Wild "verduftet" - Landkreis Gotha setzt auf bewährte Mitte zur Verminderung von Wildunfällen

Sicherheit an der B88: Landwirtschaftsminister Jürgen Reinholz (Mitte) und Landrat Konrad Gießmann (li.) bringen die ersten Reflektoren zwischen Ohrdruf und Crawinkel an.
 
Denn Rehe setzen plötzlich und unverhofft hier über die Straße. Fotos: hs
Es war "ganz großer Bahnhof", den man vor wenigen Tagen zum Pressetermin an der B 88 zwischen Ohrdruf und Crawinkel erleben durfte. An diesem Tag startete offiziell ein gemeinsames Projekt der Thüringer Landesanstalt für Wald, Jagd und Fischerei, der Kreisjägerschaft Gotha sowie des ADAC Hessen-Thüringen und des TÜV Thüringen zur Verminderung von Wildunfällen. Genau in diesem Bereich der B 88 als einen der Wildunfallschwerpunkte im Landkreis Gotha, werden in Kombination Wildwarnreflektoren und Duftzäune entlang der Bundesstraße angebracht, um die Wildtiere vom Überqueren abzuschrecken. Alle Initiatoren und politische Prominenz von Landkreis und Land waren zum Pressetermin erschienen, auch Forstminister Jürgen Reinholz. Das Projekt soll noch erweitert werden und weitere Wildunfallschwerpunkte des Landkreises erfassen.

Klotzen bringt unbenommen mehr als Kleckern, vielleicht war es das, warum in Ohrdruf von "neu", von einer Erprobung und einem eventuellen "Schule machen" gesprochen wurde, denn so neu ist dieses unbestritten tolle Projekt "Wild und Straße" nicht. Es ist unter dem Namen "Chamer Modell" bekannt geworden, welches bereits 1987 vom Automobilclub ADAC und dem Landesjagdverband in Zusammenarbeit mit Wildwissenschaftlern im namensgebenden oberpfälzischen Landkreis gestartet worden war, zunächst als System zur Erfassung möglichst aller Wildunfälle und Gefahrenbereiche, im weiteren in Ausdehnung auf den Einsatz von Wildwarnreflektoren. Unter der Leitung des Jägers Klaus Riedel wurde es 1990 im Landkreis Kronach erstmals um Maßnahmen wie Duftzäune und Wildäcker erweitert. 1995 schloss sich dann als erster Thüringer Landkreis das benachbarte Lobenstein dem Projekt an. Einheitliches Ziel: das Wild vom Überqueren der betreffenden Straßenabschnitte abzuhalten. Der Erfolg gab recht. Die Wildunfälle, die nicht nur dem Wild das Leben kosten oder hohen Sachschaden verursachen, gingen an diesen Abschnitten um mehr als 50 % zurück. Reflektoren und der das Wild an Mensch oder Hund "erinnernde" Duft im Schaum veranlassen es zum vorsichtigeren Überwechseln, oder lassen es an weniger belebten Abschnitten bzw. zu ruhigeren Zeiten die Straßen überqueren.

Es ist zumindest eine und wirklich gute Möglichkeit, die hohe Zahl von bundesweit etwa 400 Tausend Unfällen mit Wildtieren zu senken. Die wichtigere ist der Mensch und sein Wissen um das Verhalten der Tiere selbst. Der Autofahrer sollte immer bedenken, dass Wild meist in Rudel auftritt und dem einzelnen Reh auf der Straße auch weitere folgen können. Er muss wissen, dass es nicht unbedingt die Fahrbahn auf dem kürzesten Weg verlässt, sondern durchaus vor dem Auto herflüchten kann, im Scheinwerferlicht stehen bleibt oder gar völlig verstört wieder zurück springt. Er sollte vor allem wissen, dass beim Zusammenstoß mit einem nur 20 Kilogramm schweren Reh schon bei Tempo 100 eine halbe Tonne auf das Fahrzeug einwirkt, also die Geschwindigkeit des Fahrzeuges von enormer Bedeutung - eben auch für sein eigenes Leben - ist. Und: wir sind nicht allein in unseren Autos in der Landschaft unterwegs...

Obwohl nicht "so ganz neu", kann man diesem guten Projekt nur Erfolg und zahlreiche Investoren für die notwendige Beschaffung von Reflektoren und Duftschaum wünschen.
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