Unbegründete Bekämpfung und Tötung von Wildtieren

Unabhängige Tierschutz – Union Deutschlands
Rechtsdurchsetzungsorganisation für Tierschutz, Natur und Umwelt
Aktionsbündnis – „Natur ohne Jagd“ - Union zum Schutz allen Lebens
angeschlossen bundesweit tätige Tier- und Naturschutzorganisationen und Einzelpersonen
deren Arbeitsgebiet im karitativen und politischen Wirken für Tiere, Natur und Umwelt liegt.
Ansprechpartner im Netzwerk bundesweiter Tierschutz-Notruf 0700 – 58585810
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# Mail: harald.von-fehr@tierschutz-union.de

Gotha, den 02.11.2015

An die EU-Abgeordneten, die ein Herz für Tiere haben und sich auch für sie einsetzen – sowie an die Mitglieder der EU-Parlamentsgruppe „Intergroup on the Welfare and Conservation of Animals“
Betr: Unbegründete Bekämpfung und Tötung von Wildtieren

Waschbären, die nach der EU-Verordnung 1143/2014 als Invasive Art eingestuft worden sind, müssen sofort rehabilitiert werden!
Waschbären sind nach einer fast 100-jährigen Ausbreitungszeit und unzähligen nachkommenden Generationen ihrer Art allein in Deutschland zu einem festen Bestandteil der Fauna geworden und gelten nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) als "etablierte heimische Tierart“
Wo bleibt der Tierschutz auf EU-Ebene, wenn hier Tierarten als Invasoren eingestuft ,
verfolgt und bekämpft werden, die längst als heimisch gelten?

Wenn sich gebietsfremde Arten bei uns selbständig - d.h. ohne Einfluß des Menschen - über mehrere Generationen erhalten, gelten sie als etabliert. Etablierte gebietsfremde Arten, die natürliche oder naturnahe Lebensräume besiedeln und sich deshalb auch ohne menschlichen Einfluß bei uns halten, nennt man Agriophyten bzw. Agriozoen – keinewegs "Invasoren"!

Es gibt deshalb absolut keinerlei Gründe gegen die Waschbären vorzugehen, es sei denn, man erkennt Jäger, also jene Menschen, die aus Spaß am Beutemachen und purer Lust zum Töten, als zurechnungsfähige Naturregulierer an. Denn nur sie sind es, den vielen Tierarten in unserer Umwelt, so auch den Waschbären, keine Daseinsberechtigung zugestehen – sie deshalb "ohne vernünftigen Grund töten, was eindeutig als Verbrechen zu werten ist!

Es sollte letztendlich keinesfalls übersehen werden, daß unsere Welt schon immer veränderlich war und auch bleibt – folglich Arten verschwinden und Arten hinzukommen, was kein Grund ist, hinzukommende Arten als "Invasoren" einzuordnen und sie zu bekämpfen.
Wir Menschen haben, im Gegensatz zur Evolution, nicht das Recht Gott zu spielen!!!


Sehr geehrte Damen und Herren,

Am 1. Januar 2015 ist die EU-Verordnung Nr. 1143/2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten in Kraft getreten.
Invasive Arten, also gebietsfremde Arten sind jene Arten, die erst durch den Einfluß des Menschen zu uns gekommen sind und eine ökonomische, gesundheitliche oder ökologische Gefahr in ihrem neuen Lebensraum darstellt.
Waschbären zählen folglich keineswegs zu einer invasiven Art , da sie keine ökonomische, gesundheitliche oder ökologische Gefahr in ihrem inzwischen heimischen Lebensraum darstellen!
Im Mittelpunkt dieser EU-Verordnung steht die „Unionsliste“, eine Liste invasiver gebietsfremder Arten von EU weiter Bedeutung, für die Maßnahmen zum zukünftigen Umgang festgelegt werden, wie Prävention, Minimierung und Kontrolle von möglichen nachteiligen Auswirkungen auf andere Arten und/oder Ökosysteme.
Priorität hätte dabei auf Prävention gelegt werden sollen, da diese ökologisch und ökonomisch günstiger ist, als ein nachträgliches Tätigwerden.

