„Schülerhilfe-Lehrer“ für Mathematik – schlicht werbende Darstellung

Freilich werde ich nicht über andere schreiben sondern mich. Das ist schon schlimm genug. Nicht, weil ich mir das nicht zutrauen würde, sondern weil es schon bedrückend ist, wie viele Schüler in der Schule zu „Nachhilfeschülern ausgebildet“ werden.

Vor über 20 Jahren schloss ich mein Mathestudium ab. Wissend, dass ich etwa 80% seitdem vergessen habe – dafür aber von den erlernten Methoden, Lösungsansätzen und Anwendungen in den verschiedensten Lebensbereichen noch heute profitiere, kam ich vor Monaten zur „Schülerhilfe Gotha“.

Die ersten 14 Tage waren schrecklich für mich.
Zwar wussten die Schüler vieles nicht und fragten mich um Erklärungen und Übungsaufgaben, doch auch ich hatte Defizite hinsichtlich von Formeln und speziellen Lösungswegen, hörte und schluckte, versuchte mich etwas kleinlaut aus der Affäre zu ziehen.
„Du hast doch ein Tafelwerk. Wo findest Du denn den Sinussatz? Lies mal vor, zeichne ein Dreieck und beschreibe, wie dieser Satz anzuwenden ist.“ – Bei dieser Gelegenheit sah ich wieder, was ich mal wusste und kam ziemlich schnell auf einen helfen könnenden Stand.
So bedeuteten die ersten 14 Tage für mich: Daheim Mathe. nachlesen und wieder lernen!

Dann fing es an, immer mehr Spaß zu machen. Die Freude, Schülern helfen zu können konkret und in der Art, wie man Texte in „Mathematik“ übersetzt, wuchs immer mehr an.

Plötzlich aber fühlte ich eine mentale Ermüdung. Immer und immer wieder das Gleiche „vorzubeten“, immer wieder auf Schüler zu treffen, die ich erst neu hatte oder die auch nach dem 5-ten Mal keine Anzeichen machten, etwas verstanden zu haben, ließ mich resignieren.

Diese Zwischenphase war nach etwa 3 Wochen aber auch überstanden.

Jetzt bin ich wohl auf der richtigen Schiene eines „Schülerhilfe-Lehrers“, weil es eine pure Freude ist, herauszufinden, wie man es diesem oder jenem Schüler sagen muss, dass er versteht, in sich aufnimmt und schließlich anwenden kann, was ich im vermitteln möchte. Das ist spannend.

Ich erkläre zum Beispiel, wie man die Nullstellen einer quadratischen Gleichung bestimmt und worauf man dabei achten muss. Der eine Schüler quittiert das mit „VERSTANDEN!“, während der andere ein Gesicht zieht, welches das Unverständnis deutlich zeigt. Deshalb erkläre ich es ihm etwas anders, passe auf sein Gesicht auf und höre schließlich von ihm, dass er es jetzt auch verstanden habe. Der erste Schüler ergänzt: „Jetzt habe ich es auch richtig verstanden!“
Bei den nächsten beiden Übungsaufgaben tun sich beide noch schwer. Haben sie das Gehörte aber erst einmal selbst umgesetzt, flutscht es bei der dritten Aufgabe – und ich bin glücklich, habe mein Ziel erreicht.


Es macht wahrhaft glücklich, Schülern zu helfen, das eigene Wissen weiterzugeben und eine "fröhliche Sicht" auf Mathematik zu vermitteln!
Ihnen zu zeigen, wie man mit (wenig) Grundkenntnissen und ein paar „Kniffen“ schnell zum Ergebnis kommt, lässt dann sogar (stellenweise) Freude an Mathematik aufkommen.
( Es kommt auch noch heute vor, dass ich etwas nicht weiß, nachlesen muss. Dann sage ich das – und es wird zwar mitunter belächelt aber akzeptiert. Das darauf folgende Mal bin ich fit.)

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Ein Beispiel: Die Schüler sollen mit Dezimalbrüchen rechnen:
1) Schule: 0,3 * 0,04 * 2,12 = 3/10 * 4/100 * 212/100 … Hauptnenner suchen usw.

2) Mein Hinweis:
2.1) ### Nicht auf die Kommastellen achten sondern mit den reinen Zahlen rechnen
0,3 * 0,04 * 2,12 ---> 3 * 4 * 212
---------------------
0,0001 * 0,03 * 2 ---> 1 * 3 * 2
Daraus ergibt sich: (3 * 4 * 212) / (1 * 3 * 2) = 424 (= 424,0)

2.2) ### Nun die Kommastellen im Zähler zählen (5), dann die im Nenner (6) und
Zähleranzahl minus Nenneranzahl bilden = 5 – 6 = -1

2.3) ### Das Komma des Rechenergebnisses bei + um soviel Stellen nach links und bei – um soviel Stellen nach rechts verschieben, so hat man das Ergebnis

2.4) ### 4240 (= 4240,0)

2.5) ### Man spart bei der Berechnung die Fehlerquelle der Kommastellenbeachtung und das Zählen ist einfach

Ein Schüler meinte, dass dies alles mit Taschenrechner nicht nötig sei!
Ich gab ihm eine Aufgabe mit zahlreichen Kommastellen. Er brauchte fürs Eintasten schon mehr Zeit als ich und hatte dann auch ein falsches Ergebnis – nicht in der Ziffernfolge aber der Kommastellung.

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