Viel Aufmerksamkeit für den Kandidaten:

  Günthersleben-Wechmar: Günthersleben- | Uwe Walther wurde von den SPD-Mitgliedern mit großer Mehrheit zum Landrats-Kandidaten gewählt: GOTHA. Der erste Kandidat für die Landratswahlen im Frühjahr 2012 steht fest. Uwe Walther, stellvertretender Vorsitzender des SPD-Kreisverbandes Gotha, soll für die Sozialdemokraten in den Wahlkampf ziehen. Das haben die Genossen am vergangenen Samstag in Günthersleben-Wechmar entschieden. Der 49-Jährige erhielt 96,5 Prozent der Stimmen aller wahlberechtigten SPD-Mitglieder – und ungewöhnlich viel Aufmerksamkeit für einen Kommunalpolitiker. Vorab stand er dem Allgemeinen Anzeiger Rede und Antwort

Herr Walther, welche Herausforderung ist denn für den Landkreis Gotha in den kommenden Jahren die größte?
„Das Wichtigste ist, dass wir die Wirtschaft weiter fördern, damit Arbeitsplätze entstehen. Und zwar Arbeitsplätze, von denen man leben kann. Wir haben in Thüringen das niedrigste Lohnniveau in ganz Deutschland und als Niedriglohnregion hat der Landkreis Gotha keine Chance. Wir müssen dafür sorgen, dass ordentlich bezahlt wird.“

Sie sind also für einen Mindestlohn?
„Natürlich, die Zeit für moralische Appelle an einige Arbeitgeber ist vorbei. Die Menschen müssen gut bezahlt werden, wenn wir sie hier halten wollen. Der Fachkräftemangel zeichnet sich ab. Bei Ausbildungsplätzen ist die Situation in unserer Region innerhalb kürzester Zeit schon dramatisch geworden. Deshalb müssen wir etwas tun. Früher sind die Menschen der Arbeit überall hin gefolgt. Heute gehen die Unternehmen dorthin, wo sie gut qualifizierte Menschen finden. Die gibt es hier. Aber wir müssen daran arbeiten, dass sie hier bleiben.“

Das ist doch ein bundespolitisches Thema. Was kann der Landkreis da tun?
„Jeder Quadratmeter Land im Landkreis Gotha kann nur einmal verkauft werden. In der Vergangenheit wurden häufiger Firmen angesiedelt, die das Betriebsverfassungsgesetz nicht einhalten. Dort werden keine Betriebsräte zugelassen. Zum Teil wird der Belegschaft gedroht, wenn sie sich gewerkschaftlich engagieren will. Dies hat dazu geführt, dass der Landkreis Gotha zwar zu den umsatzstärksten Landkreisen des Freistaates gehört, aber beim Lohn zurückliegt. Künftig dürfen nur noch Firmen angesiedelt werden, die eine gesunde Arbeitnehmer- und Lohnpolitik vertreten. Dazu muss die Wirtschaftsförderung des Landkreises Gotha natürlich neu belebt werden.“

DER SPIEGEL, Deutschlandradio Kultur, die ARD – Sie waren in den vergangenen Wochen ganz schön gefragt. Wie erklären Sie sich dieses Interesse?
„Das Interesse der Medien lag sicherlich mehr an dem in Deutschland bislang einmaligen Wahlverfahren als an mir. Wir haben den Bürgern erstmals die Möglichkeit gegeben, einen Kandidaten zu bestimmen, der für sie in die Wahl ziehen soll. Und das unabhängig vom Parteibuch. Das macht natürlich Schlagzeilen.“

Sie wurden am vergangenen Wochenende nominiert – der Wirtschaftsminister und einige Landräte und Oberbürgermeister haben sich extra über eineinhalb Stunden ins Auto gesetzt, um bei der Nominierungsveranstaltung in Günthersleben-Wechmar anwesend zu sein.
„Das ist richtig, liegt aber daran, dass ich zu den Landräten und Oberbürgermeistern einen engen Kontakt habe. Wir sprechen uns ab. Davon profitiert auch der Landkreis Gotha. Zum Beispiel ist die neue Satzung für die Essengeldzuschüsse für unseren Landkreis nach Gesprächen mit dem Landrat Frank Roßner aus dem Saale-Orla-Kreis und Marion Philipp, der Landrätin aus Saalfeld-Rudolstadt entstanden. Und mit Wirtschaftsminister Mathias Machnig liege ich, was die Arbeits- und Wirtschaftspolitik angeht, auf einer Wellenlänge.“

Ist das nicht etwas dick ­aufgetragen? Sie sind schließlich kein Amts­inhaber sondern nur Kandidat. Ihr Einfluss ist also begrenzt.
„Ich bin Mitglied des Kreistages. Und arbeite dort in der Fraktion SPD – Bündnis 90/Die Grünen, der stärksten Kreistagsfraktion. Wir arbeiten eng mit den anderen Fraktionen zum Beispiel den Freien Wählern, der Bürgerinitiative gegen überhöhte Kommunalabgaben und der Fraktion DIE LINKE zusammen. Dieses Bündnis hat die Kreistagsmehrheit und entscheidet, was gemacht wird.“
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