Sie wird nun Gestalt annehmen – bei reichlichem Für und Wider

Der Gothaer Stadtrat beschloss am Mittwoch (06.06.2012) mit 19 Ja-Stimmen zu 12 Nein-Stimmen, im Rahmen einer Erarbeitung des Bebauungsplanes auf einer Teilfläche des Plangebietes das Baurecht für die „Altstadt-Galerie“ zu schaffen.

Die Stadtratssitzung wurde weitestgehend vom Fragenkatalog des ehrenamtlichen Beigeordneten Mathias Baier geprägt. Waren die Fragen auch berechtigt, so waren sie und die Antworten bereits vorher den Stadträten zugegangen.
Sie in dieser Sitzung erneut zum Thema zu machen, galt zwar einerseits übriggebliebenen Fragen zu den Antworten, brachte allerdings nichts nennenswert Neues hervor.
Dank des Oberbürgermeisters wurde Informationsgerechtigkeit auch und gerade für die zahlreichen Gäste geschaffen, indem er selbst alle Antworten vorlas, so dass Rede und Gegenrede für alle Anwesenden klar gegeben waren.

Der Antrag der Stadträtin Bärbel Schreyer, die Entscheidung zu vertagen und die Beurteilung erneut in den Bauausschuss zu geben, um dort auch weitere Angebote mit in die Waagschale zu werfen, erhielt die erforderlichen Unterstützungsstimmen, um als Antrag zur Abstimmung zu kommen, wurde dann allerdings mehrheitlich abgelehnt.

So kam es in der Abstimmung zum Beschluss, der als Meilenstein für den Bau des Einkaufszentrums „Altstadt-Galerie“ gewertet werden kann.

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Seit 2010 habe ich an einigen Versammlungen teilgenommen, bei denen es um die „Altstadt-Galerie“ (zwischenzeitlich „Residenzstadt-Galerie“ und im Volksmund „Glitzerpalast“) ging. Eigentlich waren es wiederkehrende Darstellungen des Investors zum Projekt aus dem Mund des Stadtarchitekten, wurden Alternativen hinterfragt aber mit unterschiedlichsten Begründungen als vernünftig und größenordnungsmäßig nicht umsetzbar verworfen.

Seitens der Stadt wurde auch erst in den letzten Monaten offener gegenüber der Bevölkerung gearbeitet, wobei bis heute wohl (nach über 20 Jahren Einheit) leider kein innerstädtisches Konzept existiert. Die Befragung, ob und warum man FÜR oder GEGEN den Bau der „Altstadt-Galerie“ sei, war zwar mit 71% dafür ausgefallen – ob sie allerdings las repräsentativ angesehen werden kann, wurde der Stadt als ausreichend angesehen, was jedoch angezweifelt und nicht klargestellt wurde.

Erst jüngst vorgestellte Gutachten zur „Altstadt-Galerie“ sprechen von Risiken aber auch berechtigten Chancen. Was den Straßenverkehr anbelangt, kann man die Stadt freilich nicht total umbauen sondern muss auf den Gegebenheiten basieren und sind somit Beeinträchtigungen zu erwarten.

Dann gab es in den letzten Tagen Angebote von verschiedenen Architekten, welche andere Lösungen gern vortragen würden - bis hin zu Universitätsstudien-Angeboten.
Eine Studie zu Risiken eines solchen Einkaufszentrum (zumal nicht unmittelbar) in der Innenstadt sondern durch eine Straße optisch getrennt - wurden verteilt und in der Stadtratssitzung ebenfalls erwähnt. Wie vieles früher hätte eingebracht und bedacht werden können, so handelte es sich hierbei um eine Veröffentlichung von 2006 mit Daten aus 2000 bis 2005. Eine telefonische Nachfrage des Stadtarchitekten in der betreffenden Stadt ergab, dass seit 2005 sich viel zum Besseren geändert habe.

Wahrlich ist es nicht so einfach gewesen, JA zu der „Altstadt-Galerie“ zu sagen – und es bleiben noch viele Fragen, die zu beantworten sind, und Aufgaben, die gelöst werden müssen.
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Die Stadtratssitzung lief meines Erachtens Gefahr, zum Podium der Ablehnung und entsprechender Stimmungserzeugung bei den Abgeordneten und Gästen genutzt zu werden unter Abrede der Chancen – letztlich ohne den erwarteten Erfolg.

Doch wie sieht es mit dem auch möglich gewesenen NEIN aus?
Über die Jahre nach der Einheit unternahm die Stadt viele Anstrengungen, die wachsende Zahl der leeren Verkaufsflächen durch Neuansiedlungen zu bremsen. Dieses Ziel wurde nicht erreicht – ja die Anzahl der Leerräume wächst weiter. Durch den Wegfall von „Schlecker“ betrifft das allein weiter zwei Läden der Innenstadt.
Jüngst hat sich ein Gothaer Händlerring aufgelöst, weil er es nicht schaffte, die Händler der Innenstadt zu einheitlichem Handeln und Gestalten in den anstehenden Fragen wie zum Beispiel allein der Öffnungszeiten zu bringen.

Wenn aber die Innenstadt seitens der Händler und der Stadtverwaltung nicht so attraktiv gemacht werden kann, dass Besucher und Gothaer gern hier einkaufen, dann wird Gotha bald eine reine Museums- und Ausstellungsstadt.

Weil dem so ist und es keine nennenswerten Ansätze zu dieser Umsetzung gibt, ist die „Altstadt-Galerie“ vornehmlich als eine Chance für Gotha zu sehen, diese Innenstadtproblematik positiv zu befördern.
Dazu erscheint mir der Name des Einkaufzentrums mit „Altstadt-Tor“ zutreffender als Verbindung/Eingang zur Innenstadt und somit für Gothaer Gäste einladender zu sein.
Dass die ersten Jahre dieses Einkaufzentrum weitere Leerräume der Innenstadt zur Folge haben werden/können, bestreitet niemand. Doch OHNE ist das gleichermaßen die gegenwärtige Innenstadtzukunft!

Weitere Jahre immer wieder neue Projekte zu erörtern und anderen Investoren eine Chance geben zu wollen, Gothas Innenstadtverkaufsfläche zu gestalten, bedeutet eine Hinausschiebung um mindestens 10 Jahre. Diese Zeit hat Gotha aber nicht, meine ich.
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