Mehr Zeit zum Lernen: Gymnasium Ernestinum in Gotha bietet offene Ganztagsbetreuung an

Ernestiner-Chef Dr. Lutz Wagner und seine Nachmittagsschüler.
Gotha: ... | Dienstagnachmittag am Gymnasium „Ernestinum“ in Gotha. In einem Klassenzimmer in der ersten Etage sind fast alle Bankreihen besetzt. Etwa zwanzig Schüler beugen sich über ihre Schulhefte und schreiben emsig. Schulleiter Dr. Lutz Wagner diktiert einen Text. „... den süßen Früchten konnte er nicht widerstehen...“ Die Schülerin an der Tafel schreibt „wiederstehn“. Diktate sind für die Fünftklässler fester Bestandteil des gymnasialen Lehrplans. „Im Unterricht haben die Lehrer oft nicht die Zeit, auf jeden einzelnen Schüler einzugehen, zum Beispiel um grammatische Schwächen auszuloten. Deshalb bieten wir dienstags, mittwochs und donnerstags eine Hausaufgabenbetreuung mit individueller Förderung an. Diktate zum Beispiel können wir sofort berichtigen und die Fehler auswerten“, erklärt Wagner. Seine Lehrer leisten diese Stunden zum Teil unentgeltlich.

Hausaufgabenbetreuung am Gymnasium ist nicht verbindlich, doch Schulleiter Wagner hält das Modell für unverzichtbar. Ihm ist wichtig, dass die Schüler bei den Hausaufgaben einen Ansprechpartner haben. Deshalb nahm er die etwa zweistündige Betreuung in sein Schulkonzept auf. „Für viele Schüler ist der Übergang von der Grundschule zum Gymnasium ein harter Schnitt. Wir wollen den Schülern in den Kernfächern Mathematik, Englisch und Deutsch zusätzliche Angebote unterbreiten.“ Über die Hälfte der Fünftklässler nehmen das Ganztagskonzept an, in Englisch und Mathematik müssen die Gruppen jetzt sogar geteilt werden.

Das „Ernestinum“ ist ein offenes Gymnasium, die Ganztagsbetreuung inklusive freiwilliges Hausaufgabenprojekt gibt es für die Klassenstufe 5 seit Schuljahresbeginn im August. Im kommenden Jahr können auch die Sechstklässler von dem Konzept profitieren. Bereits jetzt wollen Schüler auf die professionelle Betreuung durch Lehrer und ältere Schüler nicht mehr verzichten. „Es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, dass man keine Fehler hat und keine Angst vor dem nächsten Tag haben muss“, sagt die elfjährige Hanna. Oskar (11) findet gut, dass er an Ort und Stelle fragen kann, wenn er etwas nicht verstanden hat. Und auch Kelly (10) geht jetzt beruhigter zur Schule: „Deutsch ist mein schwaches Fach, deshalb bin ich froh, dass es dieses Angebot gibt.“

Trotz des Lernens am Nachmittag sind die Ernestiner in ihren Freizeitaktivitäten nicht eingeschränkt. „Über 50 Prozent unserer Schüler spielen ein Instrument“, weiß der Schulleiter. „Darauf müssen sie auch künftig nicht verzichten, weil sie sich den Tag aussuchen können, an dem sie an der Hausaufgabenbetreuung teilnehmen.“

Dass sein Projekt bereits erste Früchte trägt, macht Lutz Wagner stolz. „Das Angebot ist nicht dogmatisch, die Schüler aber spüren den Erfolg und sind wesentlich offener und zufrieden.“

Termin: Tag der offenen Tür am humanistisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium „Ernestinum“ in Gotha: 25. Januar 2014, 10 bis 13 Uhr, Bergallee 8, Sporthalle.
Infos: www.ernestinum-gotha.de
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Renate Jung aus Erfurt | 07.12.2013 | 00:57  
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