Gedenken zum Volkstrauertag - auch wieder in Gotha / Boilstädt

Gedenkveranstaltung Gothas auf dem Friedhof des Ortsteils Boilstädt nach dem Gottesdienst der Kirche
  Gotha: Friedhof | (mit Video)
Es ist eine gute Tradition Gothas, das Gedenken zum Volkstrauertag jeweils in einem Ortsteil zu begehen. War das im vergangenen Jahr in Gotha-Sundhausen , so war es in diesem Jahr Gotha-Boilstädt.

Zum Gottesdienst wurde in die evangelische Dorfkirche „Zur Himmelspforte“ eingeladen – und viele kamen in die kleine Kirche, um vom Pfarrer Volker Maibaum und musikalisch Manfred Sperling an der Orgel auf den Gedenktag eingestimmt zu werden.
Abgeordnete des Bundestages, Landtages, Kreistages und Stadtrats Gotha waren ebenso gekommen, wie die Bundewehr des Standort Gotha, Vereine und eine Reihe weiterer Mitbürger.

Nach dem Gottesdienst gingen alle zum Friedhof an der Südseite des Ortsteils, um in einer Gedenkveranstaltung die Opfer von Krieg und Gewalt zu würdigen.

Eine ehrende Gruppe der Bundeswehr und Mitglieder des Altschützenvereins Gotha säumten die Gedenkplatte „Zum Gedenken an die Opfer des 2. Weltkrieges 1939 -1945 Gemeinde Boilstädt“ (und in ihrem Hintergrund „Unseren gefallenen Helden“).
Oberbürgermeister Knut Kreuch grüßte und bedankte sich bei den Gekommenen, wies auf die Bedeutung des Volkstrauertages und die ehrenden Traditionen der Stadt hin und sprach ergreifend mit Tucholsky:

Krieg dem Kriege
Sie lagen vier Jahre im Schützengraben.
Zeit, große Zeit!
Sie froren und waren verlaust und haben
daheim eine Frau und zwei kleine Knaben,
weit, weit -!

Und keiner, der ihnen die Wahrheit sagt.
Und keiner, der aufzubegehren wagt.
Monat um Monat, Jahr um Jahr...

Und wenn mal einer auf Urlaub war,
sah er zu Hause die dicken Bäuche.
Und es fraßen dort um sich wie eine Seuche
der Tanz, die Gier, das Schiebergeschäft.
Und die Horde alldeutscher Skribenten kläfft:
"Krieg! Krieg!
Großer Sieg!
Sieg in Albanien und Sieg in Flandern!"
Und es starben die andern, die andern, die andern...

Sie sahen die Kameraden fallen.
Das war das Schicksal bei fast allen:
Verwundung, Qual wie ein Tier, und Tod.
Ein kleiner Fleck, schmutzigrot-
und man trug sie fort und scharrte sie ein.
Wer wird wohl der nächste sein?

Und ein Schrei von Millionen stieg auf zu den Sternen.
Werden die Menschen es niemals lernen?
Gibt es ein Ding, um das es sich lohnt?
Wer ist das, der da oben thront,
von oben bis unten bespickt mit Orden,
und nur immer befiehlt: Morden! Morden! -
Blut und zermalmte Knochen und Dreck...
Und dann hieß es plötzlich, das Schiff sei leck.

Der Kapitän hat den Abschied genommen
und ist etwas plötzlich von dannen geschwommen.
Ratlos stehen die Feldgrauen da.
Für wen das alles? Pro patria?

Brüder! Brüder! Schließt die Reihn!
Brüder! das darf nicht wieder sein!
Geben sie uns den Vernichtungsfrieden,
ist das gleiche Losbeschieden
unsern Söhnen und euern Enkeln.
Sollen die wieder blutrot besprenkeln
die Ackergräben, das grüne Gras?
Brüder! Pfeift den Burschen was!
Es darf und soll so nicht weitergehen.
Wir haben alle,alle gesehen,
wohin ein solcher Wahnsinn führt-

Das Feuer brannte, das sie geschürt.
Löscht es aus! Die Imperialisten,
die da drüben bei jenen nisten,
schenken uns wieder Nationalisten.
Und nach abermals zwanzig Jahren
kommen neue Kanonen gefahren.-
Das wäre kein Friede.
Das wäre Wahn.
Der alte Tanz auf dem alten Vulkan.
Du sollst nicht töten! hat einer gesagt.
Und die Menschheit hörts, und die Menschheit klagt.
Will das niemals anders werden?
Krieg dem Kriege!
Und Friede auf Erden.

(Juni 1919)


Während der Landrat, Konrad Gießmann, sich in seinen Gedenkworten auf Clara Zetkin bezog „Die eigentlichen Verlierer der Kriege sind immer die Eltern, die Frauen und die Mütter . . .“, mahnte der stellv. Kommandeur des Aufklärungsbataillons 13, Major Marc Paare, dass selbst nach erfreulich vielen Friedensjahren in Europa auch gerade heute der Kampf gegen den Krieg ein wichtiges Ziel ist und bleibt.

Im Video:
*** 1 *** 00:08 *** Dorfkirche Boilstädts
*** 2 *** 01:41 *** Friedhof Boilstädt
*** 3 *** 02:30 *** Gedenkrede Oberbürgermeister Knut Kreuch
*** 4 *** 07:47 *** Gedenkworte Landrat Konrad Gießmann
*** 5 *** 08:22 *** (Erwähnung) Grußworte stellv. Kommandeur Aufklärungsbataillon 13 Major Marc Paare
*** 6 *** 08:36 *** Kranzniederlegung



Kränze legten nieder:
### Zum Gedenken // Altschützengesellschaft zu Gotha
### Zum Gedenken der Opfer von Krieg und Gewalt // Stadt Gotha
### Zum Gedenken // Gemeinde Boilstädt
### In stillen Gedenken // Tankred Schipanski (Bundestagsabgeordneter / CDU)
### In ehrendem Gedenken // Landrat des Landkreises Gotha
### VdK // Kreisverband Gotha (Sozialverband VdK Deutschland, den vormaligen Verband der Kriegsbeschädigten)
### In stillen Gedenken // Standortältester Gotha (Bundeswehr)
[ Reihenfolge von links nach rechts vor der Gedenktafel ]

Mit Abschluss der Gedenkveranstaltung lud der Oberbürgermeister die Anwesenden zum gemeinsamen Gedenken ins Gerätehaus der Feuerwehr Boilstädt ein.

Es ist jedes Jahr immer wieder ein ergreifendes Erlebnis, an der Gedenkveranstaltung der Stadt Gotha teilzunehmen.

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