Familie bekommt Obdach in der Raiffeisenbank

Die Gleichestellungsebauftragte des Landratsamtes, Katrin Luster (l.), im Gespräch bei der Eröffnung
Gotha: Raiffeisenbank Gotha eG |

Familie Schäfer kommt eigentlich aus Rostock. Sie ist derzeit auf Wanderschaft. Deshalb bietet ihr die Raiffeisenbank Gotha eine Bleibe. Im KundenCenter haben sich die Schäfers eingerichtet. Für eine Woche vorerst.

GOTHA. Familie Schäfer ist fiktiv. Aber „Schäfers“ gibt es überall. Deshalb, weil sie stellvertretend stehen für Fälle häuslicher Gewalt.

Das ist ein schwieriges Thema. Häusliche Gewalt ist allgegenwärtig. Meist sind Frauen davon betroffen. Aber auch Kinder und – inzwischen ebenso anerkannt – Männer werden Opfer. Und dabei geht es zudem nicht immer nur um körperliche oder sexuelle Attacken.

Es gibt wenig belastbare Zahlen: Eine ergab die Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA). Die ließ im vorigen Jahr 42.000 Frauen in 28 Ländern befragen. Ein Drittel gab an, seit der Jugend Gewalt erlebt zu haben. Eine andere Zahl: Im vergangenen Jahr haben deutschlandweit 45.000 Frauen mit ihren Kindern Zuflucht in Frauenhäusern gesucht.

Gotha hat auch eines, seit den 1990er-Jahren schon. 2015 suchten bisher 28 Frauen und deren Kinder Schutz. Wie meistens, für längere Zeit. 1.600 Übernachtungen kamen so zusammen.

Seit vielen Jahren honoriert die Raiffeisenbank Gotha die Arbeit des Frauenhauses. Die jährliche Spende über 500 Euro gab es dieses Jahr aus Anlass des Einzugs der Familie Schäfer.

Schäfers Familienleben wird in Bildergeschichten und aus Kinderperspektive erzählt. Zum Beispiel, dass Papa Schäfer böse wird und die Kinder die Polizei rufen, weil Mama Schäfer Hilfe braucht.

Das Frauenhaus holte die Wanderausstellung, die die Interventionsstelle Rostock und das dortige Frauenhaus konzipiert haben, nach Gotha. Der Bitte, das sensible Thema in der Bank öffentlich zu machen, kamen die Vorstände der Genossenschaftsbank gern nach, „schon aus moralischen Gründen“, wie Vorstand Sven Matuschek zur Eröffnung der Ausstellung sagte.

Konzipiert wurde sie für den Einsatz in Kindergärten, Schulen und Jugendzentren. Auch in Gotha betreuen Fachkräfte die Ausstellung, die schon für Kinder ab 4 Jahre verständlich sein soll. Sie soll aber ebenso Jugendlichen als Anregung zu Diskussionen dienen.

Das Frauenhaus hat Kindertagesstätten und Schulen eingeladen, sich die Familiengeschichte der Schäfers anzuschauen. Einfühlsam und fachkundig betreut werden dann kleine und große Besucher durch Mitglieder des Gothaer Netzwerks gegen häusliche Gewalt. Mitglieder des Netzwerkes wie die Gleichstellungbeauftragte des Landkreises, Katrin Luster, Andrea Volkmar und Anja Baum (Sunshinehouse gGmbH), Michaela Preissner (Gesundheitsamt, Landkreis), Rechtsanwalt Wolfgang Funke (Gotha), der Sozialpädagoge Frank Schastok sowie Annett Frankenberger (Erziehungs-, Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle der Diakonie, Gotha) kamen zur Eröffnung der Ausstellung.

Die Ausstellung ist bis zum 27. November in der RaiBa-Schalterhalle in der Gartenstraße 19 zu sehen.
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