Sollen Pferdekutschen verboten werden?

Nach schwerem Pferdekutschenunfall im Landkreis Gotha – PETA fordert Pferdekutschenverbot von Landrat Gießmann:

Gotha / Gerlingen, 8. Juli 2013 – Nach einem schweren Pferdekutschenunfall zwischen Waltershausen und Langenhain, bei dem am gestrigen Sonntagmittag ein 54-Jähriger ums Leben kam und drei weitere Männer teilweise schwer verletzt wurden, hat sich die Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. nun an Landrat Konrad Gießmann mit der Forderung nach einem Verbot von Pferdekutschen im Kreis gewandt – zum Schutz von Mensch und Tier. Medienberichten zufolge kam das mit den vier Personen besetzte Gespann in einer Linkskurve vom Weg ab und stürzte in einen Straßengraben. Alle Insassen wurden aus der Kutsche geschleudert.
PETA warnt angesichts eines neuen Unfall-Rekords in 2012 eindringlich vor Fahrten mit Pferdekutschen: Bei mindestens 36 Vorfällen wurden insgesamt zwei Menschen und sechs Pferde getötet, 103 Fahrgäste zum Teil schwer verletzt.

„Die Risiken bei Kutschfahrten sind unkontrollierbar, deshalb setzen wir uns für ein Verbot von Pferdekutschen als Beförderungsmittel ein“, so Diplom-Zoologe Peter Höffken, Kampagnenleiter bei PETA. „Pferde sind Fluchttiere. Sie erschrecken daher sehr leicht und dies führt oft zu Unfällen. Sicherheitsvorrichtungen wie Gurte oder Airbags gibt es nicht. Pferden, die Kutschen ziehen, wird zudem jede natürliche Lebensweise abgesprochen. Die einzige Lösung zum Schutz von Mensch und Tier ist daher ein Verbot von Kutschfahrten.“

In Rothenburg ob der Tauber wurde bereits im August 2010 das Pferdekutschenverbot vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof bestätigt. In Münster gibt es als Alternative zu Pferdekutschen pferdelose Kutschfahrten mit dem elektrisch betriebenen „Prinzipal-Express“.

PETA hat die Pferdekutschenunfälle aus den vergangenen drei Jahren in einer chronologischen Übersicht zusammengetragen.


Pferdekutschenunfälle fordern immer wieder Opfer bei Mensch und Tier / © 112-magazin.de
Weitere Informationen:
PETA.de/Pferdekutschen
PETA.de/Pferdekutschenunfaelle

Und das hat das Landratsamt geantwortet:

"Es gibt keine Rechtsgrundlage für ein generelles Verbot zum Betrieb von Pferdekutschen im Landkreis Gotha. Diese Forderung von PETA ist damit lediglich Effekthascherei auf Kosten der Leidtragenden des Unglücks auf dem Feldweg zwischen Langenhain und Waltershausen.

Generell gilt: Zum Führen von Pferdekutschen ist weder eine Genehmigung nach Personenbeförderungsgesetz erforderlich, noch benötigt der Fuhrmann eine Fahrerlaubnis nach Fahrerlaubnisverordnung oder das Gespann eine Zulassung nach der Fahrzeugzulassungsverordnung. Entsprechend ist es jedermann/jederfrau grundsätzlich gestattet, eine Pferdekutsche zu führen. Sie tun dies in jedem Fall auf eigene Verantwortung. Im eigenen Interesse belegen Fuhrleute i.d.R. beim Bundesverband für Pferdesport und Pferdezucht entsprechende Kurse, vor allem der Haftungsfrage wegen.

Das Beispiel Rothenburg/Tauber ist anders gelagert und kann nicht als Vergleich dienen: Für die dortige Altstadt besteht ein allgemeines Verkehrsverbot, das grundsätzlich auch Fuhrwerke mit einschließt.
Fiaker hatten bislang städtischerseits ausgestellte Ausnahmegenehmigungen, wie sie bspw. auch Gewerbetreibende erhalten, die mit Autos ihre Geschäfte in der Touristenmeile beliefern müssen. Diese Ausnahmegenehmigungen für Fuhrwerke wurden unlängst nach einem Stadtratsbeschluss aber wieder aufgehoben. Das heißt im Klartext: Nicht die Fiaker sind per se verboten, wie es der Vergleich nahelegt, sondern sämtliche Fahrzeuge ohne entsprechende Ausnahmegenehmigung."

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5 Kommentare
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Antje Hellmann aus Jena | 10.07.2013 | 06:44  
Uwe-Jens Igel aus Gotha | 10.07.2013 | 09:31  
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Antje Hellmann aus Jena | 10.07.2013 | 12:31  
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Carla Meyer aus Jena | 10.07.2013 | 13:45  
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Antje Hellmann aus Jena | 10.07.2013 | 14:33  
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