Zuhause auf Zeit

  Im Projekt Betreutes Jugendwohnen des Diakoniewerkes Gotha leben derzeitig acht Jugendliche:|||

Laura* ist vor Kurzem 17 Jahre alt geworden. In diesen Tagen erwartet sie ihr erstes Kind. Dabei ist das zier­liche Mädchen selbst noch fast ein Kind. Ihre Familie ist mit der Situation überfordert, der Stiefvater verständnislos, wird handgreiflich.

„So wollte ich nicht mehr leben. Ich hatte Angst, dass die Situation eskaliert“, erzählt Laura und ist froh, dass ihre große Schwester ihr geholfen hat, gemeinsam mit dem Jugendamt nach einer ­Lösung zu suchen.

Seit einigen Monaten wohnt das Mädchen nun in der Johannesstraße 1 in Gotha. Hier unterhält das Diakoniewerk Gotha, mit Unterstützung des Jugendamtes, im Projekt Betreutes Jugendwohnen, mehrere Wohnungen für Jugendliche wie Laura. „Hier bin ich endlich zur Ruhe gekommen, hatte Zeit, wieder zu mir zu finden und mich auf meine Schwangerschaft zu konzentrieren.“

Trotz aller Umstände und Probleme hat Laura Glück gehabt. Denn sie hat im Betreuten Wohnen einen Platz gefunden. Außer ihr wohnen hier noch weitere sechs Mädchen und ein Junge. Jenny* hat ihren Sohn bereits, Jule* entbindet in diesen Tagen ebenfalls einen Jungen.

„Wer zu uns kommt, hat meist schon ein bewegtes Leben“, erzählt Sozialpädagoge Andreas Künzel, einer der Betreuer in dem Projekt. „Wenn die Unterbringung im Heim oder in einer Pflege­familie nicht mehr funktioniert, oder die Konflikte in der Familie zu groß werden“, benennt er die Gründe, warum Jugendliche wie Laura einen Platz im Betreuten Jugendwohnen bekommen.

In der Johannesstraße leben Jugendliche mit und ohne Kind gemeinsam. „So sensibilisieren wir die Jugendlichen für die Kinder, wollen so erreichen, dass sich gegenseitig helfen und unterstützen“, erläutert Andreas Künzel.

Lernen, das ist eines der Hauptziele des Projektes. Das beginnt schon mit Alltäglichem, wie Künzel zu berichten weiß. „Wir versuchen die Jugendlichen an Strukturen zu gewöhnen. Sie müssen zur Schule gehen oder in die Ausbildung. Das ist Grundvoraussetzung, dass sie hier wohnen dürfen. Gemeinsam strukturieren wir einen Tagesablauf, der strikt eingehalten werden muss. In Eigenverantwortung sollen unsere Bewohner in der ihnen gegebenen Zeit, meist zirka 1 bis 1,5 Jahren, ihr Leben selbst zu meistern“, erzählt der engagierte Betreuer, einer von fünf, die in Voll- oder Teilzeit hier als Erzieher oder Sozialpädagoge die Jugendlichen rund um die Uhr begleiten.

Mit dem Bezugsbetreuungssystem entwickelt sich ein Vertrauensverhältnis zwischen Betreuer und dem Jugendlichen. „So versuchen wir im täglichen Miteinander die Hobbys und Interessen auszuloten, geben Tipps und Ratschläge für die Freizeitgestaltung, versuchen die Jugendlichen in Verein zu integrieren, bieten Musik und Sport, helfen ihnen einen Rhythmus in ihr Leben zu bringen – geben ihnen Halt im täglichen Leben.“

Aber auch beim Umgang mit Behörden und Ämtern wird den Jugendlichen geholfen, sie lernen eigenverantwortlich mit Geld umzugehen und bekommen bei Bedarf ein Hauswirtschaftstraining. Oberstes Ziel ist ein selbstständiges Leben.

Die Kosten hierfür übernimmt das Jugendamt. „Und natürlich sind auch Geld- oder Sachspenden bei uns immer willkommen“, sagt Betreuer Künzel, und das nicht nur zum Weihnachtefest.

Das übriges verbringt Laura bei ihrer Familie, dann allerdings mit ihrem kleinen Sohn. „Seit dem ich hier bin“, freut sich die werdende Mutti „läuft es auch zu Hause wieder richtig klasse. Jetzt verstehe ich mich mit meiner Mutti viel besser und auch zu meinem Stiefvater habe ich wieder gutes und entspanntes Verhältnis. Mir geht es hier richtig gut.“

(* Namen geändert)
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