Wie ist das Leben als Zapfenpflücker, Herr Trabert?

  Gotha: ... |

Beruflich hoch hinaus geht es bei den Thüringer Zapfenpflückern fast das ganze Jahr. Die Thüringer Gruppe gehört zum Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrum Gotha. Sie besteht aus vier Männern, die im gesamten Freistaat unterwegs sind. Der jüngste ist der Geraer Markus Trabert.

Zur Ausrüstung der Zapfenpflücker gehören Gurtsysteme, Seile, Helme, Steigeisen, Aufstiegsgeräte, Teleskopsäge und vieles andere mehr. Das haben Markus Trabert und seine Kollegen im Außendienst dabei, denn sie müssen in lichter Höhe Zweige absägen. Davon werden Proben entnommen, die zweimal im Monat zur Untersuchung in ein Labor geschickt werden.
"Über Baumkronen und -wurzeln werden Schadstoffe aufgenommen, die untersucht werden müssen", erklärt Markus Trabert. "In Thüringen unterhält die Landesforstanstalt 15 Freiland-Mess-Stationen. Sie saugen das Niederschlagswasser auf, das später Auskunft über den Waldzustand und die dort vorhandenen Schadstoffe gibt. Auch sieht man daran, wo beispielsweise gedüngt werden muss. Zu unseren Aufgaben gehört, diese Stationen regelmäßig zu beernten."
Kiefer, Tanne, Fichte, Buche und Eiche sind die dominantesten Baumarten im Freistaat. Im Mai und Juni ernten die Zapfenpflücker die Blätter in den Kronen, später die Nadeln. Zwischen dem dritten und fünften Astquirl schneiden sie die Zweige ab. Den Abstand von Astquirl zu Astquirl bezeichnet der Fachmann als Zuwachs innerhalb eines Jahres.

Der Samen muss zum Umfeld passen


Zur Arbeit der Zapfenpflücker gehört nicht nur die Ernte der Baumfrüchte, sondern auch deren Weiterverarbeitung. Das geschieht in der Darre in Fischbach bei Tabarz. Markus Trabert erklärt das Procedere: "Die Zapfen kommen ins Lager auf Holzböden und reifen dort nach. Wenn sie sich öffnen, fällt der Samen heraus. Dies wird beschleunigt im Darreofen bei Temperaturen um die 40°C. Nach dem Reifeprozess wird das Saatgut aufbereitet und eingelagert. Bei Bedarf wird es abgerufen."
Bei der Arbeit ist äußerste Präzision gefragt. "Wir müssen aufpassen, dass die Samen genetisch zum Umfeld passen. Wenn zum Beispiel Saatgut aus dem Thüringer Wald entnommen wurde, sollte es dort wieder ausgebracht werden. Saatgut aus tieferen Lagen sollte auch wieder dorthin. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Bäume gegen Schnee und Eisbruch oder Krankheiten anfällig sind."
Alle fünf bis zehn Jahre wird ein neuer Monitoringbericht mit diesen Daten veröffentlicht. Jährlich erscheint der Waldzustandsbericht, der sichtbare Veränderungen in ausgewählten Waldgebieten aufzeigt.


Wo?
Forstliche Ausbildung in der Forstwirtschaft des jeweiligen Bundeslandes. Thüringen sucht dringend Zapfenpflücker.
Infos unter www.berufenet.arbeitsagentur.de
und www.proplanta.de

Was?
Nach der Ausbildungszeit ist man Forstwirt und kann in verschiedenen Bereichen der Forstwirtschaft eingesetzt werden. Zum Beispiel in Forstbetrieben, bei forstwirtschaftlichen Dienstleistern, bei Forstämtern und -verwaltungen des Bundes, der Länder und Gemeinden.

Wie lange?
Die Ausbildungszeit dauert drei Jahre. Anschließend kann man sich zum Zapfenpflücker qualifizieren, wenn man gesund, höhentauglich, schwindelfrei ist und gern in der Natur arbeitet.

Vita Markus Trabert
2010 Abschluss 10. Klasse
2013 Abschluss Forstwirt
2014 Qualifikation zum Zapfenpflücker
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1 Kommentar
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Gunter Linke aus Saalfeld | 21.01.2015 | 10:04  
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