Offener Brief an den Zoodirektor des Kopenhagener Zoos

Unabhängige Tierschutz – Union Deutschlands
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Offener Brief vom 14.02.2014
an: den Zoodirektor des Kopenhagener Zoos, Herrn Bengt Holst - zoo@zoo.dk
Kopie an: die Vorsitzende (Executive Director) der Europäischen Zoo- und Aquarienvereinigung (EAZA), Amsterdam, Frau Dr. Lesley Dickie - info@eaza.net
Kopie an: den Koordinator des Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) - Koordinator der Giraffen-Zucht innerhalb der EAZA, Herrn Jörg Jebram (Mitentscheider über das Schicksal des einzelnen Tieres - an der Entscheidung zu Marius' Tod beteiligt) info@zoom-erlebniswelt.de
Die Ermordung des Giraffenkindes “Marius”
Sackgasse in den Tod - Gefangenschaftszucht

Sehr geehrter Herr Holst,

die durch Sie veranlaßte Tötung eines vollkommen gesunden Giraffenkalbs in Ihrem Zoo sorgt weltweit für Entsetzen! Auch wir sind über die Ermordung des 18 Monate alten Giraffenkindes "Marius" zu tiefst bestürzt und appellieren an Sie, künftig von derartigen Schritten abzusehen! Sie sollten begreifen lernen, daß Tiere nicht als rechtlose Wesen zu betrachten sind, die unseren Interessen unterliegen! Nicht Erbarmen - sondern Gerechtigkeit sind Sie jedem einzelnen Tier schuldig!

Sie bezeichnen die Ermordung eines kerngesunden Tieres gegenüber der Zeitung „Berlingske“ als "Standardprozedur" Ihres Erhaltungszuchtprogramms und sprechen wehrlosen Tieren damit jegliches Recht auf das Grundlegendste ihrer Bedürfnisse ab, nämlich ihr Leben. Diese tierfeindliche Mentalität, unser Rechtsempfinden nur auf Menschen zu beschränken und kein Pflichtbewußtsein gegenüber Tieren zu hegen, ist wahrlich eine ausufernde Härte und Grausamkeit.

Tiere sind nicht auf der Welt um uns Menschen zunutze zu sein - um in einer Zoo-Gefangenschaft ein Leben lang hinter Gittern zu verbringen und zur Schau gestellt oder als so genanntes "Überschuß"-Tier ermordet zu werden. Tiere sind zu respektierende Individuen mit eigenen Empfindungen, Verhaltensweisen, Gewohnheiten, Vorlieben und Wünschen. Wir schulden Tieren die gleiche moralische Rücksicht wie unseren eigenen Artgenossen. Sie sollten Ihre moralische Verantwortung gegenüber Ihren Schutzbefohlenen überdenken und neu definieren - wobei Sie sich zum Auslöschen von Leben nicht ermächtigen sollten!

Ihrer Stellungnahme nach gab es zu der Tötung von Marius keine Alternativen.
Wir widersprechen Ihnen hier vehement!
Ein Zoo aus Schweden hatte angeboten, Marius aufzunehmen. Dieser Zoo ist jedoch kein Mitglied der Europäischen Zoo- und Aquarienvereinigung (EAZA), der Sie angehören und somit wurde das Angebot dieses Zoos nicht einmal in Betracht gezogen. Die EAZA ist ein freiwilliger Zusammenschluß von gerade mal 8% der europäischen Zoos. Daß diese Vereinigung aufgrund selbst festgelegter Zuchtkriterien ein Tier lieber tötet, als es in einer zoologischen Einrichtung unterzubringen, welche kein Mitglied ist, ist geradezu ein unerhörter Skandal!
Die Zuchtprogramme der EAZA sind freiwillige Vereinbarungen, die weder von unabhängigen Wissenschaftlern, noch von staatlicher Stelle kontrolliert werden und damit auch keine hinreichende Begründung für die Tötung eines gesunden Tieres darstellen. Da der EAZA – wie erwähnt - lediglich ca. 8% der Zoos- und Tierparks in Europa angehören, hätte es also Tausende Einrichtungen gegeben, die „Marius“ auch hätten aufnehmen können. Außerdem werden im Rahmen des EAZA Zuchtprogramms 825 Giraffen gehalten, davon sind 138 Unterart-Hybriden und bei 48 ist der Unterart-Status unbekannt (Stand 2013) - damit sind fast ein Viertel der Tiere ohnehin nicht für die so genannte Arterhaltungszucht geeignet.
Eine weitere Alternative zur Tötung von Marius stellte ein Angebot einer Privatperson dar, welche Marius hätte eine Zoo-vergleichbare Haltung bieten können. Auch diesen Lösungsansatz lehnten Sie ab - mit der Begründung, Giraffen seien keine Haustiere - und entschieden sich stattdessen für die Ermordung Marius´. Eine Haltung in Bullengruppen - wie in den Niederlanden u. Frankreich praktiziert wird - stellte Ihrer Ansicht nach ebenfalls keine Lösung dar – wie auch eine Kastration, die Sie mit den Worten „Nein, es hätte einem genetisch wichtigeren Tier den Platz im Zoo weggenommen“ ablehnten.
Das Todesurteil des Giraffenjungen war gefällt - obwohl es Alternativen gab und obwohl Ihr EAZA-Regelwerk, welches Ihre Vereinigung sich selbst setzte, nicht verbindlich ist, d. h. kein Zoo muß wegen dieser Regeln Tiere töten. Vielmehr besagt Ihr EAZA-Regelwerk, daß sich ein Zoo um artgemäße Unterbringung seiner Tiere kümmern und dabei auch vorausschauend planen muß.

