Schloss im Dornröschenschlaf

  Friedrichswerth: Schloss Friedrichswerth | Engagierte Menschen und neue Ideen sollen helfen, das Lustschloss in Friedrichswerth dauerhaft zu erhalten:


FRIEDRICHSWERTH. „Es könnte alles so schön sein, wäre das nicht die böse Stiefmutter …“ Sie glauben, so beginnen nur Märchen? Auch die bislang unendliche Geschichte um das Lustschloss in Friedrichswerth könnte man so in etwa interpretieren. Viele Prinzen ritten mit ihrem Schimmel bereits über die Brücke, die den leider trocken liegenden Schlossgraben überspannt. Einer kam sogar mit einem schweren Fahrzeug. Er hinterließ große Schäden an der Brücke. Viele seiner Vorgänger hinterließen allerdings nur haltlose Konzepte, viel heiße Luft und leere Versprechungen. Das Dornröschen wachküssen, vermochte aber bislang niemand. Wieder klopft ein Prinz an die Pforte. Im Gepäck hat er ein schlüssiges Konzept und ganz viele gute Ideen. Nur leider auch kein Geld. Zumindest keins, das er sofort aus eigener Tasche investieren könnte. Stattdessen hat Heinz-Jürgen Gillessen, so der Name des neuen Prinzen, angeregt, eine Stiftung zu gründen, die die Finanzierung und den Erhalt des historischen Schlosses mit seinen großzügigen Außenanlagen sichern könnte. „Wir haben der Landesregierung, in persona Frau Lieberknecht, unser Konzept vorgelegt. Beigelegt haben wir sogar eine komplett ausgearbeitete Stiftungssatzung. Das war im Mai 2011. Seit dem warten wir auf Konkretes“, klagt Gillessen, der gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Martina Klein intensiv für den Erhalt der wertvollen Anlage kämpft. Seit eben diesem Mai 2011 wird die Gründung einer Stiftung ergebnisoffen geprüft.

Die Zeit drängt. Noch schläft das Dornröschen zwar relativ trocken und warm. Denn für mehr als 600 000 Euro wurde das Dach saniert. Auch die Heizung läuft und lässt das Wasser im Haus wenigstens nicht einfrieren. „Das hier allein an Heizkosten ein fünfstelliger Betrag im Monat leicht zusammenkommen kann, wissen wir“, sagt Gillessen, der alles andere als ein Träumer ist. „Ich bin Visionär und kann mir vorstellen im Haus das erste Ansichtskartenmuseum der Welt zu eröffnen. Viele weitere Ausstellungen könnte allein ich aus Eigenbeständen bestreiten. Kinoapparate, Fotoapparate, Landkarten, Prospekte, historische Rechnungen und Spiele, Rundfunk- und Fernsehgeräte oder Briefmarken.“ Dabei hat Heinz-Jürgen Gillessen auch schon Menschen auf seiner Seite, wie Prof. Dr. Olaf Werner vom Abbe-Institut für Stiftungswesen an der Friedrich-Schiller-Universität Jena oder den Schauspieler Peter Sodann.


Eigentümer des Anwesens ist das Thüringer Liegenschaftsmanagement, ein Landesbetrieb, der dem Thüringer Finanzministerium untersteht. Beide haben jetzt das Schloss noch einmal zum Verkauf ausgeschrieben. Am 10. November endete die Angebotsfrist. „Natürlich haben auch wir fristgerecht ein Angebot abgegeben“, sagt Gillessen, der noch immer hofft, die böse Stiefmutter, ähm das Land Thüringen, von seinem Konzept zu überzeugen und mit dem edlen Ross in Form einer gegründeten Stiftung das Dornröschen endlich und dauerhaft wachzuküssen.


HINWEIS: Schloss Friedrichswerth: - Bauherr: Friedrich I. Herzog zu Sachsen, Gotha und Altenburg - Bauzeit: 1677-1689 - Baumeister: Jeremias Trügleb und Paul Kürhold - Nutzung: 1689-1756: Lust- und Residenzschloss; 1839-1924: Sitz eiones Gerichtsamtes, später Amtsgericht Wangenheim zu Friedrichswerth; 1947-1999: Bildungs- und Erziehungseinrichtung, sowie Jugendwerkhof
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Constanze Fuchs aus Gotha | 18.11.2012 | 20:12  
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