Quatsch: Der Ernst des Lebens beginnt mit der Schuleinführung

"Herzlich Willkommen in Klasse 1" - Dieses Bärenschild ist auf der Tür zum Klassenzimmer
 
Zuckertüten an den Fenstern zeigen allen Vorübergehenden das große Ereignis der Schuleinführung an!
[bezogen auf den 21.08.2011 – „mein Sonntag“]
Das klingt ja fast wie eine Drohung, stellt einen erhobenen Zeigefinger dar und kann ein Kind, welches vielleicht gemischte Gefühle hat, weil es unsicher ist hinsichtlich eigener Fähigkeiten, total verunsichern oder gar einschüchtern. Ist etwa vergleichbar mit der in meinen Augen Drohung „Wart’ nur! Wenn ich das dem Vati erzähle!!!“

Nein, der erste Schultag, das Kennen lernen dessen, wo man viel lernen und neue Freunde finden kann – das ist etwas, auf das man sich freuen darf und sollte!
Heute ist es zwar nicht mehr so, wie zu meiner Schulzeit vor über 50 Jahren. Ob das heute besser ist oder früher, möchte ich hier nicht gegeneinander stellen.

Ich komme auf den ersten Schultag von einer ganz ungewohnten Seite:
Gestern fuhren Heide und ich die beiden sehbehinderten Schwestern nach Chemnitz zu dem großen Fest der Einschulung des Enkelkindes einer der beiden Schwestern.
Es ist nicht einfach, zu verstehen und richtig einzuschätzen, was Sehbehinderte sehen können und was nicht. Es ist für mich immer aufs Neue ein Herantasten und Erkennen von Grenzen, deren ich mir als „normal Sehender“ gar nicht bewusst bin.
Dennoch erklärte ich gerne, was mit der Gegend zu tun hatte, durch die wir gerade fuhren, plauderten wir auch so über Gott und die Welt und fühlten auf diese Art und Weise gar nicht die Fahrzeit, waren wir alle ganz erstaunt, schon durch Chemnitz zu fahren und dem Ziel greifbar nahe zu kommen.

Als wir angekommen und ausgestiegen waren, fragte Heide, ob die Schwestern denn schon mal hier gewesen wären – nein, das erste Mal.
Da war ich schon etwas ergriffen, was diese Sehbehinderten Schwestern auf sich nehmen, um mit und in der Familie die Schuleinführung zu feiern. Allein daran konnte man die Bedeutung dieses freudigen Ereignisses deutlich erkennen.
Als die Familienzusammenführung abgeschlossen war, meinte Heide, dass ihr gesagt wurde, dass die Schule hier gleich nebenan in der Tschaikowskistraße sei. Das wollten wir uns freilich anschauen – einerseits des eigenen Interesses wegen und andererseits, um für die beiden Schwestern ein paar Fotos zu machen, die wir ihnen dann auf DIN-A4 ausdrucken und schenken werden.

Und wie sehr ging uns das Herz auf, als wir die Schule, die bereits Zuckertüten bringenden Eltern, die Zuckertüten an den Fenstern und schließlich schon beim Betreten der Schule („Evangelisches Schulzentrum Chemnitz / Grundschulteil“) das herzliche Willkommen sahen.

Nun wollte ich freilich den Klassenraum fotografieren, durfte das und war begeistert, mit welcher Liebe, Umsicht, welchem Einfühlungsvermögen und sichtbarer eigener Vorfreude, die Lehrer und „guten Geister“ alles vorbereitet hatten.

Auf jedem Platz lag ein Informationsblatt, dem in netter Form zu entnehmen war, welcher Lehrer die ABC-Schützen was unterrichten wird. Auf einigen Plätzen standen schon die Namenskärtchen. Wandtafel, Fenster, der ganze Raum – alles war ein einzig fröhliches Willkommenheißen der neugierigen wie wohl auch etwas skeptischen kleinen Knirpse, die am heutigen Samstag den ersten Fuß in diesen neuen und gewaltigen Lebensabschnitt setzen.

Die Schule hat wahrlich alles getan, um diesen Beginn zu einem bleibend schönen Erlebnis werden zu lassen. Wenn man dazu in die strahlenden Gesichter der Klassenlehrerin und ihres Stellvertreters sah, konnte man wahrhaftig der abwertenden Beschreibung „Ernst des Lebens“ nur ein müdes Lächeln abringen.
Hier bzw. dort, in dieser Schule, wird den Schülern die Tür in eine neue herrliche bunte wie hochinteressante Zukunft aufgestoßen.

Morgen, wenn wir die beiden Schwestern wieder nach Gotha holen, werden wir noch Aufnahmen vom Schulkind und seiner Zuckertüte sowie den Geschenken machen und wohl auf der Heimfahrt dieses erlebte Ereignis geschildert bekommen.

Und dann, selbst daheim, werde ich mich wieder einmal mehr glücklich schätzen, sehen zu können - - - - - und etwas Gutes wie Selbstverständliches dafür dankend gegeben zu haben.
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Mariett Demirelli aus Erfurt | 29.08.2011 | 10:53  
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