Umfrage: Darum machen wir ein Freiwilliges Soziales Jahr

Diese Mädchen können das Freiwillige Soziale Jahr nur weiterempfehlen (von links): Lena Krahner, Lena Pohl, Anna Unbehaun, Sara-Sophia Eidner, Felicitas La Rosée und Lisa-Maria Göbel.
 
Lena Krahner (18), Universitätsfrauenklinik Jena: "Die Arbeit macht mir viel Spaß."
 
Lena Pohl (17), Gastroenterologie/Infektiologie am Universitätsklinik Jena: "Meine Chancen auf eine Ausbildungsstelle sind gewachsen."
Tambach-Dietharz: Jugendherberge |

Nach der Schule keine Ausbildung oder kein Studium, sondern ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). So entscheiden sich in Deutschland jährlich bis zu 35.000 junge Menschen und unterstützen für ein Taschengeld die Fachkräfte in Krankenhäusern, Kitas oder Pflegeheimen. Doch warum? Der Allgemeine Anzeiger hat bei einem FSJ-Seminar des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Tambach-Dietharz nachgefragt.

Die Arbeit macht mir viel Spaß.

Lena Krahner (18), Universitätsfrauenklinik Jena
Ich hatte anfangs überlegt, ein Freiwilliges Ökologisches Jahr zu machen. Aber ich arbeite sehr gerne mit Menschen. Meine Zwillingsschwester ist dann für ein FÖJ in ein Tierheim gegangen und ich für ein FSJ an die Universitätsfrauenklinik. Ich wusste anfangs nicht, ob die Krankenpflege etwas für mich ist. Aber die Arbeit macht mir viel Spaß. Ich wasche Patienten, reiche Essen an, messe den Blutdruck und helfe bei Untersuchungen. Jetzt bin ich mir sicher: Nach dem FSJ starte ich eine Ausbildung als Kinderkrankenpflegerin.

Meine Chancen auf eine Ausbildungsstelle sind gewachsen.

Lena Pohl (17), Gastroenterologie/Infektiologie am Universitätsklinik Jena
Ich habe das FSJ gemacht, um zu sehen, ob die Arbeit im Krankenhaus etwas für mich ist und ob ich körperlich und psychisch überhaupt damit zurechtkomme, jeden Tag kranke Menschen zu sehen. Als ich mit 16 von der Schule kam, wollte ich nicht gleich eine Ausbildung starten, um sie dann eventuell abzubrechen. Das FSJ ist eine ganz gute Möglichkeit: Ich bekomme viel zu sehen und es hat mich in meiner Berufswahl bestärkt. Ich weiß jetzt zu 100 Prozent, dass ich Krankenpflegerin werden möchte. Ich bin froh, in einer großen Klinik arbeiten zu können. Durch das FSJ sind auch meine Chancen größer, hier auch als Auszubildende genommen zu werden.

Jetzt kenne ich meine Stärken.

Anna Unbehaun (20), DRK-Kindergarten in Unterweißbach
Ich arbeite in einer gemischten Gruppe mit Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahren, helfe aber auch in der Küche oder in der Krippe aus. Somit bekomme ich einen breit gefächerten Einblick. Ich habe das FSJ gemacht, um meine Kompetenzen zu steigern, also Teamfähigkeit, Selbstbewusstsein, Durchsetzungsvermögen, auch Durchhaltevermögen. Ich finde, dass man all diese Eigenschaften für einen sozialen Beruf braucht. Nach der Schule war ich sehr verunsichert, wo meine Stärken liegen. Durch die Praxiserfahrungen im FSJ habe ich herausgefunden, was ich kann und woran ich noch arbeiten sollte. Mit vielen Kindern im Zimmer, dazu die Lautstärke - das war am Anfang schon ein bisschen hart. Aber ich habe gemerkt, dass ich mich nur so entwickele. Ich bin viel selbstbewusster geworden.

Ich bin viel besser organisiert.

