Die Müllhalden meiner Kindheit

Emsetal: ehemalige Müllhade | Müll, der herumliegt, wo er nicht sollte, scheint ein beliebtes Thema auf meinAnzeiger.de zu sein. Mich erinnert es an meine Kindheit in der DDR. Damals gab es weniger Verpackungen und Gegenstände, die wertlos erschienen, aber mehr sichtbare Müllhalden in der Natur. Wenn ich heute an den Stellen vorbeifahre, wo sie einst waren, überfällt mich ein Schaudern.

Von Schwarzhausen auf dem Weg nach Waltershausen (ich schätze mal 5 Kilometer) fuhr der Bus an zwei Müllhalden vorbei. Die erste, kleinere war auf dem Weg nach Langenhain, in der ansteigenden Kurve kurz vor dem Futtersilo, der auch heute noch dort ist. Ob zu DDR-Zeiten da ein Müll-Abladen-Verboten-Schild stand, weiß ich nicht. Kannte man damals solche Schilder? Irgendwann war eins dort, oder mehrere im Abstand von wenigen Metern. In den Wendejahren wuchs der Müllberg zu - erst Wiese, dann Sträucher, Bäume.

Ich weiß, was drunter liegt.

Dasselbe denke ich am Ortseingang von Waltershausen. Nach der steilen Straße, die von Langenhain in den Ort führt, unmittelbar bevor die ersten Häuser kommen, war auf der linken Seite eine befahrbare Müllhalde. Das Gelände wurde eingeebnet. Plötzlich waren dort nur noch Erde und die warnenden Schilder. Ich muss dort wieder mal vorbeifahren und nachschauen, aber mich würde es nicht wundern, wenn da eines Tages die Kühe drauf grasen oder ein Unwissender es als Bauland erwirbt.

Im Sommer gingen wir oft auf einer kleinen Nebenstraße in den Nachbarort Winterstein. Dort gab und gibt es ein Schwimmbad. Kurz nachdem die Straße außerhalb von Schwarzhausen steil abfällt, ist rechts einen Hang. Damals schien es mir, als ob die Sträucher das einzige Bollwerk gegen den Müll waren, der vom Berg herabrollte. Blechdosen, Scherben, Fetzen von Planen. Undefinierbares hing wie Essensreste in den Geästen. Oben war eine Halde – Tabuland. Sie brannte gelegentlich und als Kind war sie für mich ein Ort, der von bösen Geistern bewohnt wurde. Diesen Teil des Weges gingen wir schneller. Noch heute überprüfen meine Augen die Äste, ob sich darin etwas verfangen hat.

Ich bin mir sicher, am Ortausgang von Schmerbach Richtung Winterstein gab es auch so eine Stelle. Die andere Halde Richtung Seebach war unübersehbar und befahrbar. Vermutlich hatte jeder Ort so seine ein bis zwei Lagerstätten für unerwünschte ehemalige Gegenstände.

Die vielen Müll-in-der-Natur-Bilder, die hier gepostet wurden, erscheinen mir verglichen mit meinen Eindrücken von früher fast wie Ergebnisse fotografischer Schatzsuchen. Das ist relativ zu sehen, denn jeder Müll ist ärgerlich, auch wenn ich finde, dass man in der Natur heute länger danach suchen muss.

Mit den neuen Containerplätzen ist der Müll in die Wohngebiete gewandert. Ich weiß nicht, ob ich mich freuen soll, dass die meisten Leute faul genug sind, dort lieber ihren Müll unrechtmäßig oder schlampig zu entsorgen, als den weiteren Weg in die Wiesen und Wälder auf sich zunehmen.
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6 Kommentare
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Annett Deistung (HarzWusel) aus Nordhausen | 05.06.2012 | 21:54  
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Silke Dokter aus Erfurt | 08.06.2012 | 08:25  
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Antje Hellmann aus Jena | 10.06.2012 | 09:46  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 11.06.2012 | 13:00  
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Antje Hellmann aus Jena | 11.06.2012 | 14:10  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 11.06.2012 | 14:52  
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