Eine Tötung war demnach völlig überflüssig!

Doch als ob die Ermordung des wehrlosen Giraffenjungen nicht schon verabscheuungswürdig genug wäre, hat man aus dem Tod des Tieres zudem ein Show-Spektakel veranstaltet. Marius wurde öffentlich zerstückelt, Zoobesucher (sowohl Erwachsene als auch Kinder) filmten mit ihren Handykameras (zum Teil mit lachenden Gesichtern) wie die Eingeweide dieses jungen Lebewesens aus seinem Körper gezogen und anschließend Löwen zum Fraß vorgeworfen wurde. Auch für ein TV-Spektakel mußte Marius mit seinem Leben herhalten - während der Übertragung im Fernsehen brüsteten sich Ihre Zoo-Angestellten sogar damit, wie sie das ahnungslose Tier mit Brot geködert hatten, um es dann zu töten.

Mit Ihrem grausamen Handeln, welches zweifellos ein barbarischer Akt war, vermitteln Sie, daß ein Leben nichts wert sei, daß man vor dem Leben eines Tieres keine Ehrfurcht haben bräuchte. Es ist eine Schande, daß Tiere, welche geschützt werden müßten, abgeschlachtet werden und das sogar vor Kinderaugen! Sie lösen mit dieser abscheulichen Tat neben unendlichem Entsetzen eine weltweite Ethikdiskussion aus und monieren indes, daß Sie haßerfüllte Reaktionen aus aller Welt erhalten?!

Die Tötung von Marius war kein Beitrag zum Artenschutz, sondern zeigt deutlich auf, daß seitens der Politik dringend Handlungsbedarf besteht, damit das systematische Ermorden so genannter "Überschuß"-Tiere gestoppt wird! Der Tod von Marius verdeutlicht das fragwürdige System, welches Zoos in Wirklichkeit betreiben. Erst bewußt und unkontrolliert niedliche Tierbabys züchten, dann als Kassenfüller und vermeintliche Arten- und Tierschutz-Botschafter ausbeuten, danach zum Ballast erklären, anschließend als Todeskandidaten deklarieren und totspritzen oder einen Kopfschuß verpassen.
Es wird nahezu unkontrolliert gezüchtet, obwohl nicht ausreichend Platz für den Tiernachwuchs vorhanden und nicht klar ist, was später mit diesem geschieht.

Zoos verstehen wir durch diese Umstände als offizielle und legale Schlachthöfe!

Wie verbreitet muß das systematische Ermorden von so genannten „Überschußtieren“ bzw. „Problemtieren“ sein, bis vernünftige Menschen zu der Einsicht gelangen, daß zoologische Einrichtungen neben der sichtbaren Gefangenschaft und Zurschaustellung von Tieren für ebendiese regelmäßig den Tod bedeutet und daraus die Erkenntnis ziehen, diesen Irrsinn nicht mit ihren Eintrittspreisen zu unterstützen… Zumindest zu diesem Gedankenanstoß der Gesellschaft haben Sie am 09.02.2014 beigetragen – leider hat „Marius“ dafür sein Leben lassen müssen!

Einen legalen Zoo-Tötungsfreibrief darf es jedoch nicht länger geben! Diese „gängige Praxis“ der Ermordung muß umgehend gestoppt werden! So etwas darf nicht mehr passieren - nicht in Dänemark, nicht in Deutschland und auch nicht sonst irgendwo auf der Welt. Wir verurteilen Ihr Vorgehen auf das Schärfste und fordern Sie, Ihre Vereinigung, alle zoologischen Einrichtungen und mit ganz besonderem Nachdruck die Politiker auf, Ihrer Verantwortung gegenüber dem einzelnen Tierleben gerecht zu werden und weitere Tötungen umgehend zu unterlassen!

An die Zoobesucher richten wir den dringenden Appell – WACHT ENDLICH AUF:
Ihr zahlt Euren Eintrittspreis – Marius und andere Tiere zahlen mit ihrem Leben!
R.I.P. Marius
http://www.bild.de/video/clip/zoo/fuetterung-zoos-...

Im Namen der Tierschutz-Union und aller Menschen,
denen unsere Natur, die Tiere und auch ihre Mitmenschen noch etwas bedeuten.
Mit freundlichen Grüßen
Harald von Fehr, Kooperationsleiter der Tierschutz-Union
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