Für die gelisteten Arten wird dann ein EU-weites Verbot betreffend Einfuhr, Verkauf, Erwerb, Zucht, Verwendung und Freisetzung bestehen. Außerdem müssen die EU-Staaten alle erforderlichen Maßnahmen für die Ausrottung, Bekämpfung oder Eindämmung der aufgelisteten invasiven Arten treffen.
Und genau hier beginnt das Verwerfliche des Problems, was eigentlich keines ist!
Wer gibt den Menschen das Recht, Maßnahmen für die Ausrottung, Bekämpfung oder Eindämmung von Arten zu treffen, das durch die Evolution vielleicht völlig anders und sinnvoller geregelt würde!
Menschen können und sollten nicht versuchen die Natur zu ersetzen und sie zu beeinflussen –
dabei ist bisher noch nie etwas Nutzbringendes und Vernünftiges herausgekommen!

Ein erster Entwurf der Unionsliste ist durch die EU Kommission unter Heranziehung von Risikoabschätzungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen (??) erstellt worden. (https://docs.wto.org/dol2fe/Pages/FE_Search/DDFDoc...)
Fälschlicher – und deshalb auch verheerender Weise ist in dieser ersten Liste auch der Waschbär (Procyon lotor) aufgenommen worden, nämlich jene Tierart, die in Deutschland seit 1934 fest etabliert ist und die eigentlich alle für die invasive Aufnahme festgelegten Kriterien NICHT erfüllt.
Die Aufnahme erfolgte nur – und das behaupten lediglich Jäger, die zu gerne alle Tiere töten würden, die ihnen als Konkurrenten erscheinen – weil angeblich der Waschbär negative Auswirkungen auf andere „heimische“ Tierarten haben könne, obwohl gerade in diesem Fall solide, wissenschaftliche, intensive Untersuchungen das bisher nicht bestätigen konnten.

Der bei uns eingebürgerte Waschbär (Procyon lotor) gehört zu den Kleinbären. Sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Nord- und Mittelamerika. Nach Deutschland gelangte die Art zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch Pelztierzüchter. Am nordhessischen Edersee wurde der Waschbär 1934 sogar aktiv ausgewildert. Die Tatsache, daß der Waschbär bis 1954 unter Schutz stand, half der Art, sich in Deutschland auszubreiten. Heute befindet sich der Schwerpunkt seines Verbreitungsgebietes innerhalb Deutschlands im Dreiländereck Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.
Waschbären sind Generalisten, die nur geringe Ansprüche an die Art ihrer Nahrung stellen und sich schnell an geänderte Umstände anpassen können. Dies erklärt ihren Erfolg bei der Besiedlung neuer Lebensräume. Als Kulturfolger bevölkern sie sogar unsere Städte und ernähren sich von Speiseresten in Mülltonnen. Bisher hat die Ausbreitung des Waschbären noch keinerlei flächendeckenden ökologischen Schäden zur Folge.

Die deutschen Wildbiologen und Waschbären-Forscher des „Projektes Waschbär“ (www.projekt-waschbaer.de) verneinen, daß der Waschbär eine invasive Art ist (siehe Anlage - http://www.projekt-waschbaer.de/fileadmin/user_upl...).
Und hier die Anlage in Deutsch: Der Waschbär ist in Deutschland zu einem festen Bestandteil der Fauna geworden und gilt nach BNatSchG als „heimische Tierart“. Ob er allerdings als invasive Neozoenart anzusprechen ist, bleibt bisher unklar. Laut Biodiversitäts-Konvention von Rio ist eine Art dann invasiv, wenn sie eine ökonomische, gesundheitliche oder ökologische Gefahr in ihrem neuen Lebensraum darstellt. Ökonomie: Waschbären können lokale Ernteverluste durch Fraßschäden verursachen. Der landwirtschaftliche Gesamtschaden ist jedoch vernachlässigbar. In urbanen Habitaten können kostspielige Schäden an einzelnen Immobilien entstehen. Epidemiologie: Der Waschbär tritt als Krankheitsüberträger extrem selten in Erscheinung. Die einzig bekannte Zoonose bildet die Baylisascariose. Tollwut, Fuchsbandwurm und Trichinen spielen keine Rolle. Der Kleinbär kann jedoch als potentieller Vektor für das Canine Staupevirus dienen. Ökologie: Diskutiert wird, daß der Waschbär einen negativen Einfluß auf heimische Arten haben könnte. Hier fehlen solide, wissenschaftliche Untersuchungen. Einem Prädationsdruck auf einzelne Arten wirkt jedoch seine opportunistische Lebensweise entgegen. Auch ein Konkurrenzdruck auf heimische Raubsäuger konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Da eine verbindliche Definition über die Schadensgröße eines Neubürgers fehlt, bleibt eine abschließende Bewertung zur Invasivität des Waschbären schwierig. Nach bisherigem Wissensstand ist er allerdings als nicht invasive Art einzustufen.
Trotz aller List sind Waschbären weniger Jäger als Sammler. „Sie sind ziemlich faul und fressen, was sich gerade ohne viel Mühe finden läßt“, erklärt die Forstbiologin Berit Michler, vom „Projekt Waschbär“ an der TU Dresden, das zwischen 2006 und 2011 die Lebensweise der Waschbären des Müritz-Nationalparks untersuchte. Über das Jahr hinweg verputzt ein Waschbär zu etwa gleichen Teilen vegetarische Kost wie Samen und Früchte, Wirbellose wie Schnecken, Würmer und Insekten und kleine Wirbeltiere wie Mäuse, Frösche oder einen gelegentlichen Fisch.

