der Schule, sagt Burckhardt.

„Jugendliche versuchen, auszubrechen, sich ihren Ausgleich bei Partys zu holen. Dazu kommt eine fehlende altersgerechte Betreuung.“ Einen weiteren Grund findet Burkhardt durchaus in den sozialen Netzwerken. „Hier ist jeder des anderen Freund. Die User übertreffen sich gegenseitig mit Superlativen – jeder will so cool wie nur möglich sein. Mit unserer Aktion »bunt statt blau« wollen wir den Jugendlichen zeigen, dass es auch anders geht. Hier sind die Jugendlichen selbst gefordert.“

In der Staatlichen Kooperativen Gesamtschule Herzog Ernst in Gotha ist gegenwärtig dazu eine Ausstellung zu sehen. „Viele unserer Schüler beteiligen sich mit verschiedenen Projekten an der ­Aktion“, sagt Direktorin ­Marion Kruspe. Christine Sander, Lehrerin der Klasse 8e, ergänzt: „Wir haben genau dieses Thema im Unterricht behandelt und waren uns einig: Hier machen wir mit!“

Und das sagen die Schüler:
Eileen: Ich finde die Aktion gut. Alle Jugendlichen sollten sich daran beteiligen. Denn es ist besser, Spaß mit Freunden zu haben, als im Alkohol zu versinken.
Isabell: Eine meiner Freundinnen hat sich zu einer Fete so sehr volllaufen lassen, dass sie mit dem Kopf in den Sand fiel und immer wieder sagte, sie sei ein Strauß. In dem Moment fanden wir das alle witzig. Aber hinterher haben wir uns für sie geschämt.
Mara: Bei mir war es ein Kumpel, der sich besoffen mit einem Baum angelegt hat. Denn der stand ihm im Weg und wollte dort einfach nicht weggehen. Diese Situation war sehr lustig. Am nächsten Tag hat er sich deshalb sehr geschämt, und wir uns für ihn auch.
Isabell: Auf unserem Plakat zeigen wir wie James Rizzi mit viel Farbe das Leben – bunt und schön.
Mara: Im unteren Teil sieht man, was passiert, wenn man abrutscht. Schiefe Gesichter, grau und fade.
Eileen: Eine Wellenlinie trennt die zwei Welten. Sie bezeichnet den Weg eines Betrunkenen.
Mara: Auch unsere Häuser zeigen Gesicht und freuen sich über das bunte Leben mit Graffiti. Das Leben ist bunt mit viel Lebensfreude.
Pascal: Ich wünsche mir, dass sich möglichst viele am bunten Leben ein Beispiel nehmen. Es geht auch ohne Alkohol.
Theressa: Entscheidend ist weder sich noch seinen Freunden etwas zu beweisen und sich zum Affen zu machen. Es ist einfach nur peinlich, wenn der Kontrollverlust einsetzt.
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