Sara-Sophia Eidner (22), Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Jena
Ich habe mein FSJ gemacht, weil ich Psychologie studieren wollte, besonders Rehabilitationspsychologie. Ich wollte herausfinden, ob ich mit labilen Kindern umgehen kann. Nach dem FSJ weiß ich, dass ich diesen Beruf unbedingt machen will. Für die Gespräche mit den Kindern benötige ich viel Empathie. Ich leite ab und zu die Kochgruppe oder begleite die Musiktherapie. Praktisch ist, dass das FSJ als zusätzliches Wartesemester fürs Studium angerechnet wird. Manchmal fühlt es sich komisch an, denn ich bin jetzt 22 und andere in meinem Alter machen gerade ihren Bachelor. Da denke ich manchmal schon, was ich falsch gemacht habe. Doch viele meiner Freundinnen klagen auch, dass ihnen im Studium alles zu viel wird und ihnen die Zeit fehlt. Durch das FSJ habe ich Zeitmanagement gelernt und bekomme seitdem alles besser organisiert. Das wird mir beim Studieren helfen.

Ich wollte etwas für die Gesellschaft leisten.

Felicitas La Rosée (18), im Zentral-OP am Universitätsklinikum Jena
Nach der Schule wollte ich viele praktische Erfahrungen sammeln. Es stärkt die eigene Persönlichkeit, wenn man sich öffnet, aus dem gewohnten Umfeld raus muss und mit vielen Leuten in Kontakt kommt. Ich wollte ein sinnvolles Jahr verbringen und etwas für die Gesellschaft leisten. Ich möchte Medizin studieren. Das FSJ hat mich in dieser Entscheidung bestärkt. Besonders gut gefällt mir, dass ich viel zuschauen und mitmachen darf. Ich bin mittendrin und wurde gut vom Team aufgenommen.

Ich bin jetzt viel selbstbewusster.

Lisa-Maria Göbel (19), FSJ in der Intensivstation am Universitätsklinikum Jena
Ich war während der Schulzeit und schon mein ganzes Leben lang immer sehr schüchtern. Mein Umfeld hat deshalb sehr an mir gezweifelt, ob das FSJ das Richtige für mich ist. Doch ich wollte es mir und den anderen beweisen, dass ich es packe. Ich wollte Erfahrungen sammeln und lernen, in verschiedenen Situationen schnell zu handeln. Vor allem wollte ich schauen, wie ich mit diesen Situationen umgehe und dabei meinen Charakter stärken. Das Jahr hat mir geholfen, meine Schüchternheit etwas abzulegen. Mittlerweile informieren sich meine Freunde sehr oft, wie mein FSJ läuft und sind begeistert, wie viel ich bei der Arbeit machen kann.

Hintergrund

- Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) existiert schon seit 1954 und hat seine Wurzeln im Engagement der Kirche.

- Es richtet sich an junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren, die freiwillig ihren Dienst an der Gesellschaft leisten möchten. In Thüringen sind die verschiedenen Einsatzbereiche im Sozialen, im Sport, in der Denkmalpflege, in der Kultur, Politik oder im Naturschutz als Thüringen-Jahr zusammengefasst. Infos: www.thueringen.de/th2/thueringenjahr

- Während des FSJs erhalten die Freiwilligen Taschengeld, manchmal auch Unterkunft oder Verpflegung. Neben der praktischen Arbeit werden sie in Seminaren geschult.

- Das Deutsche Rote Kreuz in Thüringen bietet ab sofort freie FSJ-Stellen im Freistaat an. Die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten reicht von Kindertagesstätten über Schulen und Dialysezentrum, Förderzentren, Kinder- und Jugendwohngruppen bis hin zu Blutspendediensten, Pflegeheimen, Reha-Kliniken und Krankenhäusern. Kontakt: Telefon 03 61 / 3 44 01 93, freiwilligendienste@ lv-thueringen.drk.de, Infos: www.lv-thueringen.drk.de oder www.facebook.com/Freiwilligendienste.Thueringen
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige
Anzeige