Aber ihre Expertise ist von Ihrer Kommission überhaupt nicht zu Rate gezogen, obwohl diese Gruppe die allermeisten Erkenntnisse über Waschbären mittels Feldstudien gewonnen (und publiziert !) hat.

Das „Mobbing des Waschbären“ (http://www.oejv-hessen.de/aktuell.html - Vom Waschbär und seinen „Untaten“) wird nun EU-weit ausgedehnt und somit eine immer intensivere Bejagung der Waschbären jetzt auch von der EU-Kommission favorisiert.
In der Tat, schreibt die EU-Verordnung Deutschland vor, das Monitoring und Kontrolle seiner Waschbären vorzunehmen, Maßnahmen, die für diese inzwischen heimische Tierart auch „mit Schmerzen, Qualen, Angst oder anderen Leiden“(siehe Verordnung) verbunden sein werden.
Also Jagd -auch mit Totschlagfallen –unendliches Leiden- Tötung – verwaiste Tierbabys!
Dadurch können die Jäger ihren blutigen Beitrag zum Management und zur Erhaltung der biologischen Vielfalt hier bestehend aus der sinnlosen Ausrottung von jährlich ca. 100.000 Waschbären zur Schau stellen (https://www.jagdverband.de/node/719) und somit ihr tödliches Geschäft auch auf EU-Ebene rechtfertigen. Ist das aus der Sicht der EU-Abgeordneten, das, was sie sich vorgestellt haben?

Jetzt hat nicht nur Deutschland sondern auch die Europäische Union einen ganz passablen Sündenbock, den Waschbär.
Die Kampagne der Jäger-Presse mit Titeln wie „Plage, Pest, Nazi-Waschbär, Terror-Bär“ hat ihre Wirkung bis hin nach Brüssel gezeigt.
Und nun soll der Waschbär sogar intensiver bejagt werden. Die vielen dadurch resultierenden verwaisten Bärchen dürfen nicht mehr aufgezogen, gehalten oder freigesetzt werden, sollen/müssen eingeschläfert/erschossen werden. Eine schreckliche Vorstellung! Der blanke Horror!

Bevor alles dies schlimme Wirklichkeit wird, bitten wir im Namen der Tierfreunde, die sich für den Schutz der Waschbären einsetzen, Sie, Mitglieder der EU-Parlamentsgruppe „Intergroup on the Welfare and Conservation of Animals“ sowie auch andere tierliebe Abgeordnete bei der EU-Kommis-sion (DG Environment/Natural Capital/Biodiversity) zu intervenieren, damit der Entwurf der sogenannten Unionsliste als Instrument der EU-Verordnung über invasive gebietsfremde Arten Nr. 1143/2014 revidiert und neu überarbeitet wird, damit der Waschbär endgültig aus jener Liste herausgenommen wird.
Der Waschbär, dieses wunderbare und hochintelligente Tier, soll das Recht haben, in unserem Land ohne Bejagung zu leben.

Im Namen der Tierschutz-Union und aller Menschen,
denen unsere Natur, die Tiere und auch ihre Mitmenschen noch etwas bedeuten.

Mit freundlichen Grüßen

Harald von Fehr, Kooperationsleiter der Tierschutz-Union
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