Nur eine Frage: Warum tragen Richter und Anwälte vor Gericht schwarze Roben?

Peter Frese weiß, weshalb Richter und Rechtsanwälte vor Gericht schwarze Roben tragen, und woran man sie unterscheidet.
Gotha: ... | Die Frage beantwortet Peter Frese, Präsident des Sozialgerichts Gotha.

Weil es schon immer so war und sie es seit einem Erlass der Königs Friedrich Wilhelm I. von Preußen aus dem Jahr 1726 bis heute noch müssen.
Jedenfalls bestimmt es der Thüringer Landesgesetzgeber so, indem er den Berufsrichtern, Staatsanwälten und Rechtsanwälten, aber auch den Urkundsbeamten des Freistaats das Tragen dieser schwarzen Amtstracht in den zur Verhandlung oder zur Verkündung einer Entscheidung bestimmten Sitzungen der Gerichte auferlegt. Während sich Richter und Staatsanwälte nach einer bis zum 19. August 2015 gültigen Verwaltungsvorschrift des Thüringer Justizministeriums mit einem Besatz aus Samt zeigen mussten, reichte bei den Rechtsanwälten ein Besatz aus Seide. Die Urkundsbeamten hatten sich mit einem profanem Besatz aus Wolle zu bescheiden.

Jede Regel hat Ausnahmen, so auch hier: Rechtsanwälten ist es gestattet, beim Amtsgericht in Zivilsachen ohne Robe zu erscheinen. Genauso dürfen Gewerkschafts- und Verbandsvertreter vor den Arbeits- und Sozialgerichten auftreten. Sie sind ja keine Organe der Rechtspflege, wie zum Beispiel Rechtsanwälte. Das verhandelnde oder verkündende Gericht darf im Einzelfall sich und die vorgenannten Akteure von der Robenpflicht befreien. Man stelle sich langwierige Verhandlungen in modernen Justiz(glas)palästen unter hochsommerlichem Temperaturen vor.
Die Robe ist kein alter Zopf, denn sie hat Vorzüge. Ihre Träger erkennt man sofort als Akteure des Gerichtsverfahrens. Die Amtstracht des Richters und Staatsanwalts versichert dem Bürger die Ernsthaftigkeit seines vor Gericht vertretenen Anliegens und des Respektes ihm gegenüber. Ebenso zeigt die des Richters ähnliche Robe die herausgehobene Stellung des Rechtsanwaltes im Gerichtsverfahren. Die Amtstracht dient der Wahrung einer durch gegenseitigen Respekt der Beteiligten und Objektivität des Gerichtes geprägten Atmosphäre. Sie hat also immer noch eine Funktion in der Gerichtsordnung.
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3 Kommentare
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Karin Jordanland aus Artern | 31.12.2015 | 10:28  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 31.12.2015 | 10:35  
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Petra Wolf aus Gotha | 01.01.2016 | 12:00  
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