Gelungenes Planspiel zur Einwanderungs- und Asylpolitik der EU an der Arnoldischule

Jakob von Weizsäcker vor der gesamten Klassenstufe 10
 
Jakob von Weizsäcker mit der Klasse 10/3
Im Rahmen des Sozialkundeunterrichts beschäftigen wir uns in der Klasse 10 sowie im Seminarfach der Klasse 11 seit einiger Zeit mit dem sensiblen Thema der Einwanderungs- und Asylpolitik und hatten kürzlich die Möglichkeit, an einem Planspiel des Europäischen Parlaments teilzunehmen.
Am Donnerstag, dem 22.10.2015, begannen Dorothee Adam und Sebastian Puhl von EuroSoc, beauftragt durch das EU-Parlament, mit der Einführung in das Planspiel, der Rollenverteilung und dem Einlesen in die Rollen. Nach einer kurzen Pause fanden wir uns alle mit neuer Identität wieder im Klassenraum zusammen und begannen die Simulation. Wie in einem ordentlichen Gesetzgebungsverfahren der EU wurde zunächst der Vorschlag des Kommissionspräsidenten übermittelt. Danach eröffnete „unser“ Präsident des Europäischen Parlamentes, Paul Freise, die 1. Lesung.
Die Fraktionen der S&D, EVP, Grüne und der ALDE, deren Fraktionsvorstände ebenfalls von Schülern vertreten wurden, diskutierten nun thematische Schwerpunkte wie Bildung, Integration auf dem Arbeitsmarkt und Unterbringung minderjähriger Flüchtlinge. Alle Schüler -in ihrer vorgegebenen Rolle als Europa-Parlamentarier- brachten viele Argumente und Ideen in die Diskussion ein, dementsprechend entstanden gute Ansätze für die Fortsetzung des Planspiels.
Am Freitag, dem ereignisreichsten Folgetag, hatten wir dann kompetenten Besuch von Jakob von Weizsäcker, einem Abgeordneten der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament. Zunächst informierte uns Herr von Weizsäcker kurz über seine Arbeit im EU-Parlament. Passend zu unserem Planspiel zur Einwanderungs- und Asylpolitik beleuchtete er dann anschaulich die derzeitige Asyl-Politik in Deutschland und der EU. Er betonte beispielsweise, dass die EU –weite Quotenregelung für die Verteilung der Flüchtlinge in den vergangenen Jahren, aufgrund der ablehnenden Haltung Deutschlands nicht zustande kam. So lange sich die deutsche Regierung in einer sicheren Mittellage wähnte und lediglich geringe Zahlen von Flüchtlingen auf den internationalen Flughäfen eintrafen, war man gegen eine Quotenregelung gewesen. Die Hauptlast trugen die südlichen Mitgliedsstaaten mit EU-Außengrenze. Nun, da der massive Flüchtlingsstrom den Weg nach Deutschland gefunden habe, sei die deutsche Regierung plötzlich ein großer Verfechter der Quotenregelung. Insgesamt müsse in europäischen Fragen zwischenstaatliche Solidarität das Gebot der Stunde sein, unterstrich von Weizsäcker - in der Flüchtlingsfrage, aber beispielsweise auch bei der Reform des Euroraumes und der Rettung Griechenlands. Die Reflexreaktion „Immer haben die anderen Schuld“ dürfe nicht politischer Stil sein, so der Europaabgeordnete.
In der Fragestunde sprach sich Jakob von Weizsäcker für Entwicklungsperspektiven der Staaten des Westbalkans in Richtung EU aus, um den Bürgern in ihrem jeweiligen Heimatland Zukunftsperspektiven zu geben. Den Beitrag, den die Flüchtlinge von heute künftig zur positiven wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland leisten können, schätzte der EU-Politiker sehr optimistisch ein und vermochte dies mit deutschen und internationalen Beispielen zu untermauern. Er sprach sich zudem für ein modernes Einwanderungsgesetz aus. Auf die Frage von Sophie Nawratil: „Wie kann ein Arnoldischüler den Flüchtlingen am besten helfen?“ antwortete Herr von Weizsäcker, dass man dies tun könne durch eine freundliche Aufnahme in der Schule, die ehrenamtliche Erteilung von Nachhilfestunden als Unterstützung oder generell durch ein Patenschaftsprogramm. Er würdigte zudem die bereits erfolgte Unterstützung der Arnoldianer für Aufnahmeeinrichtungen im Kreisgebiet.
Nachdem die rege Fragestunde beendet war, setzten wir unser Planspiel fort mit der 2. Lesung in „unserem“ EU Parlament. Hier wurden zahlreichere neue Argumente ausgetauscht, die Schüler konnten sich zudem am letzten Tag noch besser mit ihrer Rolle identifizieren.
Sie fanden interessante Strategien zum Umgang mit den aktuellen Herausforderungen und hoffen, dass dies den Berufspolitikern auf der deutschen und europäischen Bühne auch gelingen möge.
Wir können dieses Lernerlebnis nur wärmstens weiterempfehlen und würden gern erneut an einem solchen Planspiel teilnehmen.

Text: Celina Steppat, Floris Holzhauer, Klasse: 10/3
Fotos: Sabine Lemche
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Dietmar Sommerlandt aus Gotha | 14.11.2015 | 10:52  
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