Immer mehr Aufgaben für die Feuerwehr

Überall im Einsatz: Heute machen Brände gerade noch 20 bis 30 Prozent der Feuerwehr-Einsätze aus. (Foto: Pixelio/Paul-Georg Meister)
Von Uwe-Jens Igel


Gelegentlich kann man an Autos Aufkleber sehen wie: „Überholen Sie ruhig, wir schneiden Sie raus!“ Makaber, aber Realität. Allein dieser Slogan zeigt, dass Feuerwehrleute heute mehr können als nur Feuer löschen. Die Feuerwehr scheint das Allheilmittel zu sein für fast jede Schadenslage und jeden Hilfefall.

Während die Wehren noch vor 150 Jahren ausschließlich zur Brandbekämpfung ausrückten, hat sich die Feuerwehr in den letzten Jahrzehnten immer stärker zu einer hochtechnisierten Hilfsorganisation, zum Lebensretter und Katastrophenhelfer in der Not entwickelt. „Ja, das ist so. Heute machen Brände gerade noch 20 bis 30 Prozent unserer Einsätze aus“, sagt Norbert Böttner, stellvertretender Leiter des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz in Gotha. Die Hauptlast, die Feuerwehren im Landkreis zu tragen haben, sind Hilfeleistungen. „Wir rücken aus zu Unfällen und Naturkatastrophen, beseitigen Ölspuren, fangen Tiere ein oder helfen wenn Vierbeiner in Not sind und kümmern uns um überfahrene Tiere. Auch bei Insektenbefall helfen die Kameraden, roden den gefährlichen Bärenklau, kommen zum Einsatz bei Gefahrguttransporten und Notöffnungen sowie bei Brandsicherheitswachen zu ungezählten Veranstaltungen“, erzählt der aktive Feuerwehrmann weiter.

Und nun soll die Feuerwehr auch noch auf Volksfesten den Verkehr regeln? „Ja und nein. Das Gesetz wurde zwar vom Thüringer Landtag beschlossen, soll aber demnächst konkretisiert werden“, schränkt Böttner ein. Soll heißen: „Die Feuerwehr kann zur Absicherung gemeindlicher Aufgaben angefordert, aber nicht von Vereinen zur Verkehrsreglung eingesetzt werden.“

Damit haben die Blauröcke gut zu tun. Löschen, retten, bergen und schützen. Und obwohl die Kameraden immer zur Stelle sind, wenn Hilfe gebraucht wird, scheint die Akzeptanz in der Bevölkerung zu schwinden. „Das stellen wir immer öfter fest“, bestätigt Norbert Böttner und plaudert aus der täglichen Arbeit: „Da werden Sperrungen bei Unfällen ignoriert oder es wird mit den Feuerwehrleuten diskutiert, die Kameraden bei ihrer Arbeit behindert, Einsatzkräfte angepöpelt oder es gibt Beschwerden über Lärmbelästigungen bei nächtlichen Einsatzfahrten.“ Warum ist das so? „Über die Gründe im Einzelnen kann man sicher nur spekulieren. Wir haben festgestellt, je größer das Auto ist, umso uneinsichtiger sind deren Fahrer, wenn bei einem Einsatz die Straße kurzzeitig gesperrt werden muss – Tendenz steigen“, so Böttner.

Eigentlich unverständlich. Sind doch die ein großer Teil der Feuerwehren auf freiwilliger Basis und die Einsatzkräfte nicht aus Spaß vor Ort. „Immer geht es darum in einer Notsituation zu helfen und / oder Gefahr abzuwenden. Jedem soll im Ernstfall schnell geholfen werden. Und den Einsatz von Blaulicht und Sirene regelt das Gesetz. Nur nur wenn wir beides benutzen sind wir auch versichert“, resümiert Böttner und wünscht sich für seine Kameraden mehr Akzeptanz und manchmal ein bisschen mehr Abstand im Einsatz.
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1 Kommentar
Lokalredaktion Gotha aus Gotha | 10.04.2012 | 11:47  
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