Weil es sooo viele Nikoläuse und Weihnachtsmänner gibt, war ich . . .

"Statt Nikolaus – Wichtel Nr. 7"

Es ist schon einige Jahre her, dass mich die Erzieher des Kindergartens „Sandmännchen“ baten, als Nikolaus zu den Kindern zu kommen. Gern sagte ich zu. Dann war der 06. Dezember heran und hatte ich meinen Auftritt.

Nach dem Frühstück zog ich mich schon als Nikolaus an und legte die normale Kleidung in einen Beutel. Alles hatte ich bedacht: Als Nikolaus zog ich einen anderen Pullover, andere Hose, andere Schuhe, andere Brille, andere Armbanduhr an. Handschuhe trug ich, um nicht an den Händen oder dem Ring erkannte zu werden. Den roten Mantel mit der Kapuze hatte ich vom Kindergarten bekommen. Schließlich ward der weiße Bart aus Watte so geschnitten, dass er meinen echten überdeckte und auch am Hals angeklebt war. Als ich im Auto zum Kindergarten fuhr, blickten mir einige kopfschüttelnd aber lächelnd nach.

Das Auto stellte ich außer Sichtweite des Kindergartens ab.
Dann bog ich mit dem Sack auf den Schultern um die Ecke und ging auf den Kindergarten zu. Im Sack hatte ich kleine Überraschungen sorgsam gestapelt. Die eigentlichen Geschenke waren „Arschrutscher“ aus Plaste als Schlittenersatz. Sie befanden sich bereits im Kindergarten.

Die Kinder erwarteten mich ganz aufgeregt. Einige mussten fix noch mal auf die Toilette, andere bissen sich vor Aufregung gar in den Ärmel und wieder andere setzten sich still hin, wären am liebsten in den Boden versunken. Da ich die ersten Minuten durch die beschlagene Brille nichts sehen konnte, war das für mich auch eine gute Maske. Neugierig schauten mich nämlich alle an und flüsterten, ob das nun der wirkliche Nikolaus sei. Da sagte ich, dass der Nikolaus so beschäftigt wäre, dass er uns Wichtel zu den Kindern schickte. Ich sei Wichtel Nr.7 ! Sofort war Ruhe und alle erkannten mich als echten Boten des Nikolaus an!

Von der Bescherung möchte ich gar nicht berichten, weil sie so normal schön und aufregend war, wie alle Kinderbegegnungen mit dem Nikolaus so sind. Vielleicht nur das: „Wo hast du denn die Rute?“ Meine Antwort: „Mich schickt der Nikolaus nur dahin, wo Kinder keine Rute brauchen, denn ich mag die Rute nicht, bitte lieber darum, mich mit Gedichten oder Liedern zu erfreuen, die wir Wichtel dann bei der Weihnachtsvorbereitung untereinander austauschen können.“ Große Augen! Danach fiel es sicher manchem leichter, etwas vorzutragen.

Schließlich war die Zeit des Abschieds von den erleichterten wie begeisterten Kindern gekommen, die mich alle noch einmal anzufassen suchten.
Mehrmals drehte ich mich im Gehen noch um, winkte und schritt bedächtigen Schrittes mit dem leeren Sack auf dem Rücken auf die Ecke zu und schließlich zum Auto. Dort angelangt, befreite ich mich erst einmal von der Zipfelmütze und dem Wattebart, setzte mich ins Auto und fuhr zum nahe gelegenen Bäckerei-Café. Dort verwandelte ich mich auf der Toilette wieder zurück und schlüpfte in die normale Kleidung. Danach fuhr ich erneut zum Kindergarten, wo man mich ja von meinen zahlreichen Besuchen genau kannte.

Die Kinder umringten mich sofort und erzählten mit strahlenden Augen, was sei gerade erlebt hatten, Ach war das schade, dass ich nicht dabei gewesen sein konnte und erst jetzt kam! Sie nickten verständnisvoll und mitfühlend.

Ein kleines Mädchen zupfte mich schon eine ganze Weile an der Jeans. Ich sah zu ihr hinunter. Da lächelte sie mich an und sagte mit leiser Stimme: „Gel, du bist der Wichtel Nr.7 ?“ Ich erschrocken: „Wie kommst du denn darauf!“ „na, du hast die gleichen Strümpfe an wie dieser Wichtel!“

Ach war das peinlich! Hatte ich doch alles bedacht!
Nur gut, dass dies die anderen Kinder nicht wahrgenommen hatten. Alle waren froh, einen echten Nikolausvertreter erlebt zu haben – und gut dabei weggekommen zu sein.

Hatte ich das Mädchen auch in Zweifel bringen können, fuhr ich nur mit kleiner Verärgerung heim, nicht vollkommen gewesen zu sein, wo das doch gerade bei Kindern so wichtig ist.

Am Abend waren die vergessenen Strümpfe aus dem Kopf. Da beschäftigte mich die Frage: Wer hat eigentlich wen beschenkt? Sicher war ich der meist Beschenkte – davon bin ich noch heute überzeugt.

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Aus meinem 1.Büchlein.
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Gunter Linke aus Saalfeld | 21.12.2011 | 22:44  
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