Verbissenheit liegt wie ein Nebel in der politischen Luft

Gestern bei Günter Jauch wurde die Parteivorsitzende der LINKEN, Dr. Gesine Lötzsch, gefragt, weshalb ihre Partei gegen Joachim Gauck war/ist und eine Gegenkandidatin für des Amt des Bundespräsidenten ins Spiel brachte.
Nun ist es sicher richtig, dass das soziale Gefälle in Deutschland groß ist und Gauck sich dazu noch nicht ausreichend/wünschenswert äußerte. Doch strapazierte Gesine Lötzsch auch bei weiteren Fragen nur dieses eine Thema vorzutragen, wobei sie standardisiert erst einmal die politische Gegenwart darlegte, ehe sie die Antwort auf eine gestellte Frage in Angriff nahm. (Da hätte sie mal bei Gysi die Zahl guter Argumente abfragen sollen. So aber wirkte sie einfach nur verbissen.) Das zeigte mir wieder einmal ihre schwache Leistung in der Diskussion und im Umgang mit Argumenten. Demgegenüber waren die Gesprächspartner Hans-Jochen Vogel und Edmund Stoiber wesentlich besser und auch vorbereiteter – allerdings ebenfalls deutlich ein-sichtig.

Dass sich bei der Bundespräsidentenwahl 108 Wahlberechtigte der Stimme enthielten, sehe ich als einfach normal an und nicht, wie es schon wieder zu hören war, als „Abweichler“. Man sollte einfach eine frei Entscheidung respektieren.

Die Kandidatin der LINKEN, Beate Klarsfeld, nach Joachim Gaucks Wahl zu fragen, ob sie sich nun wenigstens von ihm das Bundesverdienstkreuz erwarte, fand ich geschmacklos und medienseitig reine verbissene Effekthascherei.

Sicher wird man sich seitens der ihn gewählt Habenden freuen und sich zu Joachim Gauck in seiner Art wie auch der erwarteten Ausstrahlung etwas überschwänglich äußern. Doch wird Joachim Gauck förmlich damit überschüttet, dass ausbleibende Aktivitäten schon jetzt enttäuschte Handlungsweisen ahnen lassen.
Meines Erachtens ist unser neuer Bundespräsident politisch (bis auf seinen Freiheitsbegriff) ein recht unbeschriebenes Blatt und wird in vielen Dingen seine Positionen erst finden, formulieren und verteidigen müssen. Doch die dafür nötige Mindestzeit muss ihm auch zugestanden werden.
Doch schier krampfhaft besessen hört man schon, dass er nicht Dies und Das . . .
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Zur Sicht auf die DDR:
Lobhudelei und Nostalgie sind mir ebenso zuwider, wie es der Rundumschlag Unrechtsstaat / SED-Diktatur ist. Kaum einer wird mit einem DDR-Inventar-Stempel herumlaufen und auch nicht so angesehen werden wollen. Abfälligkeiten wie „Zone“ oder „sogenannte DDR“ zeigen verbissene Grundhaltungen und sind nicht nur falsch sondern auch kaum zukunftshilfreich.
Ich verherrliche keineswegs die DDR und die Mittel der Staatsführung, die gute Zielsetzung eines „Sozialismus“ zu missbrauchen, ja in sein Gegenteil zu verkehren bis hin zur Menschenverachtung.
Aber ich lasse mir auch meine unverschuldete aktive Lebenszeit nicht schlecht reden.

Es ist genau wie früher – nur anders!

Viele Politiker belügen die Bevölkerung – teils aus Unkenntnis und teils aus Machtsicherung wie früher. Der Amtsschimmel wiehert keineswegs weniger. Mitläufer sind die Gleichen, wie ich sie aus der DDR-Zeit kenne. „Da müsste man aber mal! . . . “ oder „Dagegen kann man nichts machen!“ sagen ebenfalls die Gleichen. Aktiv und sehr oft ehrenamtlich tätig sind ebenfalls die Gleichen von früher. Und jede dieser Gruppen hat ihre Nachfolger bekommen oder sich herangezogen.
Allerdings, wenn man heute etwas für andere tut, hat man weniger Mitmacher aber mehr Befürworter und Beobachter als früher – abgesehen von Sponsoren, die früher meist nicht so sehr zu finden waren.
Nicht auf den Staat schieben, wo man nur von sich wegschieben / ablenken möchte.

Und schließlich kann sich jeder einmal überlegen, was es heute alles („neu“ / wieder) gibt, das zu DDR-Zeiten bereits existierte (natürlich heute mit anderem Namen) – und somit ja nicht schlecht gewesen sein kann. (ein Hinweis: Unterrichtstag in der Produktion)

In Bausch und Bogen etwas gut heißen oder verdammen – da macht man es sich zu einfach. Die jeweilige Sachlage konkret beleuchten und vor allem die Menschen und ihr Leben nicht über einen Kamm scheren, das erscheint mir wichtiger als je zuvor.
Dabei: Keinen Menschen ausgrenzen sondern mitnehmen wollen. Artikel 3 des Grundgesetzes selbst beherzigen!
[ In einer Veranstaltung in Berlin kurz nach der Wende wurde in den Saal gerufen: „Nazis raus!“. Eine vereinzelte Stimme rief etwas kläglich dagegen: „Wohin!“ – Verschämtes wie hilfloses Lachen im Saal! ]
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