Gotha freut sich über die erste Ananas seit 100 Jahren

Wann? 20.02.2016 10:00 Uhr

Wo? Orangerie, Friedrichstraße, 99867 Gotha DE
Die erste Ananasfrucht in Gotha seit über 100 Jahren! Es dauert noch ein paar Wochen, bis sie reif ist. (Foto: Jens Scheffler / Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten)
 
Parkverwalter Jens Scheffler ist für die Orangerie und den 35 Hektar großen Herzoglichen Park in Gotha zuständig. (Foto: Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten)
Gotha: Orangerie | Die Gärtnermeister in der Gothaer Orangerie einen tollen Erfolg vermelden: Nach über 100 Jahren gibt es hier erstmals wieder eine selbstgezogene Ananas! Früher wurden die exotischen Pflanzen hier sogar angebaut:

Sie ist eine wahrhaft königliche Erscheinung, wie sie so daherkommt, mit dem Krönchen auf dem Haupt. Von den guten inneren Werten ganz abgesehen, die hat sie außerdem. "Einst sehr reizvoll für zu Hause gebliebene Herrscher", wirft Jens Scheffler einen Blick in die Vergangenheit. Die hätten schließlich einen weiten Weg bis nach Südamerika zurückzulegen gehabt, dorthin, wo die Ananas zu Hause ist. Also ließen sie die königliche Frucht kurzerhand in heimischen Gewächshäusern anbauen. Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg war so ein Ananasliebhaber, der Anbau der Früchte in den herzoglichen Gärten von Schloss Friedenstein wurde seit 1732 bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts praktiziert.

Bei einer Runde durch die Orangerie von Gotha hätte des Herzogs Geist heute allen Grund zur Freude. Seine geliebten Ananas haben wieder Einzug gehalten, mehr noch: die erste Frucht steht kurz vor der Ernte. Zuvor waren die Königlichen ein wenig in Vergessenheit geraten. "Seit etwa zehn Jahren befassen wir uns ganz intensiv mit der Geschichte der herzoglichen Gärten", spricht Schlossparkverwalter Jens Scheffler von der Wiederentdeckung der Ananastreiberei in Gotha. So wie auch die anderen Pflanzen - von den Kamelien über Zitruspflanzen bis hin zu Palmen, Fuchsien, Granatäpfeln und mehr - zeigt sie in Ausschnitten die historischen Anbau-Traditionen in den Gärten des Gothaer Schlosses.

Die Gärtner brauchen viel Geduld


Nun also gehört auch die Ananas wieder zu Gotha. Schon zu herzoglichen Zeiten mussten die Gärtnermeister experimentierfreudig und erfindungsreich sein, um den Pflanzen aus Südamerika hier die besten Bedingungen zum Gedeihen zu schaffen. Neben dem grünen Daumen braucht es außerdem Geduld. Das ist heute genauso, eine Ananaspflanze lässt sich drei bis vier Jahre Zeit, bis sie ihren ersten Fruchtstand bildet. Wenn überhaupt.

"Mit den ersten Ananaspflanzen hatten wir weniger Glück", erinnert sich Jens Scheffler an die Anfänge im Jahr 2011. Damals war es den Exoten im Winter wohl etwas zu kühl, sie wollten und wollten einfach nicht blühen. Heute, in ihrem extra Gewächshaus, freuen sich sich die zwanzig Pflanzen über ideale klimatische Bedingungen. Im September begann die erste von ihnen zu blühen, inzwischen zeigt sich sogar eine Frucht. Den Orangerie-Gärtnern geht bei diesem Anblick das Herz auf. "Da freut man sich schon riesig", gibt der Parkverwalter zu und hofft, dass die anderen Pflanzen bald nachziehen. "Das ist gerade eine sehr spannende Zeit", fügt er hinzu. Ein paar Wochen, denkt Jens Scheffler, braucht die Frucht noch bis zur Erntereife. Sie wird dann etwa ein bis anderthalb Kilogramm schwer sein. Aus anderen Gärtnereien weiß er, dass die Früchte ein wunderbares Aroma haben sollen, besonders saftig sind. Ernst dem II. würde das Wasser im Munde zusammenlaufen. Ob sich wohl der Geist des Herzogs zur Verkostung einfindet? Jens Scheffler lacht, da müsse er sich wohl noch etwas gedulden. Die erste Frucht, verspricht er, dürfen die fleißigen Gärtnermeister probieren.



Führungen:


"Winterlicher Blütenzauber in Gothas Orangerie" heißen die Führungen, die sich hauptsächlich dem seltenen Schauspiel der Kamelienblüte widmen. Neben den rund 100 Kamelien gibt es bei den von Kamelienfreund Gernot Harnisch, Schlossparkverwalter Jens Scheffler und Landtagsabgeordneten und Gästeführer Matthias Hey geleiteten Sonderführungen Einblicke ins Lorbeerhaus mit Palmen und Zitrusfrüchten sowie einen Blick auf die Ananaspflanzen im nördlichen Treibhaus.

Termine: 20., 21., 27. und 28. Februar ab 10 Uhr (alle 45 Minuten) sowie am 18. und 25. Februar vor- und nachmittags. Karten: Bürgerbüro Matthias Hey, Hauptmarkt 36 in Gotha, Telefon 03621/733216. Die Karten sind kostenfrei, nach den Führungen wird um eine kleine Spende für ein neues Kamelientreibhaus gebeten.



Gotha & die Ananas:


Der kleine Bestand von zwanzig Ananaspflanzen im nördlichen Treibhaus der Orangerie besteht aktuell aus modernen Kulturformen von Ananas comosus. Nach ersten Kultivierungsversuchen wurde ein kleiner provisorischer Treibkasten im nördlichen Treibhaus installiert, um die klimatischen Voraussetzungen für den Fruchtaustrieb zu schaffen.In der historischen Praxis der Aufzucht von Ananaspflanzen wurden spezielle Gewächshäuser oder Treibkästen benötigt, um ausreichend warme Luft-, Boden- und Wassertemperaturen sowie eine entsprechende Bodenfeuchte zu gewährleisten.

Diese Form der Ananastreiberei wurde in den herzoglichen Gärten von Schloss Friedenstein nachweislich seit 1732 praktiziert. Unter Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg wurde sie dann im großen Stil im Küchengarten und in der Orangerie betrieben. 1781 gab es dort 700 Ananaspflanzen. In diesem Umfang lässt sich die Ananastreiberei in Gotha bis Mitte des 19. Jahrhunderts nachweisen.Die Pflanze benötigte vom Setzling bis zur Fruchtreife circa drei Jahre. Als Ausdruck gärtnerischer Kunstfertigkeit fanden im 18. und 19. Jahrhundert Wettbewerbe um die qualitätvollsten und schmackhaftesten Früchte statt.

(Quelle: Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten)
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